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Politik 2.0 Das Internet und die Zukunft der Demokratie 1 Sprache. Kultur. Deutschland. Politik-2.0-06-01-DT+SL.indd ...

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Politik 2.0 Das Internet und die Zukunft der Demokratie

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iese Broschüre geht aus einer Podiumsveranstaltung hervor, die im Mai 2013 in Ljubljana stattfand. Deutsche und slowenische Teilnehmer diskutierten über das Thema Internet und Demokratie im Rahmen des Programms der wissenschaftlichen Buchmesse liber.ac 2013, veranstaltet von der Philosophischen Fakultät der Universität Ljubljana. Ich danke allen Mitwirkenden und Unterstützern sowie insbesondere auch dem Goethe-Institut Ljubljana unter der Leitung von Hendrik E. Kloninger, dessen nachdrückliches Engagement sowohl die Veranstaltung als auch die Veröffentlichung erst möglich gemacht hat. Kristian Donko, Ljubljana im November 2013

INHALT 3

Grußwort der Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland, Dr. Anna Prinz

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Jan-Hinrik Schmidt Das demokratische Netz?

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Kristian Donko Das Internet und die Zukunft der Demokratie.

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Katja Koren Ošljak Zwischen narzisstischer Selbstdarstellung und politischer Partizipation im Internet

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Christian Nuernbergk Digitaler Protest, digitale Partizipation – demokratische Netzwerköffentlichkeit?

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Nika Mahnič und Jasmina Ploštajner Neue Ansätze gegen die Krise der Politik: Das Beispiel des Portals Danes je nov dan

Tanja Oblak Črnič Herausforderungen der E-Demokratie: 2003-2013

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Slavoj Žižek Das Internet als Kampfplatz

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Informationen zu den BeiträgerInnen

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Ksenija Vidmar Horvat Vox Populi und die digitale öffentliche Kultur

Impressum © Goethe-Institut Ljubljana © Philosophische Fakultät der Universität Ljubljana © AutorInnen Foto auf Seite 3: © Jörg Carstensen, dpa), Foto auf Seite 33: Slavoj Žižek von Andy Miah (lizensiert unter creative commons, CC BY-SA 2.0) Übersetzung und Lektorat: Die Texte von Anna Prinz, Kristian Donko, Christian Nuernbergk, Jan-Hinrik Schmidt, Slavoj

Žižek wurden ins Slowenische übersetzt von Tanja Petrič; Tanja Oblak Črnič ins Deutsche übersetzt von Lars Felgner, Ksenija Vidmar Horvat, Nika Mahnič/Jasmina Ploštajner, Katja Koren Ošljak ins Deutsche übersetzt von Marco Wolf. Die slowenische Übersetzung deutscher Texte lektorierte Eva Vrbnjak. Die Übersetzungen ins Deutsche lektorierte Kristian Donko.

Grafik, LayOut und Umschlag: Grafik & Design Peter Swoboda

ISBN: 978-3-9503072-4-5 Die hier versammelten Beiträge geben nicht die Meinung der Herausgeber wieder.

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Grußwort Mit dem Web 2.0 zur Demokratie 2.0? Es wird viel darüber diskutiert, welche Auswirkungen das Internet mit seinen (nun schon nicht mehr ganz so) neuen Möglichkeiten auf politische Prozesse, Demokratie, Meinungsbildung und Partizipation hat.   Das Angebot an neuen Informationsmöglichkeiten ist vielfältig. Durch Formate wie Website- und Facebook- Auftritte von Politikern und Institutionen, Werbevideos, Podcasts, Internet-Talkshows oder Twitter-Nachrichten werden die Nutzer auf unterschiedliche Weise angesprochen und sind in der Lage, selbst einen passenden Informationskanal zu wählen.   Als erstes Medium gestattet das Internet die Vermittlung von Informationen ohne wesentliche Kommunikationsverzögerung. Umgehende Berichterstattung, Live-Streams und Twitter-Nachrichten von anderen Nutzern des Internets machen andere Mediatoren von Ereignissen überflüssig und ziehen die Bürger näher an das Geschehen heran. Die Fähigkeit, globale Entwicklungen in Echtzeit zu verfolgen, kann Interesse fördern und einen transparenteren Einblick in aktuelle Verwicklungen gewähren.   Gleichzeitig bricht das Internet die Einbahnstraße der Informationsvermittlung auf und eröffnet die Möglichkeit zu gegenseitigem Austausch von Politik und Bürgern. Feedbackoptionen, Kommentare und „Likes“ illustrieren den Verantwortlichen der Inhalte, wie Positionen und Entscheidungen in der Bevölkerung aufgenommen werden und fördern die individuelle Kommunikation. Auf der anderen Seite kann auch von Einzelpersonen eine große Öffentlichkeit erreicht werden.   Das Internet bildet also eine neue demokratische Plattform, auf der jede Meinung geäußert und wahrgenommen werden kann. Jedem Einzelnen kann die Freiheit zu Austausch, Nachfragen und Rechtfertigung, zu Mitsprache und uneingeschränkten Informationszugang gewährt werden.   Die Wirkung dieser Gleichberechtigung ist jedoch nicht auf den virtuellen Raum begrenzt. Das allgemeine Recht auf Mitgestaltung überträgt sich auch auf das demokratische System, wenn Vorschläge oder Stimmungsumfragen zu politischen Prozessen in Entscheidungen berücksichtigt werden. Das schafft Identifikation mit der Politik und hat Potenzial, einer allgemeinen Politikverdrossenheit entgegenzuwirken.   Das Internet ist für die Demokratie allerdings kein bloßer Katalysator. Eine zunehmende Mündigkeit und Selbstbestimmtheit im Netz bedingt auch, dass der Bürger Verantwortung für seinen Umgang mit dem Internet übernehmen muss. Auch die Politik wird in die Verantwortung gezogen. Um das demokratische Potenzial des Internets auszuschöpfen, muss sie gleiche Möglichkeiten zu Zugang und Beteiligung für alle gewähren. Nicht zu vergessen sind die besondere Verantwortung im Umgang mit Daten und Datenschutz sowie die Verpflichtung zu einer neuen Ethik des Umgangs mit Daten, die weltweit zugänglich sind.   Vom Web 2.0 zur Demokratie 2.0 bleibt es ein großer Schritt. Nur wo Menschen sich engagieren und Initiative ergreifen, eröffnen neue Kanäle überhaupt erst neue Möglichkeiten. Die Demokratie wird durch das Internet nicht zum Selbstläufer. Letztlich kommt es bei allen neuen Chancen durch das Internet auf eines ein: auf das Engagement des Einzelnen und seinen Willen, sich einzubringen und mitzugestalten. Die Möglichkeiten dafür sind vielleicht so gut wie nie zuvor.

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der Stadt und einem Privatunternehmen (dem für die Aufstellung von Radarfallen der Löwenanteil der einzutreibenden Bußgelder versprochen wurde) öffentlich wurde, entlud sich der Zorn spontan in der Zerstörung der Anlagen.1

Kristian Donko

Politik 2.0 – Zukunft der Demokratie?

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n Europa wächst die Wut. „Empört euch!“, so hieß eine 2010 erschienene Streitschrift des Franzosen Stéphane Hessel, die zu einem internationalen Bestseller wurde. Zuvor sorgte bereits eine anonyme Flugschrift mit der Ankündigung eines „kommenden Aufstands“ für Aufsehen. Die Völker scheinen die Signale zu hören: Ob in Athen, Rom, Madrid, Istanbul oder im sonst so betulichen Stuttgart – die Straße als politischer Schauplatz hat Renaissance. Man denke nur an die weltweite Occupy-Bewegung mit Ablegern in Slowenien und Deutschland.   Bei aller Heterogenität der Motive und Absichten solcher Proteste wird zumindest eines deutlich: Der Zorn auf das politische System eint Bürger verschiedenster Nationalität und politischer Couleur – und das ist nicht nur eine Folge der globalen Wirtschaftsund Finanzkrise.

  Damit betrat auch in Slowenien jener neue Typus die politische Bühne, der in Deutschland schon länger für Furore sorgt: der „Wutbürger“. 2 Sein Coming-Out erlebte er in Stuttgart, wo sich unter anderem gut situierte Bürger mit unerwarteter Rabiatheit gegen den milliardenschweren Bau eines unterirdischen Bahnhofs wandten. An diesem Fall zeigte sich, dass politischer Protest nicht mehr nur eine Sache von sozial benachteiligten Bevölkerungsschichten, von traditionell demonstrationsfreudigen politisch Linken oder jüngeren Menschen ist. Vielmehr ergreift die Wut zunehmend auch grundsätzlich eher konservative bürgerliche Schichten, die ihrer Enttäuschung und Frustration über politische Entscheidungen vehement freien Lauf lassen.   Jenseits soziodemographischer Variablen oder politischer Einstellungen teilen offenbar größere Teile der Bevölkerungen Europas ein prinzipielles Misstrauen gegen die Steuerungsansprüche des Staates und der Politik. Stattdessen fordert man politische Mitsprache und Beteiligungschancen oder zumindest weitgehende Vetorechte ein, die über das Ankreuzen von Kandidaten und Parteien in der Wahlkabine hinausgehen. Doch ist die Öffentlichkeit der Straße im 21. Jahrhundert noch der geeignete Ort, um solche Ansprüche zu verwirklichen?   Wohin also mit der Wut, wenn liebevoll bemalte Transparente und fliegende Pflastersteine vielleicht nur begrenzt wirksam sind?   Immer häufiger ist mittlerweile vom Internet als Quelle einer neuen politischen (Protest-) Kultur die

  „Kam z našo jezo?“ - „Wohin mit unserer Wut?“, fragte etwa die slowenische Zeitschrift Mladina im Frühjahr 2013 angesichts der von zahlreichen Korruptionsaffären erschütterten politischen Lage. Vorerst mussten Radarfallen daran glauben. Als in Maribor ein korruptionsverdächtiger Deal zwischen

1 Die Genealogie des Geschehens ist inzwischen auch in der englischsprachigen Version von Wikipedia nachzulesen: Eintrag: „2012–13 Maribor protests“ http://en.wikipedia.org/wiki/2012%E2%80%9313_Maribor_protests (abgerufen am 08.11.2013). 2

Ebenfalls mit einem Wikipedia-Eintrag bedacht: Eintrag „Wutbürger“ http://de.wikipedia.org/wiki/Wutb%C3%BCrger (abgerufen am 08.11.2013)

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Rede. Dabei zeichnen sich Möglichkeiten einer tiefgreifenden Veränderung des politischen Systems ab – von der Herstellung von Öffentlichkeit über die Aushandlung von Positionen, die Klärung von Durchsetzungspotenzialen und Machtchancen bis hin zu neuen Wegen der demokratischen Entscheidungsfindung. Verschafft also eine Medientechnik der altehrwürdigen repräsentativen Demokratie die womöglich notwendige Frischzellenkur? Lassen sich im Netz Menschen, die sich innerlich bereits von der Politik verabschiedet haben, mobilisieren und zur aktiven politischen Gestaltung bewegen? Können Wut, aber auch Leidenschaft und Lust am Gestalten in Kanäle gelenkt werden, die einen produktiven politischen Diskurs ermöglichen? Oder heizt am Ende das Internet letztlich die Emotionalisierung und vielleicht auch Trivialisierung der Politik zusätzlich an? Noch gibt es in Sachen Internetdemokratie mehr Fragen als Antworten – doch dass diese Fragen gestellt werden müssen, daran zweifelt kaum jemand. Piraten bekommen erst Oberwasser, gehen dann aber baden   Das politische Phänomen 2012 in Deutschland war der rasante Aufstieg der Piratenpartei – gewissermaßen des politischen Arms der Internetrevolution. Unbenommen der Frage, ob die Piraten nach dem gescheiterten Bundestageinzug 2013 nur eine Episode der bundesdeutschen Parteiengeschichte bleiben werden – eines dürfte klar sein: Mit ihnen ist die deutsche Parteipolitik endgültig in der medialen Wirklichkeit des 21. Jahrhunderts angekommen.   Immer mehr Menschen erschließen sich ihre Welt online und diese unumkehrbare Entwicklung macht auch vor dem politischen System nicht halt. Dabei geht es nicht nur um alternative Verbreitungswege und Darstellungsformen für politische Botschaften (siehe Facebook, Twitter, YouTube & Co).   Das Internet ist nicht einfach nur ein weiterer Kommunikationskanal neben „Bild, BamS und Glotze“3 . Es wird mittelfristig auch die traditionellen Handlungsrollen innerhalb des politischen Feldes verändern. Die repräsentative Demokratie setzt eine legitime, letztlich jedoch starre Unterscheidung zwischen Produzenten und Konsumenten von Politikangeboten voraus: auf der einen Seite die politische Klasse, auf der anderen Seite die Wähler. Dabei konnte das politische System bislang auf die klassischen Massenmedien bauen, die zwar die Rolle des unabhängigen und kritischen Beobachters einnehmen, deren

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Funktionsweise aber – analog zur Politik – auf einer strikten Trennung zwischen Sendern und Empfängern beruht. Im Ergebnis näherten sich damit zwei strukturell ähnliche Systeme – Politik und Medien – in dem Maß einander an, wie sie den Kontakt mit den Wählern respektive dem Publikum verloren. Unter dem Schlagwort Mediendemokratie wurde dieses Phänomen insbesondere in den 1990er Jahren in der Politikwissenschaft ausgiebig diskutiert.   Das Internet funktioniert jedoch anders. Es betreibt eine konsequente Aufhebung der Trennung von Sendern und Empfängern. Das Web 2.0 und die Social Networks leben von der Aktivierung und Aktivität der Nutzer. Gerade für junge Menschen ist das Mitmachen in sozialen Netzwerken und das Gestalten von Inhalten zur Normalität geworden. Was läge also näher, als diese Ansprüche auch an die Politik zu richten? Eine größer werdende Zahl von Menschen orientiert sich daher in Sachen politischer Beteiligung am Vorbild der Online-Kommunikation und damit an den Mitwirkungsmöglichkeiten, die ein dezentral organisiertes Medium wie das www. bietet.   Auf lange Sicht werden so die Spielregeln der Politik verändert. Es geht letztlich um ein neues Verständnis von Politik, womöglich gar um eine neue politische Ethik – etwa um die Forderung nach größtmöglicher Transparenz politischer Kommunikation, um möglichst lückenlose öffentliche Ausleuchtung der politischen Hinterbühnen und um damit um einen möglichst unge-hinderten Zugang zu Informationen. Für optimistische Stimmen scheint das Internet daher beinahe eine Art postmoderne Verwirklichung des antiken polis-Ideals zu sein, also der Möglichkeit einer gleichberechtigten Teilnahme aller Bürger am politischen Geschick des Gemeinwesens. Vor diesem Hintergrund wirken die klassischen Massenmedien und ihre Gate-Keeper-Funktion wie ein Anachronismus aus grauer analoger Vorzeit, vermeintlich leicht verzichtbar in Zeiten, in denen einige Blogs eine größere Reichweite haben als so manches Print-Format. Doch nicht jede Bürgerin, jeder Bürger weiß etwas mit Twitter und mit Web 2.0 anzufangen.   Wie macht man also den analogen Citoyen zu einem kompetenten Netzbürger? Braucht es eine Art technologische Alphabetisierung, um das Publikum für die e-Demokratie fit zu machen? Droht nicht andernfalls die Entstehung von digitalen Teilöffentlichkeiten, bestimmt von einer Technik-Elite, die lediglich eigene Themen und Interessen auf die politische Tagesordnung setzt?

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Angeblich behauptete der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder 1999, dass er zum Regieren nur die großen Boulevardzeitungen (BILD und Bild am Sonntag) sowie das Fernsehen benötige.

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  Noch gibt es keine allgemein akzeptierten Werte und Regeln für das demokratische Spiel im Netz – und die Diskussion darüber, wieviel Regelung Netzpolitik überhaupt braucht bzw. verträgt, ist erst am Anfang. Doch man muss weder übertrieben euphorisch noch allzu schwarzseherisch sein, um zu ahnen, dass das Internet die politische Kommunikation revolutionieren wird. Die Konsequenzen dieser Entwicklung sind bisher nicht überschaubar, doch ist es an der Zeit, über politischen Chancen und Risiken des Mediums Internet nachzudenken.   Das Internet mag zwar demokratische Politikprozesse tiefgreifend verändern, aber nicht überall auf die gleiche Weise. Die Aussichten einer zukünftigen oder schon aktuellen Netzpolitik treffen etwa in einer jungen, postsozialistischen Demokratie wie Slowenien auf zum Teil andere Bedingungen wie in Deutschland. Die Beiträge dieses Heftes beleuchten daher das Thema aus einer doppelten Perspektive – der slowenischen und der deutschen. Doch trotz nationaler Unterschiede zeigen die Beiträge vor allem dies: Man wird nicht darum herumkommen, die Herausforderung Internet zu diskutieren, wenn man ernsthaft über Politik auf der Höhe unserer Zeit sprechen will.

Christian Nuernbergk

Digitaler Protest, digitale Partizipation – demokratische Netzwerköffentlichkeit?

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eltweit gibt es Hoffnungen, dass das Internet mit seinen niedrigen Zugangshürden und seinem hohen Potenzial für Interaktivität die politische Beteiligung fördern und durch seine Offenheit die politische Kultur bereichern kann. Doch diese Visionen sind nicht so neu wie die sozialen Dienste im Internet, denen diese Potenziale heute zugeschrieben werden: Zum einen wurden offenere Strukturen bereits für frühere Medien, etwa die Alternativpresse, diskutiert. Zum anderen verläuft der Diskurs über das Internet wellenförmig. Neuere technische Innovationen werden darin stets aufgegriffen und ihr Potenzial für den Wandel der Öffentlichkeit abgeklopft. Überraschende Schlüsselereignisse, die die Aufmerksamkeit wie durch ein Brennglas auf Entwicklungen im Netz lenken, liefern Anlässe, die Potenziale des sich immer noch formierenden Mediums „neu“ zu reflektieren.   Insofern vermag es vielleicht doch nicht so sehr überraschen, dass bereits Mitte der neunziger Jahre um den Netzvordenker John Perry Barlow eine „Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace“ verabschiedet wurde. Nach der Öffnung des Internets und der Verfügbarkeit erster Mailboxzugänge waren bereits in den 1980er Jahren Umwelt- und Friedensaktivisten aktiv, die sich hier vernetzten und gegenkulturelle Leitbilder entwickelten. Heute sind Nutzerkreis und -kontext erheblich erweitert, aber

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gefühlt liefern global netzgestützte Proteste (#gezipark) und teilweise auch sich verselbständigende Netzdebatten (#Aufschrei, #Stuttgart21) neue Nahrung für die Vision einer lebhaften digitalen Netzwerköffentlichkeit, in der auch marginalisierte Gruppen Gehör finden.   Anders als Teile der medial geführten Debatten über den digitalen Protest erwarten lassen, liefert die Wissenschaft eine eher nüchterne Betrachtung des Mitmachnetzes und seiner Rolle in politischen Prozessen. Wie verändern sich also grundsätzlich die Bedingungen der politischen Kommunikation für die Bürgerinnen und Bürger? Wie werden die neuen Möglichkeiten bereits genutzt? Welche politischen Medienwirkungen kann man der Internetkommunikation zuschreiben?   Zwar kann im Internet im Prinzip jeder ohne großen Aufwand publizieren, etwa im eigenen Weblog, auf Twitter oder in Form von Kommentaren und Einträgen in Foren. Diese neuen Kommunikationsmöglichkeiten führen zu einer Erweiterung des politischen Raums. Inhalte, die von Einzelpersonen erstellt und produziert werden, folgen oft nicht den gewohnten, standardisierten Routinen und journalistischen Normen, die wir aus traditionellen Medienumgebungen kennen. Aber werden die Informationen, die nun jeder unabhängig von seiner Rolle einstellen kann, auch gelesen? Ist zumindest denkbar, dass sie von den politischen Akteuren bei ihrer Entscheidungsfindung berücksichtigt werden? Oder sind es doch nur die etablierten Angebote und An-

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bieter, die ohnehin schon viel Aufmerksamkeit genießen, die sich am Ende durchsetzen?   Eine Analyse des politischen Einflusspotenzials darf berücksichtigen, dass es einzelnen Angeboten wie Wikileaks durchaus gelingt, Regierungen oder politische Entscheider unter öffentlichen Druck zu setzen. Aber ist der politische Netzprotest auch repräsentativ, wenn es um die Vermittlung von zivilgesellschaftlichen Perspektiven und Stimmen aus der Bevölkerung geht? Die wissenschaftliche Betrachtung zeigt, dass der Abruf von politischen Informationen und die Partizipation der Internetnutzer keine Selbstverständlichkeiten sind.   Das Internet ist auf der Nutzungsseite eher ein Unterhaltungsmedium als ein Medium für die politische Information. Für die politische Meinungsbildung, das zeigt eine Erhebung des Hamburger Hans-Bredow-Instituts (HBI) aus dem Jahr 2012, ist es selbst unter Jüngeren eine nachrangige Quelle.   Bei näherer Betrachtung der genutzten Angebote wird deutlich, dass neben bekannten Suchhilfen wie Google Portale von E-Mail-Anbietern und Webangebote traditioneller Medien am meisten genutzt werden. Die HBI-Studie legt allerdings auch eine anwachsende Dynamik im Feld der Informationskanäle offen. Gerade jugendliche Nutzer und junge Erwachsene erfahren deutlich häufiger wichtige Nachrichten aus sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter als die übrigen Altersgruppen. Eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Branchenverbandes BITKOM aus dem April 2013 demonstriert ebenfalls, dass Fernsehen, Zeitungen und Radio noch immer stärker verbreitete Informationsquellen für politische Themen sind als das Internet. Diese Erhebung ergibt auch, dass Männer das Internet eher nutzen als Frauen. Dies ist im Kontext der politischen Informationskommunikation kein überraschender Befund. Es gibt einen „Democratic Divide“, der die

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Gesellschaft nicht nur zwischen Onlinern und Offlinern spaltet, sondern auch tendenziell entlang des Geschlechts und des Bildungsgrades. Was sich bei der Informationskommunikation noch begrenzt zeigt, wird deutlicher, wenn man diejenigen Nutzer näher fokussiert, die sich selbst an der Erstellung politischer Inhalte beteiligen.   Vor allem die politische Kommunikationsforschung interessiert sich dafür, inwieweit es durch das Internet zu einer stärkeren Mobilisierung auf der Ebene von Informations- und Partizipationsaktivitäten kommt. Der Reichtum an Beteiligungsmöglichkeiten verleitet zu der These, dass das Internet bei der Mobilisierung auch bisher inaktiver Personen helfen könnte, also zu einem absoluten Zuwachs der gesellschaftlichen Partizipation führt. Diese Vermutung wird allerdings häufig mit dem Einwand konfrontiert, dass nur die ohnehin politisch Aktiven in ihrem Engagement bestärkt werden. Durch dieses „Reinforcement“ würde die Kluft zwischen den politisch aktiven und den inaktiven oder uninteressierten Bürgern medienbedingt noch verbreitert. Die empirischen Befunde sprechen allenfalls für eine begrenzte selektive Mobilisierung. Es werden in erster Linie Personengruppen politisch weiter privilegiert, die ohnehin ein Politikinteresse aufweisen. Interessant sind an dieser Stelle allerdings aktuelle Entwicklungen im Social Web: Schon die in der ARD/ ZDF-Onlinestudie 2013 ausgewiesene, begrenzte direkte Reichweite von Netzwerkplattformen wie Twitter (7%) und Weblogs (16%) unter den deutschen Internetnutzern illustriert, dass der Anteil derjenigen, die Informationen auch selbst bereitstellt, bisher nur einen kleinen Teil der Nutzerschaft umfasst. Allerdings ist die Reichweite im Vergleich zu den Vorjahren deutlich gestiegen. Vor allem Jüngere weisen ein höheres Interesse an den Verbreitungskanälen im Social Web auf. Insgesamt ist das Alter aber stark differenziert zu betrachten, wenn es um das grundsätzliche Interesse an politischen Informationen und die politische Partizipation im Allgemeinen geht. Hier ist beobachtbar, dass konventionelle Formen politischer Partizipation, die eine längerfristige Bindung oder Mitgliedschaft voraussetzen, in westlichen Staaten an Bedeutung verlieren. Weniger als ein Zehntel der Bürger engagiert sich etwa in Deutschland in politischen Parteien. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung legt Altersdifferenzen im Hinblick auf Online- und Offline-Formen der Partizipation offen. Besonders jüngere Nutzer weisen in der Summe einen niedrigeren Anteil an Offline-Aktivitäten auf. Sie sind es aber, die vor allem die alternativen, netzgestützten Formen der Partizipation ausüben. Und es ist anzunehmen, dass sie aufgrund ihres Nutzungsprofils künftig auch eher über Online-Kanäle erreicht und mobilisiert werden kön-

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nen. Das Internet, und somit vor allem das Social Web, gewinnen an Bedeutung.   Diskussionen können im Internet nicht nur unter Nutzern, sondern auch mit Politikern und Experten direkt geführt werden. Außerdem können Petitionen gezeichnet werden (etwa auf epetitionen. bundestag.de). Zwar wird im deutschsprachigen Internet mit partizipativen Formaten experimentiert – aktiv beteiligt ist daran jedoch, wie schon die allgemeinen Nutzungsdaten erwarten lassen, bisher nur eine Minderheit. Stärker voraussetzungsvolle oder kognitiv anspruchsvolle Formen der Partizipation, die den Einzelnen mehr fordern, sind weniger verbreitet. Die Bertelsmann-Studie zeigt, dass nur 6% der Befragten schon einmal eine E-Mail an Abgeordnete gesendet haben. Auch Kommentare auf Nachrichtensites zu politischen Themen (5%), in Diskussionsforen/Chats (4%) sowie in sozialen Netzwerken wie Facebook (4%) sind weniger häufig, als die medialen Diskussionen darüber suggerieren. Vor allem unter Jüngeren, also den 18-29-Jährigen - so die Ergebnisse des BITKOM-Berichts - sind soziale Netzwerke beliebt, um politische Inhalte zu „liken“ oder zu teilen (42%). Das kurzfristige Teilen und Mitmachen ist populär. Weniger verbreitet sind dagegen politische Internetkampagnen: Nur 3% aller Befragten gaben in der gleichen Studie an, dass sie schon einmal Mitglied in einer Kampagne wurden. Die Ergebnisse zwischen den angeführten Studien fallen zum Teil uneinheitlich aus. Allerdings lässt sich in der Tendenz sagen, dass das Alter, das Geschlecht, das politische Vorinteresse und der Bildungsgrad (und damit mittelbar auch die Schichtzugehörigkeit) die Intensität der politischen Partizipation im Internet beeinflussen.   Trotz der eingeschränkten Nutzung und Produktion im politischen Mitmachnetz darf aber nicht darüber hinweggesehen werden, dass engagierte Nutzerinnen und Nutzer jetzt eine Möglichkeit haben, sich an öffentlichen Diskursen zu beteiligen. Auf diese Weise können auch nichtetablierte Meinungen und spezialisierte Ansichten vertreten werden, die unter den Bedingungen der Massenmedien mit ihrer eingeschränkten Kapazität an Druckfläche und Sendezeit oft außen vor blieben oder erst eines spektakulären Anlasses bedurften, um breite öffentliche Aufmerksamkeit zu bekommen.   Der Vielfalt in der Partizipationskommunikation sind kaum Grenzen gesetzt: Einbringen können sich interessierte Nutzer auch, indem sie allein oder in einer Gruppe veröffentlichen, etwa Videomaterial zu Protesten auf einem Videoportal wie YouTube, durch einen Meinungsbeitrag auf dem eigenen Blog oder einfach durch Kommentare zu politischen Beiträgen auf Nachrichtensites. Jede der Beteiligungsformen ist

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dabei unterschiedlich aufwändig; in den meisten Fällen erfordert der Medienaktivismus allerdings ein Engagement, das deutlich über einen Mausklick hinausgeht. Mitmachkampagnen sind in Einzelfällen auch in Deutschland bereits erfolgreich: Das Portal Campact. de bindet etwa zehntausende freiwillige Aktivisten im Rahmen verschiedener Aktionen (z. B. gegen Gentechnologie) ein. Sie können sich dort nicht nur an Appellen an Verantwortliche beteiligen, sondern auch online spenden, Aktionen durch Weiterleitungen in sozialen Netzwerken bewerben und vieles mehr. Aus der Forschung ergeben sich Hinweise, dass vor allem nicht-etablierte und im politischen Alltag kräftemäßig benachteiligte Gruppen häufig früher beginnen, die Möglichkeiten des Internets zu erschließen. Allerdings werden viele innovative Elemente von Protestkampagnen im Netz im Zeitverlauf auch durch ressourcenstarke und etablierte Akteure übernommen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von der Normalisierungsthese, die im Zeitverlauf eine Angleichung der zunächst mit Vorsprung eingebrachten Nutzungsweisen und eine zunehmende Professionalisierung prognostiziert.   Generell besteht ein Problem darin, dass das Internet auch extremistischen Positionen Sichtbarkeitsgewinne verschaffen kann. Wird auf der einen Seite der emanzipatorische Charakter der neuen Medien betont, so ist auf der anderen zu sehen, dass die Vorteile häufig auch von den Herausforderern und Gegnern zivilgesellschaftlicher Gruppen genutzt werden. Die fehlende Normierung vieler Internetformate, in der auch keine redaktionelle Prüfung vor der Veröffentlichung vorgesehen ist, bedingt, dass bisweilen auch Hate Speech offen kommuniziert wird. In Deutschland erfasst die länderübergreifende Stelle für den Jugendschutz im Internet, jugendschutz. net, Rassismus und rechtsextremistische Inhalte im Internet. Insgesamt wurden 2012 über 7.000 Angebote gezählt, davon der Großteil im Social Web. Vor allem Facebook und YouTube bieten wichtige Plattformen für die Ansprache von Jugendlichen. Allerdings werden Inhalte hier auf Anfrage der deutschen Behörden im Nachhinein gelöscht. Auch gibt es gelegentlich Beispiele für Gerüchte oder Verschwörungstheorien, die sich lange im Dunstkreis der sozialen Medien halten. So waberte in Teilen der deutschen „Blogosphäre“ über Monate das Gerücht, die Gattin des zurückgetretenen Bundespräsidenten habe als Prostituierte gearbeitet.   Auf der Anbieterseite der Netzwerköffentlichkeit führen ungefilterte Informationen einerseits und die „digitale Ungleichheit“ in der Zusammensetzung der beitragenden Nutzer andererseits zu Problemen. Dies sind Stolpersteine: Sie können den Ablauf kollaborativer Prinzipien behindern, die mit der „Weis-

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heit der Vielen“ umschrieben werden und eine Filterung der besten Inhalte erst nach der Veröffentlichung ermöglichen sollen.   Herausforderungen gibt es auch auf der Nutzungsseite, also beim bloßen Rezipieren politischer Informationen im Internet. Auf einer allgemeinen Nutzungsebene konnte ja bereits gezeigt werden, dass politische Inhalte bisher nur Teile der Bevölkerung über das Internet erreichen. Konkrete Untersuchungen der tatsächlich genutzten Angebote zeigen, dass die auch die bereits vorhandene Aufmerksamkeit zwischen den vielen potenziellen Anbietern im Internet tendenziell ungleich verteilt ist. Vor allem reichweitenstarke Nachrichtenportale werden bevorzugt aufgerufen, auch wenn die Konzentration im Vergleich zu traditionellen Medienmärkten etwas weniger robust ausfällt. Anders als die potenziell unbegrenzte Informationsvielfalt und der Netzwerkcharakter erwarten lassen, verlaufen die Informationsströme weitgehend kanalisiert: Nach einer Statistik des Branchenverbandes BITKOM wurden allein die zehn beliebtesten deutschen Nachrichtenwebsites im Jahr 2011 7,3 Milliarden Mal besucht. Die Angebote von Bild (2,1 Mrd. Aufrufe) und Spiegel Online (1,75 Mrd. Besuche) sind dabei eindrucksvoll erfolgreich.   Nicht nur anhand eines Vergleichs der direkten Seitenaufrufe lässt sich eine Konzentration messen, sondern auch anhand der Informationen, die Nutzer in den sozialen Netzwerken des „Social Web“ teilen und für ihre persönlichen Kontakte auswählen. Gilt hier tatsächlich die Regel: „Wer hat, dem wird gegeben?“ Ein solcher Schluss greift vermutlich zu kurz. Interessant ist die Dynamik, der die Muster in der Aufmerksamkeitsverteilung unterliegen. Wie also ändert sich das Spektrum öffentlich sichtbarer Akteure im Social Web im Zeitverlauf? Warum gelingt es mitunter auch Einzelpersonen z. B. mit einer Protestaktion erfolgreich zu sein und einem Thema oder Anlass so einen Anstoß für eine breite mediale Karriere zu geben?   Spannende Inhalte, die die Aufmerksamkeit einiger Nutzer gewinnen und innerhalb kurzer Zeit vielfach verlinkt werden, können einen schnellen Sichtbarkeitsgewinn eines Angebots ermöglichen. Angebote, auf die viel verwiesen wird, werden durch Suchmaschinen wie Google bevorzugt angezeigt und erreichen auf diesem Wege auch Nutzer, denen sie bisher vielleicht nicht bekannt waren; eine Aufwärtsbewegung wird so in Gang gesetzt. Dieser Prozess wird durch soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter, in denen mittlerweile ohne großen Aufwand Webseiten, Videos etc. verlinkt und geteilt werden können, vermutlich weiter beschleunigt. Hilfreich ist da-

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bei oft Kreativität im Internetprotest: Beispiele dafür sind Meme, die ein Geschehen auch visuell aufgreifen und in immer neuen Variationen erzählen. Eine weitere Spielart ist das Adbusting , bei der eingeführte Marken wie z. B. Coca Cola in einen kritischen Kontext gesetzt werden.   Kritisch wird aus der Wissenschaft eingewendet, dass das Internet die „Vermischung von Öffentlichkeit und Privatheit, Sachlichkeit und Emotion“ (Klaus Meier) fördere. Auch transportiere das Internet neben sachlichen Überlegungen Empörungswellen, etwa wenn sich schnelle Emotionen in unsachlichen „Shitstorms“ entladen.1 Dies könnte als eine Folge einer Ansammlung „persönlicher Öffentlichkeiten“ begriffen werden, die zu einer erhöhten Durchlässigkeit nichtetablierter, aber auch emotionaler Themen, Meinungen und Bewertungen beitragen. Die Nachrichtenströme im „Social Web“ werden in den meisten Netzwerken nach den jeweiligen Freundeskreisen und nach eigenen Abonnements gefiltert. Der Kommunikationssoziologie Jan Schmidt beschreibt das Ergebnis dieser kollaborativ geprägten Auswahl von Inhalten als „persönliche Öffentlichkeiten“, die sich in den Freundeskreisen um einen Nutzer herum konstituieren. 2 Maßgeblich für das Veröffentlichen von Kommentaren und eigenen Stimmungen sind die individuelle Relevanz und der erwartete Diskussionswert eines eigenen Beitrags aus der Perspektive eines beitragenden Nutzers. Denn gerade in einem Netzwerk wie Facebook geht es nicht nur um das Publizieren an sich, sondern auch um das Auslösen von Anschlusskommunikation. Es zählt in diesen Nutzerkreisen also weniger eine allgemeine gesellschaftliche Relevanz, sondern die persönliche Relevanz für ein bestimmtes Publikum.   Befördert werden diese Prozesse auch durch Algorithmen, die jene Auswahlen angesichts der stetig anwachsenden Kontakte weiter verarbeiten. Ob dadurch eine „Filter Bubble“ entsteht, also eine weitgehend homogene Meinungsblase, wie der Netzaktivist Eli Pariser beschreibt, hängt sehr stark davon ab, welche Einstellungen Nutzer in ihrem Netzwerk wählen können und wie bewusst ihnen solche automatisiert erfolgenden Auswahlvorgänge überhaupt sind. Die „Filter Bubble“ lässt sich über Umwege mit der bereits älteren Fragmentierungsthese in Verbindung bringen. Diese besagt, dass die Informationsflut und Optionenvielfalt im Internet eine Segmentierung der Nutzerschaft und damit eine Fragmentierung der digitalen Gesellschaft insgesamt beförde-

re („Babel-Einwand“). Eine gemeinsame Netzwerköffentlichkeit, über die nahezu alle gesellschaftlichen Gruppen erreicht werden, gäbe es dagegen nicht. Die Fragmentierung reduziert die Wahrscheinlichkeit, dass wichtige Themen in der Netzwerköffentlichkeit wirklich gefiltert und im weiteren politischen Prozess oder durch politische Vertreter Gehör finden. In der Konsequenz wird eine zunehmende Polarisierung befürchtet: Wenn sich die politische Kommunikation der Internetnutzer vorwiegend auf den Austausch in meinungsgleichen Gruppen beschränkt, werden Konflikte allein dadurch verfestigt, dass abweichenden Ansichten kein Gehör mehr geschenkt wird. Durch das Internet würde die Gesellschaft daher eher auseinander driften als zueinander kommen. Das Ergebnis wäre somit mit einer Meinungsblase vergleichbar. Die weiter oben dargestellten Befunde zeigen aber im Gegensatz dazu in aller Kürze, dass große Teile der Nutzerschaft auch übergreifende Medienmarken im Netz ansteuern, was im Ergebnis eher gegen die angenommene Fragmentierung spricht. Die Nischen im Netz, in denen sich die Nutzer bewegen, beschreiben das neue Medium daher nur unvollständig.   Festzuhalten bleibt, dass das Internet die politische Kommunikation bereits verändert hat:     Das nie schlafende Internet zwingt die Akteure dazu, Informationsflüsse ständig zu beobachten und reaktionsfähig zu bleiben. Auch muss mit Widerspruch und stärkeren Herausforderern gerechnet werden. Das Internet eröffnet vielen gesellschaftlichen Gruppen breitere mediale Gelegenheitsstrukturen zur politischen Partizipation. Mitsprachemöglichkeiten und Sichtbarkeitsgewinne im Akteursspektrum werden die politischen Diskurse vermutlich nicht nur verbreitern, sondern künftig auch zu unübersichtlicheren Debatten führen.

1 Klaus Meier, Alte und neue Formen politischer Öffentlichkeit, in: Michael Schröder (Hrsg.), Die Web-Revolution: Das Internet verändert Politik und Medien, München: Olzog, 87-106, 105. 2

Vgl. Jan Schmidt, Das neue Netz. Merkmale, Praktiken und Folgen des Web 2.0. 2., aktualisierte Auflage,

Konstanz: UVK, 2011, 107-134.

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EU-Beitritts Sloweniens, allerdings eher an den Vorgaben und Richtlinien der – technokratisch und ökonomisch gefärbten – Ideen über die Informationsgesellschaft orientierte statt an der Entwicklung eigener Spezifika und langfristiger Ziele. Auf politischer Ebene manifestierte sich dieses politische Interesse sogar in einem besonderen Ministerium für Informationsgesellschaft – zur damaligen Zeit ein Unikum in Europa –, das immerhin zu einem beschleunigten Übergang der wichtigen politischen Institutionen und ihrer Vertreter in die Online-Präsenz beigetragen hat.

Tanja Oblak Črnič:

Herausforderungen der E-Demokratie: 2003-2013

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m vorliegenden Beitrag1 gehen wir von folgender These aus: Überlegungen über die gesellschaftliche Entwicklung und über Veränderungen des politischen Systems in Richtung E-Demokratie haben zwangsläufig einen zeitlichen und räumlichen Hintergrund. Insofern müssen in diese Überlegungen medienkulturelle und die kommunikative Besonderheiten des gegenwärtigen digitalen Zeitalters einbezogen werden. Im Hinblick auf den slowenischen Kontext scheint eine vergleichende Analyse der letzten zehn Jahre ein guter Ausgangspunkt für die Reflexion der aktuellen Praxis und eventueller Veränderungen zu sein, die die neuen Technologien sowohl für den politischen als auch den gesellschaftlichen Kommunikationsraum mit sich bringen.   Vor einem Jahrzehnt hatte der hiesige Diskurs über die sog. E-Demokratie etwas von einer utopischen, theoretischen Fasziniertheit, die mit dem realen gesellschaftlichen und politischen Leben nicht viel gemein hatte. Paradoxerweise gab es jedoch zu jener Zeit in Slowenien hinsichtlich der Zukunft und der Herausforderungen der Informationsgesellschaft eine ganz offizielle Politik, wobei sich die damalige politische Sphäre, auch angesichts des

  Betrachtet man das Internet als politischen Schauplatz, so muss allerdings – aus heutiger Sicht – mit Blick auf die damalige Periode der »politischen virtuellen Sphäre« konstatiert werden, dass es eine Zeit war, in der das Internet von den politischen Akteuren und staatlichen Organen vor allem für informative Zwecke, zur Eigenwerbung und als einseitiger Kommunikationskanal genutzt wurde (vgl. Oblak 2000). Eine Zeit, in der die Chatrooms und Internetforen die einzigen virtuellen Räume für die Emanzipation der öffentlichen Meinung zu sein schienen und sich in den Studien zur E-Demokratie in Slowenien schon die ersten kritischen Beurteilungen und enttäuschten Erwartungen der damaligen Internetnutzer zeigten. Letztere glauben nämlich fest an das demokratische Potenzial der neuen Technologien, fordern aber von den politischen Akteuren eine stärkere und transparentere Responsivität im Internet (vgl. Oblak 2010).   Zehn Jahre später gibt es auf der Ebene der staatlichen Politik schon kein eigenständiges Ministerium mehr. Die Richtlinien bezüglich der gesellschaftlich-politischen Entwicklung der Technologie werden heute vom Ministerium für Schule, Kultur und Hochschulwesen vorgegeben, genauer gesagt vom dort ansässigen Direktorat Informationsgesellschaft. Mehr und mehr Aufmerksamkeit wird der Regulierung des Telekommunikationssektors und der Kontrolle bzw. Sicherheit des Internets gewidmet, was auch aus einer Prioritätenliste dieses Direktorats hervorgeht. 2   Die gesellschaftlichen, politischen und ökonmischen Rahmenbedingungen schienen zwar geradezu prädestiniert für die Entstehung neuer technologiebasierter Formen der politischen Kommunikation. Doch trotz des technologischen Fortschritts und der

1 Dieser Beitrag ist die erweiterte Fassung eines Diskus-sionspapiers aus Anlass von zwei öffentlichen Debatten: (1) öffentliches Gespräch zum Thema Politisches System und Demokratie im Rahmen einer Veranstaltung der Slowenischen Soziologischen Vereinigung im März 2013 und (2) Runder Tisch bei einem Symposium der Philosophischen Fakultät der Universität Ljubljana im Mai desselben Jahres. 2 Vgl. http://www.mizks.gov.si/si/delovna_podrocja/ direktorat_ za_informacijsko_druzbo

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fachlicher Unterstützung sind entsprechende tiefgreifende Veränderungen in der Politik bisher ausgeblieben. In diesem Beitrag sollen zunächst verschiedene Visionen der E-Demokratie näher beleuchtet werden. Des Weiteren geht es um die Frage, welche zentralen Gründe es dafür gibt, dass die Potenziale der politischen Partizipation im Internet, die weit über den nationalen Rahmen einzelner staatlicher Regelungen hinausgeht, nicht verwirklicht wurden.   Die Einschränkungen der E-Demokratie sind einerseits eine Folge wichtiger technologischer Transformationsprozesse, die uns – anstatt zu einer kommunikativen Revitalisierung der öffentlichen Sphäre im Netz beizutragen – in eine Richtung geführt haben, die schon Richard Sennett als »Tyrannei der Intimität« im öffentlichen Raum und als einen damit einhergehenden Rückzug des »öffentlichen Menschen« in private Schutzzonen beschrieb. Das immer intensivere Vordringen mobiler und netzbasierter sozialer Netzwerke in zentrale Strukturen des gesellschaftlichen Lebens hat dazu geführt, dass wir viele Charakteristika des Alltagslebens jetzt auch in öffentlichen, technologisch vermittelten Räumen vorfinden. Webseiten, Blogs, soziale Netzwerke und Tweets sind durchdrungen von den visuellen Spezifika und den werberischen Diskursen der Konsumkultur, die auch in die Sphäre des politischen Raumes hineinreichen. Andererseits sind die Einschränkungen der E-Demokratie aufs Engste mit einem anderen Paradox verbunden, und zwar der zunehmenden Fragmentierung und lokalen Begrenzung globaler technologischer Netze, was einen Rückgang des wechselseitigen Austausches von Meinungen und Positionen zur Folge hat. Im Lichte der angeführten Einschränkungen sollen am Ende des Beitrages mögliche Lösungen oder Auswege diskutiert werden, die zu einer Revitalisierung der ursprünglichen Vision von der Internettechnologie als Ausgangspunkt eines öffentlich zugänglichen, kommunikativ emanzipatorischen und demokratischen Handelns führen. Positionierung und Visionen der E-Demokratie   Wie lassen sich gegenwärtig die Ideen über die E-Demokratie fassen? Zunächst einmal ist zweierlei zu betonen. Erstens: die Visionen zur E-Demokratie sind kein neues Phänomen, und zweitens, die ernst zu nehmenden theoretischen Modelle der E-Demokratie ergeben kein einheitliches Bild, da sie sich hinsichtlich ihres Verständnisses von Demokratie bzw. des sich durch das Internet weiterentwickelnden politischen Systems in zentralen Punkten unterscheiden (vgl. Oblak 2003). Zu Beginn der theoretischen Auseinandersetzung mit der E-Demokratie standen sich die Verfechter zweier ganz unterschiedlicher Positionen gegenüber:

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Die einen verstanden E-Demokratie als eine Form der direkten Demokratie, also als radikale Abkehr vom repräsentativen Modell des demokratischen Systems, während die anderen die E-Demokratie als eine Art Ergänzung zur existierenden repräsentativen Praxis sahen. Diese bipolare Unterscheidung lässt sich seit Ende der 1990er-Jahre auf der Ebene des wissenschaftlichen Diskurses angesichts weiterreichender Ideen über partizipative und deliberative Demokratie nicht länger aufrechterhalten. Das partizipative Demokratie-Modell steht demnach in keinem Konfliktverhältnis zum Repräsentanz-Modell. Ganz im Gegenteil, die Begründer dieser neuen Denkrichtung verstehen Demokratie als eine Kombination aus beiden Modellen, betonen aber gleichzeitig die Notwendigkeit einer radikalen Erneuerung zentraler Institutionen der repräsentativen Demokratie. Unumstritten ist, dass die Technologie in diesen Veränderungsprozess einbezogen werden sollte, worauf Macpherson schon 1977 hinweist: »Durch die Miteinbeziehung einer größeren Anzahl an Menschen mittels Computern und interaktiven Formen des Fernsehens kann sich etwas verändern, allerdings scheint es unvermeidlich, dass darüber irgendein Regierungsorgan entscheidet, da es sich hier um wichtige Fragen handelt; das kann man nicht nur Einzelpersonen überlassen« (Macpherson 1977: 95).   Die Rolle des Internets in der Demokratie wurde aus verschiedenen Blickwinkeln erforscht. Dabei haben sich zwei zentrale Positionen herauskristallisiert: Einige frühe Argumentationen betonen, dass das Internet in der Demokratie eine mehr oder weniger bescheidene Rolle spielen wird. Die Verfechter dieses Ansatzes vertraten die These, dass die zentralen politischen Akteure im Netz zwar in Kampagnen, Lobby-Arbeit und andere politische Prozesse miteinbezogen werden, der politische Schauplatz sich aber im Allgemeinen kaum verändern wird. Der alternative Ansatz geht davon aus, dass der Demokratie aufgrund der gesellschaftlich-kulturellen Entwicklung, die sich natürlich in großem Maße auch in den Medien vollzieht, ganz entscheidende Veränderungen bevorstehen. Dieser Ansatz stellt das Internet in den Mittelpunkt der medialen Entwicklung und sieht es als zentrale Quelle politischer Veränderungen.   Konzeptuell gesehen sind die ideelen Leitlinien und praktischen Versuche in Sachen E-Demokratie darauf fokussiert, neue Möglichkeiten für die politische Ermächtigung der Bürger und neue Formen demokratischer Entscheidungsmodelle auszuloten. Einige Beobachter vertreten sogar die Auffassung, dass dem Internet im Bereich der alternativen Politik die entscheidende Rolle zukommt, da es für Netzaktivisten, soziale Bewegungen und bei der

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Verbreitung der sog. »issues politics« mittlerweile unersetzbar geworden ist. Neben den Veränderungen auf der Ebene der politischen Institutionen wird wahrscheinlich auch das Auftreten inkludierenderer und interaktiverer Formen der Kommunikation zwischen Bürgern und Vertretern der politischen Gewalt eine ganz entscheidende Rolle spielen. Infolgedessen wird sich wohl auch das Verständnis von der Funktion des Bürgers in der Demokratie wandeln, wie vor 20 Jahren schon Grossman, ein brennender Verfechter der E-Demokratie als Türöffner für direkte Formen demokratischer Entscheidungsbildung, prognostizierte: »Die Bürger werden nicht nur wählen, wer sie regieren wird, sondern auch immer mehr Möglichkeiten haben, direkt an der Gesetzesbildung und an der Politik, auf deren Basis sie regiert werden, mitzuwirken. Durch die Verwendung immer ausgefeilterer, in beide Richtungen wirkender Telekommunikationsnetze bekommen die Vertreter der Öffentlichkeit ihren eigenen Sitz am Tisch der politischen Macht« (Grossman 1995: 4).   Doch die Befürworter dieses partizipativen Modells der E-Demokratie weisen auf entscheidende Kontextfaktoren hin, die unverzichtbar sind, um die technologischen Potenziale auch wirklich für die Revitalisierung der demokratischen Öffentlichkeit nutzen zu können: (1) Für eine Ausweitung der modernen Technologien in den Bereich politischen Handelns reicht es nicht aus, den Bürgern nur den Zugang zu diesen Technologien zur Verfügung zu stellen. Auch ein einfaches und interaktives System zur Verbesserung der Kommunikation zwischen dem politischen System und der Zivilgesellschaft ist erforderlich; (2) Die Rolle des Bürgers bedarf einer Wiederbelebung und muss an die Erfordernisse und Bedürfnisse der modernen Gesellschaft angepasst werden; (3) Der Einstieg der Bürger in Entscheidungsprozesse muss stimuliert werden.   Kritiker oder Skeptiker verweisen vor allem auf die Einschränkungen, die die Realisierung derar-

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tiger Prognosen erschweren. Die Technologie kann im Hinblick auf politische Partizipation nämlich auch die Rolle eines Bremsers einnehmen. In den politischen Bereichen des Internets dominiert noch immer eine nicht-interaktive, auf sich selbst bezogene Logik des Handelns. Außerdem sind die anspruchsvollen Kriterien der deliberativen Kommunikation in der Praxis des Internets nur schwer realisierbar, gerade angesichts einer sich in der öffentlichen Sphäre ausweitenden Kultur anonymen Handelns, die dazu beiträgt, dass verantwortungsbewusste Meinungsäußerung durch eine Kultur der Hassrede, des gegenseitigen Ausschlusses und der öffentlichen Beleidigungen abgelöst wird. Gesellschaftliche Einschränkungen und die (Nicht)Verwirklichung technologischer Potenziale   Die Technologie ist sicherlich kein Allheilmittel für gesellschaftliche Krankheiten und im Hinblick auf die politische Rolle der Technologie stehen sich verschiedene Ansichten sogar recht unversöhnlich gegenüber. Doch das Netz hat fraglos bestimmte emanzipatorische Potenziale: Es bietet politischen Bewegungen und Protestgruppen, die eine Dezentralisierung von Macht und verantwortliches Regierungshandeln fordern, Raum. Es kann eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung moderner alternativer politischer Bewegungen spielen, vor allem in den Bereichen Verteidigung von Menschenrechten, Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung. Darüber hinaus vermittelt das Netz seinen Nutzern ein relativ großes Gefühl von Macht, da es die informative Vernetzung und politische Mobilisierung intensiviert.   Die vorherrschenden Praktiken der heutigen Internetnutzer sind ein Spiegel des gesellschaftlichen Klimas und eng mit dem Alltag der Menschen verwoben. Den – in den beiden größten slowenischen Städten, Ljubljana und Maribor, erhobenen – Daten der empirischen Untersuchung Kultur und Klasse (Luthar et al. 2011) zufolge nutzen die Bürger das Netz vor

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allem um Musik und Filme herunterzuladen, Radio zu hören, Rechnungen zu zahlen und einzukaufen. Die unpopulärsten Praktiken sind das Veröffentlichen von Blogs und das Versenden von Nachrichten an netzbasierte Medien. Diese Netzpraktiken unterliegen aber nicht dem freien Willen der Nutzer. Im Gegenteil, das Netz wird heute von multinationalen Unternehmen beherrscht, deren Existenz auf der unsichtbaren Arbeit von Abermillionen Internetnutzern beruht. Giganten wie Facebook oder Google, die auch in Slowenien die am häufigsten in Anspruch genommenen Netzdienstleister sind, begleiten und bestimmen unser individuelles Handeln im Netz (vgl. Oblak u. Prodnik 2012).   Ein sehr wichtiger struktureller Kontextfaktor der letzten zehn Jahre sind auch die Veränderungen, die im Zusammenhang mit dem Vertrauen der Staatsbürger in die politischen Institutionen zu verzeichnen sind (vgl. Toš et al. 2012). Die statistischen Daten des Forschungsprojektes SJM (Slovensko Javno Mnenje, dt.: Slowenische öffentliche Meinung) für den Zeitraum 2002-2012 zeigen nämlich, dass das Vertrauen der Bürger in ausgewählte politische Akteure und Institutionen zwar auch schon vor zehn Jahren gering, aber immerhin noch größer als heute war: Während im Jahr 2002 ein Viertel der Befragten (25,2 %) dem Parlament misstraute, war es 2010 schon fast die Hälfte (43%) der Befragten. 2002 sprachen 38% der Befragten den politischen Parteien ihr Misstrauen aus, im Jahr 2010 waren es schon 57%. Im Jahr 2002 misstrauten 41% der Befragten den Politikern, 2010 ist die Zahl dieser Personen auf 57% angewachsen (Malnar et al. 2012: 5253). Paradoxerweise löst ein größeres Misstrauen in die Politik auch ein größeres Interesse an der Politik aus. Denn die Daten zeigen, dass das Interesse der Bürger an Politik im Laufe der Zeit, wenn auch statistisch vernachlässigbar, leicht gestiegen ist.   Wie nehmen die jungen Menschen in Slowenien ihren Einfluss auf politische Ereignisse wahr? In der letzten diesbezüglichen Untersuchung (Mladina 2010, dt.: Jugend 2010) geben zwei Drittel der Jungen an, dass sie von Politik keine Ahnung haben. Mehr als zwei Drittel zeigen sich skeptisch gegenüber den Zielen und Intentionen der Politiker. Eine Mehrheit der Befragten ist davon überzeugt, dass sie auf die politische Gewalt gar keinen Einfluss haben, und noch mehr junge Slowenen sind der Ansicht, dass ein beträchtlicher Abstand zwischen den politischen Angelegenheiten und ihrer eigenen Meinung besteht. Mit dem sinkenden Vertrauen in die Politik und dem wachsenden Gefühl der Ohnmacht,

das die Menschen in ihrer Beziehung zur etablierten, institutionalisierten Politik verspüren, geht eine negative Wahrnehmung des eigenen Einflusses auf gesellschaftliche Veränderungen im Allgemeinen einher (genauer in Lavrič et al. 2010).   Trends, wie die wachsende Unzufriedenheit der Bürger mit dem politischen System, das zunehmende Gefühl der Entfremdung und der Aufschwung des Populismus müssen unbedingt im Zusammenhang mit den Veränderungen des medial-kommunikativen Raumes betrachtet werden: Wir haben es heute mit einer immer stärkeren, gleichzeitigen Politisierung und Intimisierung des medialen Raumes zu tun, die sich im Anwachsen des Infotainments und der Beeinflussung der Medienszene durch Politik und Kapital ablesen lässt. Auf der einen Seite besetzen die politischen Parteien neue Räume im Netz, die sie dann für ihre politische Agitation nutzen.   Außerdem versuchen sie über eigene Portale den öffentlichen Informationsraum und die journalistische Berichterstattung zu bestimmen. Auf der anderen Seite verbreiten sich aber auch neue Internetdienste in Form von Blogs und alternativen Medien, die der »staatsbürgerlichen Partizipation« neue Räume eröffnen und ganz entscheidend zu einer veränderten Einstellung der Medien gegenüber ihrem Publikum beitragen, da diese neuen Medien auch denjenigen eine Stimme geben, die im traditionellen Mediensystem keine haben. Allerdings erzielen politische Pamphlete im Netz, heute v.a. in Form von sensationalistischen Tweets, eine erheblich größere mediale Aufmerksamkeit als alternative Ansichten von Experten, der Zivilgesellschaft oder einzelnen Bürgern.   Aber der Schritt in Richtung aktive Produktion von Botschaften im Netz ist keine Selbstverständlichkeit. Die Daten zeigen, dass dies innerhalb der EU und in Slowenien vor allem für junge Menschen zwischen 16 und 24 Jahren kennzeichnend ist: 80% der Jungen praktizieren ein solches Verhalten, in Slowenien sind es sogar 90%. Mit zunehmendem Alter sinkt der Anteil jedoch (46% in der Altersgruppe 2554 und nur noch 29% bei den 55- bis 74-Jährigen). 3   Wie die Resultate der erwähnten Studie Mladina 2010 zeigen, gehört eine der einfachsten Formen, die Abgabe der eigenen »Stimme«, zu einer der häufigsten »politischen« Handlungen von jungen Slowenen im Netz. Gemeint ist das Unterschreiben von Petitionen, was sich durch die webbasierten Netzwerke entscheidend vereinfacht hat und zu einer

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Eine genaue Beschreibung der Untersuchung und ihrer Resultate ist zugänglich unter: http://www.mizks.gov.si /fileadmin/ mizks.gov.si/pageuploads/Informacijska_druzba/pdf/EKDS_porocilo-V2-1021.pdf

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weit verbreiteten Praxis unter Internetnutzern geworden ist: Rund drei Viertel (76%) der Jungen hat dies schon gemacht oder würde es wahrscheinlich tun. 55% der Befragten würden an einer Demonstration teilnehmen, 40% ihre Meinung in webbasierten Netzwerken veröffentlichen und nur ein Fünftel (20%) will in Kontakt mit Politikern treten.4 Je anspruchsvoller bzw. weniger anonym die jeweilige Form des öffentlichen Handelns ist, umso geringer ist die Bereitschaft dazu, auch unter jungen Leuten.   Gleichzeitig treffen wir bei der Realisierung der Idee des engagierten Staatsbürgers aber auch auf einige andere, generellere Hindernisse: das Gefangensein in der passiv machenden Populärkultur, die zunehmende Konsumorientierung und Vermarktung der öffentlichen Sphäre, sowie die immer stärkere Intimisierung des politischen Raumes. Im Netz sind Einschränkungen ein nicht minder akutes Problem. Die zunehmende Vielfältigkeit und Fragmentierung der öffentlichen Sphären im Netz führen zu einer Art Unterhöhlung jener Kommunikationsmuster, die von zentraler Bedeutung für das gesunde Funktionieren einer Demokratie sind. Webseiten sind zwar gewöhnlich allen zugänglich, doch die Freiheit des Individuums bei der Selektion von Webseiten wird schon allein dadurch eingeschränkt, dass die Muster, die seiner Auswahl zugrunde liegen, automatisch von Gruppen sehr häufig besuchter Webseiten geformt werden. Diese konkrete Befangenheit des Internets bestimmt in hohem Maße die Wahlmöglichkeiten des Einzelnen (vgl. Oblak und Prodnik 2012). Außerdem existieren Tausende von Webseiten, die auf lokaler, nationaler und globaler Ebene in Kontakt mit der politischen Arena stehen. Zu erwähnen sind in diesem Zusammenhang auch die unzähligen Diskussions- bzw. Chatforen, alternative Formen des Journalismus, Blogs, Nichtregierungsorganisationen, usw., durch die sich der politische Kommunikationsraum erweitert. Strukturell betrachtet, führt das Internet so zwar zu einer wachsenden Pluralisierung, bringt aber auch eine sehr große Streuung der (Wähler)Stimmen mit sich.  Das Problem der ausgeprägten Fragmentierung unverbundener Meinungen und privatisierter Kommunikationsinseln beschreibt Dahlgren (2009) sehr anschaulich als Phänomen »diskursiver Isolierung«. Diesem Konzept zufolge führt eine übermäßige Streuung der Stimmen und Meinungen zur Verdrängung einer gemeinsamen öffentlichen Kultur. Verschiedene kleine gesellschaftliche Gruppen entwickeln keine gemeinsamen Verbindungen mehr

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(und damit auch kein gruppenübergreifendes Einverständnis), wodurch letztendlich auch die Bildung von politisch effektiveren Bündnissen verhindert wird. Solche in sich geschlossenen und untereinander nicht verbundenen »Informationskokons« können sich sehr negativ auf die Vitalität der Demokratie auswirken, warnt Dahlgren. Die Art und Weise der Kommunikationsakte im Netz stellt eine weitere wichtige Einschränkung dar. So bringt beispielsweise das sog. »Daily Me« über verschiedene Internet-Schnittstellen wie Blogs, Tweets, Facebook-Profile, usw. recht viele individuell-persönliche Charakteristika in die öffentliche Sphäre ein. Die damit einhergehende zunehmende Intimisierung und Privatisierung der Öffentlichkeit ist eine Entwicklung, die mit dem Konzept vom Allgemeinwohl nicht mehr viel gemein hat. Anstelle von Kollektivgeist und sozialem Verantwortungsbewusstsein treten Selbstbezogenheit und die Befriedigung der eigenen, kurzfristigen Bedürfnisse. Während an Ersterem orientierte Sphären zu einer Konsolidierung der kollektiven Identität beitragen, kann jedoch eine eindimensionale Mentalität riskant sein und die Bildung agonaler Zivilkulturen erschweren (vgl. Dahlberg und Sapiera 2007).   Schließlich sei noch darauf hingewiesen, dass die Zerstreuung und Fragmentierung der öffentlichen Sphäre auch die Frage nach ihrer Verbindung mit den politischen Entscheidungs- und Machtzentren aufwirft. Wir können zwischen »starken« öffentlichen Sphären (wo Beschlüsse gefasst werden) und »schwachen« (die lediglich Möglichkeiten für die Bildung von Meinungen oder kollektiven Identitäten bieten) differenzieren. Bei letzteren gibt es keine Garantie dafür, dass die dort vertretene Meinung zum Auslöser politischer Entscheidungsprozesse wird. Daher ist es wichtig, auf struktureller Ebene Verbindungen und Verfahren zu etablieren, die solche Kommunikationsräume an politische Entscheidungsorgane anschließen. Es sind Anstrengungen vonnöten, die darauf abzielen, dass auch ein zivil geführter Diskurs politische Folgen hat. Im Moment ist es noch so, dass über den Blog eines Normalbürgers hinweggesehen wird, während jeder noch so unangebrachte Tweet einer politischen Größe in den klassischen Mediennachrichten gleich mehrfach Erwähnung findet. Schlussfolgerungen   Im Lichte des Kampfes zwischen den »nur meinungsäußernden« Internetöffentlichkeiten und den »nur machterhaltenden« politischen Eliten ist es

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Auch eine jüngst unter einem relativ kleinen Anteil der slowenischen Studentenpopulation (n=143) durchgeführte Umfrage zeigt eine erstaunlich bescheidene Teilhabe an politischen Prozessen mithilfe des Internets: Nur 16 % der Befragten drückten im letzten Jahr bei einer politischen Partei auf „Gefällt mir“, 18% schlossen sich über das Netz irgendeiner politischen Gruppe an und knapp ein Fünftel (21%) der Studenten veröffentlichte einen Blog.

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nicht weiter verwunderlich, dass sich die Reaktionen der regierenden Machtzentren weg von den ursprünglichen Prinzipien des Internets in Richtung der sog. »Nationalisierung« des globalen Netzes bewegen. Ideen und konkrete Versuche, wie im »wilden« Netz das Prinzip der »staatlichen Souveränität« eingeführt werden kann und damit spontane basisdemokratische und kreative Prozesse seitens der Staatsbürger oder nationaler Initiativen im Keim erstickt werden können, gibt es in letzter Zeit nicht wenige.5 Dass es sich hierbei um keine lokal begrenzten Ideen handelt, zeigt der letzte Weltkongress der Internationalen Fernmeldeunion (World Conference on International Telecommunications) in Dubai, wo eine ganze Gruppe von Ländern die Einführung eines neuen Konzeptes vorgeschlagen hat: Mithilfe des Diskurses über das sog. »Nationale Internet-Segment« wollte man innerhalb der Nationalstaaten auf elegante Weise den Versuch einer Regulierung des Internets in Angriff nehmen. 6   Bei der Suche nach Lösungsvorschlägen muss unbedingt eine klare Trennlinie gezogen werden zwischen den technologischen Potenzialen und den komplexen gesellschaftlichen Faktoren, die letztendlich bewirken, ob die Potenziale stimuliert oder unterdrückt werden. Mit anderen Worten: Für die freie Meinungsäußerung ist nicht die Entwicklung der Internet-Infrastruktur von entscheidender Bedeutung, sondern die politische und rechtsstaatliche Kultur, sowie der Status quo des gesellschaftlich-politischen Klimas. Das Internet spielt in der Politik sicherlich eine wichtige, aber auch komplizierte Rolle. Innerhalb der Parteipolitik sind die traditionellen Medien zwar noch immer von sehr großer Bedeutung, aber auch hier kommt das Internet immer häufiger zur Anwendung, vor allem während politischer Kampagnen. Darüber hinaus wirkt sich das politische Geschehen im Netz auch auf die Berichterstattung der »klassischen« Medien über die Parteipolitik aus. Für einen wirksamen Wandel politischer Prozesse, bei der die Computertechnologie zweifelsohne eine schöpferisch-unterstützende Funktion hat, müssen zunächst einige andere Transformationen auf folgenden Ebenen stattfinden: 1. Auf Ebene der politischen Strukturen:   Ohne Veränderungen innerhalb der langfristigen

und nur schwer veränderbaren politischen Verfahrens-, Gesetzgebungs- und Entscheidungsprozesse, die momentan noch weitgehend der Parteienlogik der parlamentarischen Demokratie untergeordnet sind, wird es schwierig sein, die Ideen der deliberativen Demokratie umzusetzen. Denn diese Ideen beruhen auf der Macht von Argumenten und dem konsensuellen Entscheiden von öffentlichen Problemen, wo eine direkt in das Problem involvierte Gemeinschaft (und nicht eine lokal determinierte politische Gruppierung) an der Entscheidungsfindung mitwirkt. Ein Beispiel derartiger guter Praxis findet man in Finnland, wo den Bürgern im Rahmen der Plattform »Offenes Ministerium« und des Gesetzes zu Bürgerinitiativen die Möglichkeit gegeben wird, Gesetze vorzuschlagen und an ihnen mitzuwirken. Wenn ein Gesetzesvorschlag innerhalb eines halben Jahres 50.000 Stimmen der Wahlberechtigten erhält, muss das Parlament darüber abstimmen. Der gesamte Prozess läuft über die Internetplattform »Offenes Ministerium«. Für deren Funktionieren sorgt wiederum eine nicht-profitorientierte Vereinigung. Jeder Bürger, der Autor eines Vorschlages sein will, muss – ähnlich wie bei der Registrierung für das Online-Banking oder bei geschäftlichen Transaktionen mittels Mobilfunk – seine Identität nachweisen, bevor er seinen Vorschlag für eine Gesetzesinitiative einbringen kann. Eine weitere Bedingung ist die vorherige Anmeldung über die entsprechenden Profile bei Facebook oder Twitter. Und wie sind die Reaktionen der Bürger auf diesen neu angebotenen politischen Schauplatz? In den ersten neun Monaten seit Inbetriebnahme der Plattform sind schon ca. 400 Vorschläge und Ideen für Gesetzesänderungen zusammengekommen. Ein ähnliches, allerdings wesentlich unverbindlicheres Projekt (predlagam.vladi. si) wurde 2009 von der damaligen slowenischen Regierung ins Lebens gerufen. Das Projekt läuft nach wie vor, hat aber bisher keinen wirklichen Effekt auf die Gesetzgebung gehabt. 2. Auf Ebene der Bürger:   Wenn wir gebildete, kritische und informierte »digital citizens« wollen, stellt sich die Frage, welche Kriterien wir für deren Positionierung innerhalb der mediatisierten Politik zugrunde legen sollen. Wie soll auf die dargestellten Trends der Militarisierung und Kommerzialisierung des Internets reagiert wer-

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Ein typisches Beispiel einer derartigen Reaktion in Slowenien ist die polizeiliche Kontrolle der Facebook-Nutzer, die Ende 2012 und Anfang 2013 zu den Protestveranstaltungen des vergangenen Winters aufgerufen bzw. sie organisiert haben sollen. 6 Die Initiative wurde – auch aufgrund spezifischer US-amerikanischer Interessen – zurückgewiesen, was aber noch lange nicht bedeutet, dass es keine nationalen Überwachungssysteme geben wird. Ganz im Gegenteil, es fließen immer mehr Investitionen in die Entwicklung der Infrastrukturbedingungen für »Cyber-Sicherheit« und die Lösung von »Cyber-Konflikten«, was einige Analytiker als eine Militarisierung dieses Themenbereiches charakterisieren. Derartige Entwicklungen führen zu entscheidenden Veränderungen der Kultur der Privatsphäre, Anonymität und freien Meinungsäußerung im Netz.

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den? Die Tatsache, dass sich der Großteil der netzbezogenen Ideen noch immer auf das längst überholte Konzept der Informationsgesellschaft und auf Fragen im Zusammenhang mit der Sicherheit des Internets fokussiert, steht der Suche nach echten Alternativen im Weg und erschwert es, die Aufmerksamkeit auf wirklich Wichtiges zu lenken: z.B. auf das Konzept des aktiven Staatsbürgers, auf eine verantwortungsvolle öffentliche Politik, auf Fragen nach dem Gemeinwohl und der Emanzipation und auf die Kritik der wachsenden Ungleichheit. Um die Idee des aktiven Bürgers tatsächlich zu verwirklichen, reicht es nicht aus, lediglich eine entsprechende technologische Plattform zu haben. Entscheidend sind Wissen, Werte, v.a. aber stabile soziale und ökonomische Verhältnisse. Ob es möglich sein wird, die Idee vom aktiven Bürger zu realisieren, hängt auch davon ab, wie sich die politische Freiheit, die formelle Demokratie und das Engagement der Bürger selbst entwickeln werden. 3. Auf Ebene der Politik in Bezug auf     Technologie, Bildung und Forschung:   Eine intensivere Förderung von interdisziplinär ausgerichteten gesellschaftswissenschaftlichen, humanistischen, computerwissenschaftlichen und technologischen Studienprogrammen wäre ein unbedingt notwendiger Schritt. Auf Forschungsebene müssten die bisherigen Monopole beseitigt und der Einfluss des Privatsektors eingegrenzt werden. Auch die IT-Industrie sollte zur Mitfinanzierung von Projekten mit lokalem, nationalem und interkulturellem Charakter aufgefordert werden. Gemeint sind Projekte, die nicht nur auf die Anwendung technischer Systeme abzielen, sondern deren technologische Innovationen auch zur Demokratisierung und Emanzipation der Bürger oder benachteiligter Gesellschaftsgruppen beitragen. Des Weiteren müsste das entsprechende Ministerium auf enwicklungspolitischer Ebene solche Medienprojekte finanziell unterstützen, die eine Alternative zum bestehenden Mediensystem bieten, und zwar sowohl im Sinne ihrer Eigentümerstrukturen, als auch im Hinblick auf die Produktion und den Konsum medialer Inhalte.   Schließlich sei noch darauf hingewiesen, dass auch die gegenwärtigen und zukünftigen digitalen Generationen, die zwar digital sehr versiert, aber gesellschaftlich bzw. politisch wenig aktiv sind, von den oben erwähnten Strukturen wesentlich mehr Engagement einfordern sollten.

(Vgl. für bibliographische Angaben den slowenischen Originaltext in diesem Heft)

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Ksenija Vidmar Horvat

Vox Populi und die digitale öffentliche Kultur Das Internet-Subjekt

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er Charakter der modernen Gesellschaft und die Formen gesellschaftlicher Beziehungen werden zum Großteil durch den Computer und die Internetkommunikation bestimmt. Hierin unterscheidet sich unsere Zeit nicht von früheren; wenn es darum geht, das öffentliche Leben und Kommunikationsweisen zu beschreiben, erfasst das Bewusstsein diese Realität – wie schon in der Vergangenheit – anhand medientechnischer Vorgaben. In diesem Sinne ist die digitale Kultur als neueste Phase in der Entwicklung der Kommunikationstechnologien zu beschreiben (von mündlicher, schriftlicher, gedruckter zu elektronischer Kommunikation), die mit Sicherheit nicht die letzte sein wird. Wenngleich wir dies wissen, unterscheiden wir uns mit Blick auf die Geschichte nicht all zu sehr von früheren Medienepochen, die ihren technisch-medialen Erfindungen, eine revolutionäre Wirkung zugeschrieben haben. Wie Gesellschaften und Kommunikationsgemeinschaften in der Vergangenheit, glauben auch wir, dass wir in einer Zeit voller Möglichkeiten, aber auch der Umbrüche und Gefahren leben.

  Diese Vorstellung resultiert aus dem Glauben an einen technologischen Determinismus, der besagt, dass Medien und Technologie die Form unseres Bewusstseins bestimmen und somit die Art, wie wir die soziale Wirklichkeit auffassen. Darüber hinaus argumentieren Vertreter dieses Determinismus, dass

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Technologien gleichsam über das Subjekt hinweg gesellschaftlichen Wandel bewirken – und dies manchmal sogar, ohne dass wir uns dessen bewusst wären. Demnach würde in diesem Prozess der Mensch seinen Status als Akteur der Geschichte, als selbstbewusster Schöpfer seiner Geschichte verlieren: Schon länger ist in der Philosophie die Rede vom »Tod des Subjekts«. Auf der anderen Seite jedoch nimmt ein neues Subjekt seinen Platz ein, der »Cyborg« und das Netzwerk-Subjekt, dem die Technologie neue Werkzeuge zur Selbstrealisation und zur Re-Subjektivierung zu Verfügung stellt. Ein solches Internet-Subjekt ist definiert durch virtuelle Anwesenheit und Formen fließender Identität. Möglichkeiten   Soziale Vorteile dieser neuen virtuellen Gemeinschaft, die die Internetkommunikation herstellt, zeigen sich auf mehreren Ebenen, sowohl für den Einzelnen als auch für die Gemeinschaft. Einige davon seien hier genannt: Größere Partizipationschancen im öffentlichen sozialen und politischen Leben Einzelpersonen, auch marginalisierte, erhalten einen Raum, in dem sie sich Gehör verschaffen können (Multi- und Pluri-Vokalität) Informationsflüsse werden demokratisiert (Pluralisierung der Öffentlichkeit) Medienmonopole und Medienhegemonie werden gelockert: »offizielle Nachrichten« vs. alternative Quellen, Information und GegenInformation   Partizipation, Mehrstimmigkeit, Demokratisierung, Pluralisierung und Antihegemonie der Information tragen zur sozialen Reorganisation und Rekonstruktion der Öffentlichkeit bei. Das Konzept des öffentlichen Raums und der öffentlichen Diskussion wird redefiniert, institutionelle Macht und exklusiver Zugang zu Technologien verlieren ihre historische Bedeutung.   Die Technologie schafft mit Sicherheit Möglichkeiten zu Selbstermächtigung und Emanzipation im politischen, sozialen und emotional-psychologischen Sinne. Dies zeigt sich im entsprechenden Gebrauch dieser Medien, der die Spezifik der virtuellen Kommunikation weiterentwickelt. Zum Beispiel: 1.  Soziale Netzwerke und Foren: sie bieten eine soziale und emotionale Wissensstütze in der Gesellschaft, die ansonsten durch Medientechnologien, die den Einzelnen von gemeinschaftlichen Bindungen entfremden, atomisiert wurde.

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2. politische Mobilisierung (Arabischer Frühling, Protestbewegung in Slowenien): Mittel zur demokratischen Auflehnung, zum Widerstand und zu alternativen demokratischen Entwicklungen im transnationalen und globalen, kosmopolitischen Kontext 3.  Autoritätsprüfung der öffentlichen Information: die politische, fachliche, journalistische Information ist immer potenzieller Gegenstand der öffentlichen virtuellen Aufklärung und sachlicher Gegenrede. Fallen   In jeder dieser neuen Möglichkeiten verbirgt sich auch die Falle der gesellschaftlichen Stillstellung und Marginalisierung politischer Initiativen und Bewegungen. ad 1.  Soziale Netzwerke und virtuelle Gemeinschaften können als bloßes Ersatzmittel für echte gesellschaftliche Aktivität fungieren. In dem Fall beschränken sie sich primär auf partikulare und von subjektiven Interessen geleitete Tätigkeitsfelder, obwohl sie den Eindruck eines breiteren öffentlichen Engagement erwecken. ad 2.  Die virtuelle »Spontaneität« und die antihierarchische Struktur können die gesellschaftliche Verantwortung zerstreuen und eine klare Artikulation von Zielen hemmen. ad 3.  Besonders fragwürdig für den demokratischen Diskurs: der Aufstieg einer »Meinungskultur«, die auf der Trivialisierung von Wissen basiert und die Meinungsführer mit virtuell verschleierten Identitäten hervorbringt.   Im Folgenden werde ich mich dem letztgenannten, neuen Aspekt der virtuellen Öffentlichkeit, den ich Meinungskultur nenne, widmen. Aufstieg einer neuen Meinungsmentalität   Mit dem Begriff Meinungskultur meine ich die Aneignung des öffentlichen Kommunikationsraums mit der Absicht, individuelle Standpunkte und persönliche Meinungen der User so zu präsentieren, als seien sie gleichwertig mit Experten-Meinungen. Die Kerneigenschaft solcher Meinungsreden ist die Erstellung eines alternativen gesellschaftlichen Kommunikationsraums, der die Autorität des Sprechers aus der Inanspruchnahme seines Rechts auf Meinungsfreiheit ableitet. Als Konsequenz entfallen Kriterien der Vertrauenswürdigkeit und Verantwortung für den öffentlichen Diskurs: Gesellschaftlich und institutionell beglaubigte Wege der Vertrauenswürdigkeit (journalistische Ethik, fachliche und wissenschaftliche Stan-

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dards, politische Verantwortung) erscheinen ebenso wichtig wie der »gesunde Menschenverstand« und »Volkes Stimme«. Die Delegitimierung der kontrollierten und überprüfbaren Informationensgewinnung entspricht der Trivialisierung einer verantwortungsvollen Teilnahme an der Öffentlichkeit, was die Internetkommunikation durch anonym erstellte Benutzerprofile zusätzlich verstärkt. Die virtuellen Stammtisch-Debatten werden fachlichen Debatten im Fernsehstudio oder wissenschaftlichen Beratungen gleichgesetzt.   Ein Beispiel hierfür ist eine Forumsdebatte aus der Rubrik »Bonbon« des Online-Portals der Zeitung Večer, die am 01.09.2013 zu einem Artikel mit dem Titel »Camilla forderte Vaterschaftstest von Kate« stattfand.   In dem Beitrag, in dem es um die junge Familie des britischen Thronfolgers nach der Geburt ihres Sohnes George geht, steht: „Prinz Williams Familienglück, Kate und der kleine George, wäre fast perfekt, wenn es nicht eine Person gäbe, die die glückliche Familie und das wundervolle Mädchen nicht wahnsinnig stört. Kates Schwiegermutter Camilla erträgt es nicht, dass Kate die Aufmerksamkeit der ganzen Welt erhält und hat daher beschlossen, deren Frieden zu stören. Vor kurzem forderte sie nämlich von Kate, einen Vaterschaftstest für den kleinen George zu machen. Sie will offenbar zeigen, dass in den Adern des kleinen Prinzen kein königliches Blut fließt.« Der Beitrag endet mit der Schlussfolgerung, dass sich in Wirklichkeit »Camilla mit ihrer Idee ein Eigentor schoss, da sie sich nämlich dadurch in der königlichen Familie noch unbeliebter machte, und das nach all den Jahren des Speichelleckens bei der Mutter ihres Mannes«.   Unter dem Beitrag finden sich vier Kommentare der Benutzer »anajtat« (rückwärts für »tatjana«?), »tatjana«, »tone« und »lipi«, die (in dieser Reihenfolge) gegen den Beitrag und gegeneinander polemisieren: - »Hahaha, das ist wohl an den Haaren herbeigezogen. Wie in Grimms Märchen über die böse Stiefmutter.« - »Camilla hatte nie Aufmerksamkeit bekommen, was sie der königlichen Familie übel nimmt und mit 66 weiß sie sicher, warum sie sich für diese Aktion entschieden hat. Camilla ist nicht dumm, nicht naiv und nicht so schlecht wie Kate und Lady DIANA SPENCER, die einfach nicht wusste, wen sie noch auf sich drauf lassen soll.« - »Hand aufs Herz, sie war leider eine Art Fanatikerin.«

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- »SIE NAHM SICH DEN MANN IHRER SCHWESTER, IHR MANN LIEBTE IMMER NUR EINE FRAU, DIE NACH DEM PROTOKOLL UND WEGEN IHRES ALTERS HALT NICHT CHARLES’ FRAU WERDEN KONNTE. Jetzt aber genug mit dieser Familie, weil es mir scheint, dass alle außer CAMILLA ein bisschen verrückt sind.« - Alle sind verrückt, allen voran die hässliche Camilla.« - »Du Tatjana bist wahrscheinlich auch so eine Hexe wie Kamel, dass du sie verteidigst.«   Aus der Polemik kann man herauslesen, dass die registrierten Benutzer sowohl eine Meinung zu Personen des öffentlichen Lebens wie auch zu einander haben. Wie wirken sich nun diese Meinungen auf die ursprüngliche Information aus? Tragen sie zur Qualität der öffentlichen Kommunikation und zur gesellschaftlichen Partizipation bei?   In diesem Fall kann man schlussfolgern, dass die Wirkung der Meinungen auf die ursprüngliche Information positiv ist, da zumindest der erste Kommentar direkt die Qualität der journalistischen Arbeit problematisiert (die, nebenbei gesagt, einen ausgesprochenen Boulevard-Charakter hat, ohne Angabe und Prüfung der Quellen für die Behauptungen und Schlussfolgerungen), und die Behandlung beider Frauen, Kate und Camilla, vonseiten der Medien ausdrücklich als Schwarz-Weiß-Darstellung – gemäß des Stereotyps von der guten, naiven Prinzessin und der bösen Stiefmutter – entlarvt. Auch der zweite Kommentar stellt sich auf die Seite der stigmatisierten Camilla, der dritte deutet auch einen Einwand gegen diese Form der Berichterstattung an (wenngleich sich der Benutzer offensichtlich nicht vom Lesen der Klatsch-Rubrik zurückhalten konnte). Im letzten Kommentar, wo User1 die zweite Anwenderin und deren Sympathien für Camilla attackiert, kann der Ausdruck echten Zorns und Zustimmung für die journalistische Schlussfolgerung erkannt werden. Jedoch lässt sich auch in diesem Fall nicht behaupten, dass es sich um eine reaktionäre und antidemokratische Debatte mit negativen Wirkungen auf die öffentliche Kultur handelt.   Werfen wir noch einen Blick auf ein zweites Beispiel: Die Kommentare bei der Verkündung des Urteils in dem berüchtigten Korruptionsfall Patria auf dem Online-Portal der Zeitung Delo. Unter dem Artikel mit dem Titel »Richterin: Die Angeklagten im Fall Patria handelten aus Eigennutz«, der am Tag der Urteilsverkündung, dem 10.09.2013, das 136 Seiten lange Urteil zusammenfasst, waren zum Zeitpunkt meines Zugriffs bereits 98 Kommentare veröffentlicht. Bei den

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ersten Reaktionen handelt es sich vorwiegend um Kommentare dreier Benutzer: »diaz«, »a gun face« und »vest«. Ich zitiere einen kleinen Ausschnitt: - a Gun face: »...interessant ist, dass sogar Delo bzw. die von ihnen bestellten Journalisten, Janša nicht lächerlich machen konnten, sie sollen sich anstrengen und einen festen, unstrittigen und bestätigten Beweis im Urteil finden, der Janša belastet ... und genauso alle Pionierchen, hier wie auch auf anderen Portalen.« - Diaz: »sieh mal, @.a Gun face, hier: http://www. delo.si/mnenja/komentarji/mozaik-tisocerih-detajlov.html = 1 konkrete Frage genau für dich! ........ ;-)) - vest: »Diaz – Die Idioten von Gunface und Sofia [eine weitere Nutzerin, Anm.] haben überhaupt keinen vollen Zugang, so dass sie gar nicht alles hier lesen können. In anderen Worten, sie kommentieren ohne vorhandene Basis.   In diesem Beispiel sieht man, dass die Benutzer »Diaz« und »vest« vor allem auf die Meinung des Benutzers »a Gun face« und dessen »unüberlegtes Kommentieren« reagieren. Sie berufen sich dabei auf eine weitere Medienquelle und legitimieren somit die Pressearbeit gegenüber der Behauptung, dass sich die Journalisten nicht »anstrengen«, um »einen festen, unstrittigen und bestätigten Beweis« zu finden. Ebenso weisen sie darauf hin, dass der Benutzer »a Gun face« keinen Zugang zum gesamten Beitrag im Internet hat, womit sie zusätzlich die Vertrauenswürdigkeit seines Kommentars anfechten. Wie im obigen Beispiel ermöglicht die Polemik den Lesern auch hier die Reflexion über den Wert des Journalismus und der Überprüfbarkeit von Informationen. Aus dem harschen Ton, den alle drei Benutzer anschlagen, kann jedoch die allgemeine Frustration herausgelesen werden, die dieser Gerichtsfall hervorrief.

Kritische Theorie: Der ersten Theorie nach sind die Massenmedien Teil der Kulturindustrie, deren Ziel es ist, die Benutzer zu passiven und unkritischen Bürgern zu machen, damit sie ihre Unterwerfung freiwillig akzeptieren, während die Unerträglichkeit dieser Lage durch Vergnügung und Ersatzpartizipation in der Rolle des Konsumenten gelindert wird. Diese Theorie stammt aus der Frankfurter Schule und den Beiträgen von Adorno und Horkheimer, in einer popularisierten Version findet man sie auch in den neueren Debatten über die »gesellschaftlichen Wirkungen« der Medien und der Konsumkultur. Der zweiten Theorie nach sind Medienwirkungen eine Zusammensetzung aus Nachricht (bzw. Text) und Bedeutungen, die von Zuschauern bzw. Lesern erzeugt werden. Diese Bedeutungen sind nicht einheitlich, sondern gesellschaftlich heterogen, abhängig von sozialen, geschichtlichen, kulturellen und weiteren sozialen Kontexten der Rezeption. Vor allem feministische Studien haben gezeigt, dass diese Bedeutungen oft im Widerspruch zur ideologischen Mitteilung des Medientexts stehen, öfter wird so die vorgeschlagene Leseweise zum Anlass für das Entstehen alternativer und resistenter Leseweisen. Verantwortungsvolle Nutzung: Beide Theorien lassen darauf schließen, dass über die gesellschaftlichen Konsequenzen der Internetnutzung und -kommunikation nicht vorab, sondern allein auf Basis von konkreten Mitteilungen im virtuellen Raum geurteilt werden kann. Neben den Mitteilungen gibt es noch eine Vielzahl von Leseweisen der Benutzer, die sowohl auf rationaler als auch unbewusster sowie kreativer Ebene unvorhersehbar und unkontrollierbar reagieren. In diesem Sinn ist die Online-Öffentlichkeit, wie jede Medienöffentlichkeit, stets potenziell demokratisch ausgerichtet, pluralistisch und inklusiv. Redefreiheit und öffentliche Diskussion

Hilfe durch eine kritische Theorie und eine Theorie der verantwortungsvollen Nutzung   Was kann aus den beiden Beispielen über das demokratische Potenzial der Internetkommunikation gefolgert werden? Die Kultursoziologie und Soziologie der Massenmedien liefern zwei alternative theoretische Werkzeuge. Obwohl sie aus dem modernen Paradigma der Analyse der Öffentlichkeit hervorgehen, das sich vor allem auf die Medienkultur des Fernsehens, Hollywoods und des Druckwesens bezieht, bieten beide eine Grundlage für die Erklärung und die kritische Analyse von Internetkommunikationen und virtuellen Lesegruppen.

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  Die Internetkommunikation ist eine wichtige Quelle zur Analyse und zum Verständnis der öffentlichen Stimme der Benutzer. Dabei darf nicht vergessen werden, dass die Vox Populi im Internet nur ein Segment der Öffentlichkeit ist, die den mit entsprechenden Motiven und Fähigkeiten ausgestatteten Personen erlaubt, sich zu äußern, jedoch entweder aktiv (technologische Unfähigkeit bzw. kein Zugang zur Technologie) oder passiv (fehlende Motivation) alle anderen ausschließt.   Darüber hinaus ist nicht zu vergessen, dass die sich entwickelnde »Meinungskultur« zu einer Ein-

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schmelzung der Kriterien für eine verantwortungsvolle öffentliche Diskussion führen kann. Sie könnte so, statt eine produktive Pluralisierung der öffentlichen Rede zu befördern, zur Boulevardisierung der öffentlichen Kommunikation in klassischen und elektronischen Medien beitragen. Insbesondere gilt es, das Argument vom ungehinderten Zugang zu Äußerungsmöglichkeiten zu bedenken. Die expandierende Meinungskultur, die auf dem prinzipiell beanspruchten Recht basiert, Meinungen frei äußern zu können, ohne dass Kriterien der kritischen Beurteilung und verantwortungsbewussten (Selbst)Reflexion nötig wären, sieht sich durch das Recht auf Redefreiheit legitimiert. Doch die Inanspruchnahme dieses Rechtes wird durch die Anonymität der Internetanwender auf eine Bewährungsprobe gestellt. So wird der Widerstand gegen jede vermeintliche Zensur als demokratische Errungenschaft gesehen und im Windschatten dessen entsteht die Gefahr der Verbreitung von Intoleranz und Hassreden, letztlich stillschweigend mit dem Argument gebilligt, dass dies »halt Demokratie« sei.   Angesichts solcher Herausforderungen ist es wenig hilfreich, für Sanktionen und mehr Kontrolle einzutreten. Genauso fragwürdig wäre es, von den Redaktionen eine größere gesellschaftliche Verantwortung für ihre Veröffentlichungspolitik einzufordern, was etwa auf einen Publikationsstopp für intolerante und beleidigende Kommentare hinausliefe. Der Medienraum würde vielleicht tatsächlich von den gröbsten verbalen Entgleisungen im öffentlichen Raum befreit, doch geschickte Benutzer wissen schon jetzt, wie man intolerante Inhalte hinter vermeintlich toleranter, korrekter Sprache versteckt. Es müssen also andere Ansätze gefunden werden. Wie in allen bisherigen Fällen, wo man eine neue Technologie zunächst als eine Gewalt ansah, die autonom und am Willen der Menschen vorbei Wirklichkeit bestimmt, muss es auch dieses Mal um das aufklärerische Modell der Erziehung, hier der Erziehung der Menschen zu Internetbürgern, gehen.   Hierzu gehören auch Debatten über Räume, Grenzen und Einschränkung der Redefreiheit, mit denen aber gerade ein Bewusstsein für die Kommunikationsmöglichkeiten geschaffen werden kann – für mehr Freiheit. Das Internet ermöglicht dies. Wenn dafür nicht Bildungseinrichtungen und Staat sorgen, dann können wir uns auch selbst befreien.   Für den Anfang empfehle ich den Lesern, die mir bis hierher gefolgt sind, folgende zwei Links: http://podcasts.ox.ac.uk/series/free-speech-debate http://freespeechdebate.com/en/.

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Jan-Hinrik Schmidt

Das demokratische Netz?

I

m Vorfeld der G8-Tagung im Mai 2011 fand erstmals ein „eG8-Gipfel“ statt, der sich mit der Rolle des Internets für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft befasste. Der Gastgeber, Frankreichs Staatspräsident Sarkozy, begrüßte auf der begleitenden Webseite mit euphorischen Worten: „In nur wenigen Jahren hat das Internet die Träume der Philosophen der Aufklärung verwirklicht und unser gesammeltes Wissen dem größten nur denkbaren Publikum zugänglich gemacht. Demokratie und Menschenrechte wurden gestärkt, Staaten zu größerer Transparenz angehalten, und in einigen Ländern konnten unterdrückte Menschen ihre Stimmen erheben, um gemeinsam im Namen der Freiheit zu handeln.“1   In den Ansprachen, unter anderem von Größen der Internetbranche wie Eric Schmidt (Google), Marc Zuckerberg (Facebook) oder Mitchell Baker (Mozilla Foundation), wurde zur Bestätigung immer wieder auf die Umwälzungen in Nordafrika verwiesen. War man nicht gerade erst Zeuge geworden, wie in Ägypten oder Tunesien digitale Informations- und Kommunikationstechnologien den sozialen Wandel nicht nur schleichend und schrittweise, sondern rasant und wahrhaft revolutionär vorantrieben?   Doch nicht alle Beobachter teilten die Euphorie. Angesichts der Redner und (wenigen) Rednerinnen, die ganz überwiegend große Konzerne vertraten, fühlten sich journalistische Beobachter an „Kolonialherren des 1 

Eigene Übersetzung; englisches Original unter www. eg8forum.com/en/speeches/editorial (28.12.2011).

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Internets“2 erinnert. Hinter der Rhetorik von Demokratisierung, Fortschritt und Transparenz stünde letztlich doch nur der Wunsch nach Kontrolle und Profit. Vor knapp 15 Jahren hatte John Perry Barlow in der berühmt gewordenen „Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace“ noch proklamiert: „Regierungen der industriellen Welt, Ihr müden Giganten aus Fleisch und Stahl, ich komme aus dem Cyberspace, der neuen Heimat des Geistes. […] Wir haben Euch nicht eingeladen. Ihr kennt weder uns noch unsere Welt. Der Cyberspace liegt nicht innerhalb Eurer Hoheitsgebiete.“3   2011 hingegen twitterte Jeff Jarvis, als Journalistikprofessor und „public intellectual“ einer der wenigen zivilgesellschaftlichen Vertreter auf der Veranstaltung: „At #eg8 I feel like a native American or African watching colonial powers sailing in to conquer our new land.“4   Der eG8-Gipfel wirft exemplarisch zentrale Fragen der gegenwärtigen Medienentwicklung auf: Welche Rolle spielen digitale vernetzte Medien für politisches Handeln und gesellschaftlichen Zusammenhalt? Inwieweit unterstützen sie Prozesse und Strukturen der Teilhabe, inwieweit schaffen und bestärken sie Ungleichheiten oder Ausgrenzung? Pointiert: Ist das Internet demokratisch? Diese Fragen sollen im Folgenden mit einem besonderen Fokus auf den gegenwärtig beobachtbaren Wandel von Öffentlichkeit diskutiert werden. Von der Datenautobahn zum Social Web   Als sich das Internet in den frühen 1990er Jahren aus den akademischen und militärischen Kreisen hinaus gesellschaftlich verbreitete, standen seine Auswirkungen auf die Verbreitung von Informationen im Vordergrund. Die deutsche Metapher der „Daten-Autobahn“ und noch stärker das englische „information superhighway“ drückten leitbildhaft aus, dass eine zentrale Infrastruktur der Informationsgesellschaft gestaltet werden wollte. Gleichzeitig waren die digitalen Medien aber auch schon früh mit Hoffnungen auf den Abbau von Informationsungleichheiten und eine Belebung demokratischer Diskurse verbunden. So hatten technik-affine Nutzergruppen aus der Friedens- oder Umweltbewegung bereits in den 1980er Jahren Computer-Mailboxen genutzt, um Informationen auszutauschen. In den USA waren Werte und Leitbilder der Hippie- und Gegenkultur mit den neuen

Medientechnologien zu einem „Techno-Utopianism“ verschmolzen, in dessen Umfeld u.a. auch die oben zitierte Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace entstand. Jeder könne, so die Vorstellung, zum Sender werden, Informationen und Meinungen mit anderen teilen und sich mit Gleichgesinnten vernetzen, sodass auch bislang marginalisierte Stimmen Gehör finden könnten. Im ökonomischen Boom der späten 1990er Jahre und dem darauf folgenden Zusammenbruch der „New Economy“ traten diese demokratisch-utopischen Ideale zwar etwas in den Hintergrund, um allerdings nur wenige Jahre später umso stärker wieder artikuliert zu werden. Im Begriff des „Web 2.0“ bündelte sich die Vorstellung, das Internet habe eine neue Phase seiner Entwicklung erreicht. Technologische Innovationen und neue Plattformen wie Facebook und Google+, YouTube, die Wikipedia oder Twitter versprechen nicht nur neue Geschäftsfelder und Erlösmodelle, sondern transportieren auch Vorstellungen von einem tiefgreifenden gesellschaftlich-kulturellen Wandel. Das Internet der Gegenwart ist kein reines Abruf- und Transaktionsmedium mehr, sondern bietet die Infrastruktur für „soziale Medien“, die Partizipation und Teilhabe erleichtern. Es ist zum „Social Web“ geworden. Wandel von Öffentlichkeit   Wie aber ist dieser Medienwandel in Hinblick auf demokratische Prozesse und Strukturen einzuschätzen? Unbestritten ist zunächst, dass sich die sozialen Medien, wenngleich auf unterschiedlich hohem Niveau, in den vergangenen fünf Jahren im Alltag vieler Internetnutzer etabliert haben. Aus Sicht des Einzelnen senken sie die technischen Hürden, sich mit seinen eigenen Interessen, Meinungen oder Erlebnissen zu präsentieren und sich darüber mit anderen Menschen auszutauschen. Zudem stellen sie Werkzeuge und Mechanismen zur Verfügung, Informationen aller Art zu recherchieren, zu filtern, gemeinsam mit anderen zu bearbeiten und weiter zu verbreiten. Auf dieser Grundlage bringen die sozialen Medien einen neuen Typ von Öffentlichkeit hervor, der sich als „persönliche Öffentlichkeit“ bezeichnen und in verschiedener Hinsicht von den Öffentlichkeiten der publizistischen (Massen-)Medien abgrenzen lässt.5   Erstens werden Informationen in persönlichen Öffentlichkeiten vorrangig nach dem Kriterium der

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Kai Biermann, Die Kolonialherren des Internets, 26.5.2011, online: www.zeit.de/digital/internet/2011-05/eg8-internetsarkozy (28.12.2011). 3

John Perry Barlow, Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace, 29.2.1996, online: www.heise.de/tp/artikel/ 1/1028/1.html (28.12.2011). 4

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twitter.com/#!/jeffjarvis/status/73284867168800769 (28.12.2011). Vgl. zum Folgenden ausführlich Jan Schmidt, Das neue Netz. Merkmale, Praktiken und Folgen des Web 2.0, Konstanz, S. 107ff.

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persönlichen Relevanz ausgewählt und miteinander geteilt, nicht nach den professionell-journalistischen Standards von Nachrichtenwert und gesellschaftlicher Relevanz. Zweitens adressieren Nutzer ihr eigenes erweitertes soziales Netzwerk, das sich in den bestätigten Facebook-Kontakten oder den „Followern“ auf Twitter ausdrückt, nicht das unspezifische, verteilte und unbekannte Massenpublikum, das der professionelle Journalismus bedient. Drittens ist schließlich aufgrund der interaktiven Optionen, die die meisten sozialen Medien bieten, die Kommunikation stärker auf den Modus „Konversation“, also auf den wechselseitigen Austausch und Dialog ausgerichtet, als auf das eher einseitige Publizieren. Damit zusammenhängend sind in persönlichen Öffentlichkeiten auch Kommunikationsnormen wie „Authentizität“ oder „Dialogbereitschaft“ weit verbreitet und handlungsleitend.   Publizistische Medienangebote verlieren durch das Aufkommen der sozialen Medien nicht zwangsläufig an Bedeutung. Nach wie vor sind sie es, die nach etablierten Kriterien sowie institutionell gesichert und auf Dauer gestellt das gesellschaftlich als relevant Erachtete auswählen und verteilen. Die Konversationen in den persönlichen Öffentlichkeiten machen allerdings die Anschlusskommunikation des Publikums sichtbar, die auf journalistisch gesetzte Themen folgt und eine wichtige Rolle für Meinungsbildung und gesellschaftliche Einordnung dieser Themen spielt. Nutzerinnen und Nutzer können sich so zu politischen Fragen positionieren und ihrem erweiterten sozialen Netzwerk die eigene Haltung signalisieren, sich in Diskussionen einbringen und unter Umständen auch andere Menschen aktivieren. Zudem können professionelle politische Akteure, zum Beispiel politische Parteien oder Nicht-Regierungsorganisationen, die journalistische Vermittlung ihrer Anliegen zumindest insoweit umgehen, wie sie selbst Kommunikationsangebote für ihre Zielgruppen machen. Persönliche Öffentlichkeiten sind daher zwar ein wesentlicher, aber nicht der einzige Bestandteil von „integrierter Netzwerköffentlichkeit“, zu der zahlreiche professionelle wie nichtprofessionelle Kommunikatoren mit ganz unterschiedlicher Reichweite beitragen.6   Noch stärker als bislang zeigt sich, dass im Internet die Trennung zwischen „Sender“ und „Empfänger“, die für die massenmediale Kommunikation zentral ist, verschwimmen kann. In persönlichen Öffentlichkeiten ist man beides: Man teilt seinem eigenen

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erweiterten Netzwerk mit, was man gerade für relevant hält, und empfängt gleichzeitig das, was das Netzwerk für Mitteilenswert hält. Diese Neuigkeiten nehmen die Gestalt von „streams“ oder „feeds“ an, von dynamischen, ständig aktualisierten Informationsflüssen, aus denen man wiederum einzelne Inhalte aufgreifen und weiterverbreiten, kommentieren, empfehlen o.ä. kann. Eine “Facebook-Revolution”?   Welche Rolle diese Strukturen und Mechanismen onlinebasierter Öffentlichkeit für die politische Kommunikation spielen, wurde im „arabischen Frühling“ besonders deutlich – so sehr, dass die Umstürze in Tunesien und Ägypten sowie Massendemonstrationen und soziale Unruhen in einer Reihe weiterer arabischer Staaten auch als „Facebook-Revolution“ bezeichnet wurden.7 Dass Medientechnologien eine wichtige Rolle für den Ablauf politischer Proteste spielen, ist zwar nicht neu: Das sich entwickelnde Zeitungswesen, aber auch Flugblätter und Karikaturen waren entscheidende Träger von Öffentlichkeit für die französische Revolution. Bei der iranischen Revolution von 1979 spielten Transistorradios und Kassettenrekorder eine wichtige Rolle, um die Predigten und Aufrufe der Mullahs zu verbreiten. Inzwischen haben sich die Werkzeuge, um politische Forderungen zu verbreiten, Gleichgesinnte zu mobilisieren und Aktivitäten zu koordinieren, aber ganz offensichtlich weiter entwickelt. Die hohe Verbreitung von Mobiltelefonen und digitalen Kameras sorgte dafür, dass Bilder von Demonstrationen oder Übergriffen aufgezeichnet werden konnten, und die sozialen Medien halfen dabei, diese Informationen dann auch nahezu in Echtzeit zu verbreiten. Die Schneeballeffekte, die in den vernetzten Öffentlichkeiten zum Tragen kommen, erhöhten die Reichweite der Bilder und Aufrufe – auch weil Massenmedien wie CNN oder Al-Jazeera auf die nutzer-generierten Inhalte zurückgriffen und in ihre eigene Berichterstattung einbanden. Die Protestöffentlichkeit wurde transnational: Auch in Deutschland konnte jeder, der wollte, buchstäblich „live“ die Proteste auf dem Tahrir-Platz in Kairo oder dem Platz des 7. November in Tunis verfolgen und sich unter Umständen sogar selbst als Multiplikator fühlen, zum Beispiel durch das Weiterleiten von Informationen zum Umgehen von Internetsperren. Diese Form der politischen Teilhabe auch über Grenzen hinweg war in der Tat neu. Doch rechtfertigt dies, von einer „Internet-Revolution“ zu sprechen? Oder allgemeiner gefragt: Sind die Ereignisse in der arabischen

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Vgl. Christoph Neuberger, Internet, Journalismus und Öffentlichkeit. Analyse des Medienumbruchs, in: Christoph Neuberger/Christian Nürnbergk/Melanie Rischke (Hrsg.), Journalismus im Internet: Profession – Partizipation – Technisierung, Wiesbaden 2009, 19-105. 7

So bspw. bei Thomas Apolte/Marie Möller, Die Kinder der Facebook-Revolution, in: Frankfurter Allgemeine, 19.2.2011.

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Welt Beleg dafür, dass das Internet tatsächlich demokratisch, gar demokratisierend ist und die Auffassung von Wael Ghonim, einem ägyptischen Internet-Aktivisten (und Google-Manager) zutrifft: „If you want to liberate a society, just give them the Internet“?8 Das Internet und die sozialen Medien können schwerlich als Ursache der Proteste angesehen werden – diese sind viel mehr in Faktoren wie hoher Jugendarbeitslosigkeit, grassierender Korruption oder steigenden Preisen zu suchen, die in den verschiedenen arabischen Staaten jeweils eigene Gemengelagen ergaben. Zudem ist das Internet nur Teil einer umfassenderen und komplexeren Medienlandschaft. So war in Ägypten beispielsweise das Fernsehen eine wichtige Informationsquelle, wenngleich mit ganz unterschiedlichen Ausrichtungen: Die staatlichen und privat kontrollierten Fernsehstationen versuchten die Lage herunter zu spielen, während der transnationale Sender Al-Jazeera, wie geschildert vor allem durch Rückgriff auf die sozialen Medien, im wörtlichen Sinn ein „Kontrastprogramm“ bot. 9 Hinzu trat die interpersonale Kommunikation über Mobiltelefone und SMS, die allerdings ähnlich wie die Internetkommunikation immer auch die Gefahr der Überwachung und Kontrolle birgt. So kappte die ägyptische Regierung in einem verzweifelten Versuch, die Oberhand über die Kommunikationsströme zu gewinnen, sowohl einen Großteil der Internetzugänge als auch der Mobilfunknetzwerke.10 Der Fokus auf die vorgeblich „revolutionären Medieninnovationen“ ist somit problematisch, weil dadurch verborgen bleibt, inwieweit gesellschaftlich-kulturelle Strukturen in den arabischen Staaten durch eher schrittweise und langfristige Entwicklungen geprägt und verändert werden, bei denen neue und alte Medien koexistieren.11 Mediennutzung im Kontext   Über den sicherlich anschaulichen und aufschlussreichen Fall der arabischen Revolution hinaus lassen sich eine Reihe von weiteren Argumenten finden, die gegen die schlichte und technikdetermi-

nistische Annahme sprechen, das Internet sei per se ein demokratisierendes Medium. Es profitieren eben nicht nur demokratische Stimmen oder emanzipativ-aufklärerische Gegenöffentlichkeiten vom oben geschilderten Senken der Publikations- und Distributionshürden. Auch politisch radikale, undemokratische Standpunkte und Inhalte können leichter verbreitet werden, weil „gerade Verbreiter von Hate Speech, also von menschenverachtenden Äußerungen und Hetze, […] durch das Internet überproportional gewinnen“ und so „besonders vom Wegfall des Gatekeeping profitieren“.12 Zivilgesellschaftliche Reaktion auf diese Aktivitäten sind beispielsweise Projekte wie no-nazi.net oder hass-im-netz.info. Sie dokumentieren die Online-Aktivitäten rechtsextremer Parteien und Gruppierungen und klären über Strategien und Maßnahmen auf, mit denen diskriminierenden Inhalten auf Plattformen wie Facebook oder YouTube begegnet werden kann. Darüber hinaus prägt die Einbettung in existierende institutionelle oder organisatorische Strukturen. Schon innerhalb einer Gesellschaft, noch viel mehr im grenzüberschreitenden Vergleich finden sich unterschiedliche politische Akteure, darunter Parteien, lokale Bürgerinitiativen, Nicht-regierungsorganisationen, oder auch lockere adhoc-Netzwerke von Aktivistinnen und Aktivisten, die sich der digitalen Medien für politische Zwecke bedienen. Sie verfolgen dabei jeweils eigene Ziele und Interessen, besitzen eigene institutionalisierte Formen der Koordination und Abstimmung von Handeln sowie des Austragens von Konflikten, und verfügen nicht zuletzt auch über unterschiedliche personelle oder finanzielle Ressourcen. In diesen existierenden Rahmen werden die jeweils neuen Medien eingepasst – ob sie an die Seite oder an die Stelle anderer Werkzeuge und Technologien treten, ist aber nicht von vorne herein ausgemacht. Erst diese Kontextbedingungen können erklären, warum sich bestimmte Online-Strategien oder Praktiken nicht für jeden Einsatzzweck eignen. Exemplarisch lässt sich dies am ersten Präsidentschaftswahlkampf von Barack Obama zeigen. Er beruhte in hohem Maße darauf, mit Hilfe von innova-

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Zitiert nach Albrecht Hofheinz, Nextopia? Beyond Revolution 2.0, in: International Journal of Communication, 5 (2011), S. 1417-1434, online: ijoc.org/ojs/index.php/ijoc/article/view/1186/629 (28.12.2011) Zitiert nach Albrecht Hofheinz, Nextopia? Beyond Revolution 2.0, in: International Journal of Communication, 5 (2011), S. 1417-1434, online: ijoc.org/ojs/index.php/ ijoc/article/view/1186/629 (28.12.2011)

9

Vgl. Eike M. Rinke/Maria Röder, Media Ecologies, Communication Culture, and Temporal-Spatial Unfolding: Three Components in a Communication Model of the Egyptian Regime Change, in: International Journal of Communication, 5 (2011), S. 1273-1285, online: ijoc.org/ojs/index.php/ijoc/article/view/1173/603 (28.12.2011).

10

Vgl. E. Rinke/M. Röder (Anm. 2), 1281 f.

11

Vgl. A. Hofheinz (Anm. 1).

12

Daniel Müller, Lunatic Fringe Goes Mainstream? Keine Gatekeeping-Macht für Niemand, dafür Hate Speech für Alle – zum Islamhasser-Blog Politically Incorrect, in: Navigationen. Zeitschrift für Medien- und Kulturwissenschaften, 2008, Nr. 2, S. 114.

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tiven digitalen Plattformen lokale Unterstützernetzwerke aufzubauen (indem Gleichgesinnte in Städten oder Bezirken zusammengebracht wurden), deren Basisarbeit vor Ort zu unterstützen (indem Wahlkampfmaterial und Argumentationshilfen, aber auch Adressen noch unentschlossener Wählerinnen und Wähler für Hausbesuche zur Verfügung gestellt wurden) und nicht zuletzt bis dato ungekannte Summen an (Klein-)Spenden einzuwerben.   Im Bundestagswahlkampf 2009 ließ sich nur wenig Vergleichbares beobachten. Dies lag aber nicht an der Unwilligkeit oder mangelnden Internetaffinität der Wahlkämpfer, sondern vielmehr daran, dass vergleichbare Unterstützernetzwerke hierzulande bereits (manche würden sagen: noch) existieren. Die Ortsvereine oder Bezirksgruppen der Parteien bündeln und organisieren Engagement der Basis, nicht zuletzt weil sie auch zwischen den Wahlkämpfen aktiv sind. Die Mitgliedsbeiträge sorgen in Kombination mit der staatlichen Parteienfinanzierung dafür, dass Parteien und ihre Kandidaten nicht im gleichen Maße darauf angewiesen sind, jeden Wahlkampf von Grund auf neu durch Spenden zu finanzieren. Schärfere Datenschutzregelungen verhindern schließlich, dass ähnlich umfangreiche und intransparente Datenbanken über potentielle Wählerinnen und Wähler wie in den USA angelegt werden, die z.B. Informationen über Konsumgewohnheiten mit Wahlverhalten kombinieren.13 Neue Macht   In einem ganz wesentlichen Punkt steht die Debatte über die Folgen der digitalen Medien für demokratische Teilhabe erst am Anfang: Begreift man die sozialen Medien als Kommunikationsraum, in dem sich vernetzte Öffentlichkeiten formieren, muss auch über die Teilhabe an der Gestaltung dieser Kommunikationsräume selbst nachgedacht werden. Bislang sind vor allem die Plattformbetreiber und Software-Entwickler die Architekten der neuen Kommunikationsräume. Sie programmieren den Software-Code und damit die Optionen und Restriktionen, die den Nutzerinnen und Nutzern für Austausch und Partizipation zur Verfügung stehen. Sie kanalisieren das Nutzerhandeln, wenngleich sie es

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nicht völlig determinieren. Die Kontrolle über die Gestaltung digitaler Medientechnologien hat potentiell weitreichende Folgen. Filter- und Aggregationsalgorithmen können in den Dienst von Überwachung oder Zensur gestellt werden, wie Evgeny Morozov den „Cyber-Optimisten“ entgegenhält.14 Und Eli Pariser hat unlängst darauf hingewiesen, dass die immer ausgefeilteren Methoden der personalisierten Auswahl von Informationen zwar Orientierung in der Fülle verfügbarer Daten und Nachrichten bieten, aber auch zu „filter bubbles“ führen könnten.15 Eine solche fragmentierte Öffentlichkeit, in der jeder seine eigene „Informationsblase“ besäße und es immer weniger gemeinsam geteilte Wissensbestände gäbe, böte keine geeignete Grundlage mehr für gesellschaftliche Integration. Die Frage nach Teilhabe und Gestaltung der sozialen Medien ist aber auch deswegen so drängend, weil es sich um Infrastrukturen für gesellschaftliche Öffentlichkeit, aber eben nicht um öffentliche Infrastrukturen handelt. Mit Ausnahme der Wikipedia sind die dominierenden Plattformen des Social Web im Besitz von Unternehmen und Konzernen, die wiederum ein Interesse daran haben, möglichst umfassende Informationen über ihre Nutzerinnen und Nutzer zu sammeln. Ihre Geschäftsmodelle beruhen vielfach darauf, gegenüber Werbetreibenden die Daten oder Aktivitäten der Nutzenden zu vermarkten. Für Letztere ist die Partizipation an vielen Diensten und Plattformen deswegen in der Regel freiwillig und kostenfrei, doch oft ist ihnen das Ausmaß und die Verwendung der gesammelten Daten nicht transparent. Pointiert formuliert: „Wenn man nicht dafür zahlt, ist man selbst das Produkt“16 Es ist offen, inwiefern eine gesellschaftliche Mehrheit auf Dauer damit einverstanden sein wird, dass an solch zentraler Stelle von Mediennutzung nicht nur eine Einschränkung ihrer informationellen Selbstbestimmung droht, sondern auch eine Machtfülle entsteht, der keine ausreichende demokratische Legitimierung und Kontrolle entgegensteht. Wirklich demokratisch kann das Netz daher nur sein, wenn auch die Gestaltung der zugrundeliegenden Technologien offen für Mitbestimmung und Teilhabe ist. Gedruckt und übersetzt mit freundlicher Genehmigung des Autors (leicht gekürzte Fassung). Zuerst erschienen in: Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 7/2012)

13

Vgl. Daniel Kreiss/Philip N. Howard, New Challenges to Political Privacy: Lessons from the First U.S. Presidential Race in the Web 2.0 Era, in: International Journal of Communication (2010). online: ijoc.org/ojs/index.php /ijoc/article/view/870/473 (28.12.2011).

14

Evgeny Morozov, The Net Delusion. The Dark Side of Freedom. New York 2010

15

Vgl. Eli Pariser, Filter Bubble. What the Internet is hiding from you. London 2011.

16

Das Originalzitat ist augenscheinlich erstmals in einer online geführten Diskussion gefallen und hat sich rasch als Diagnose

verbreitet; vgl. www.metafilter.com/95152/ Userdriven-discontent#3256046 (28.12.2011).

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Politik 2.0 Das Internet und die Zukunft der Demokratie

Katja Koren Ošljak:

tung von unnützen Inhalten und beim weltweiten Diebstahl von persönlichen Daten. An ähnlich reumütige Aussagen erinnere ich mich aus Gesprächen über TV-Soaps, denen sogar von treuen Zuschauern oft jegliches intellektuelle oder sonstige Potenzial abgesprochen wird. Angeschaut werden sie dennoch. Die amerikanische Soap Santa Barbara aus den 80er- und 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts wurde 2137 Episoden lang konsumiert, die südamerikanische Telenovela Esmeralda fand in etwa dem gleichen Zeitraum drei venezolanische und zwei brasilianische Nachahmer (Informationen hierzu finden sich auf Wikipedia). Trotz der hohen Einschaltquoten und ihrer Beliebtheit ließe sich keiner der Serien produktionstechnische oder künstlerische Höchstleistung zusprechen. Genauso wenig kann über einen Großteil des Inhalts und der Interaktionen auf sozialen Netzwerken gesagt werden, dass dieser qualitätsvoll wäre – dennoch haben sich schon eine gute Milliarde Nutzer durch den Austausch auf Facebook vernetzt. 2

Zwischen narzisstischer Selbstdarstellung und politischer Partizipation im Internet

  Vorausgesetzt, dass die Mehrheit der Anwender die Inhalte und Interaktionen auf Facebook als wenig qualitätsvoll einstuft – ähnlich, wie dies vermutlich auch die Zuschauer der geschätzten TV-Serien tun, muss man sich fragen, wieso sowohl die einen (Netzwerke) als auch die anderen (Serien) so beliebt sind.

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  Es scheint, als lieferten minderwertige Shows Gesprächsstoff und Treibstoff für Interaktionen. Ihre Beliebtheit kann durch das Bedürfnis nach Einbezogenheit, Aufmerksamkeit und dem Gefühl, “Teil von etwas zu sein” erklärt werden. Mit jemandem Ideen zu teilen und ein gemeinsames Gesprächsthema zu haben ist vielleicht ein wichtigerer Grund, als es auf den ersten Blick scheint. Es kann frustrierend sein, wenn alle über Esmeralda oder das Foto einer Kollegin auf Facebook sprechen, man sich selbst aber keine eigene Meinung bilden kann, da man weder das eine noch das andere gesehen hat. Die Unkenntnis eines Themas, der Ausschluss aus der Diskussion bzw. Gruppe sowie überhaupt unzugängliche Kommunikationsräume rufen Unbehagen hervor.

as kulturelle Umfeld formt Individuen, auch Internetnutzer. Dementsprechend sorgen die eingelullten Individuen in der Konsum-Demokratie für eine Flut von persönlichen Erzählungen. Unterdrückung, Zensur, Unfreiheit und Repression lösen dagegen Widerspruch und erfinderischen Widerstand, die Bildung paralleler Kommunikationsräume oder die Mitgestaltung von Kommunikationsumgebungen aus. Von Interesse ist der Kontext, in dem Internetanwender politisch aktiv werden. Hierbei wird von folgenden Voraussetzungen ausgegangen:

  (1) dass ein Mensch außerhalb des gesellschaftlichen Kontexts nicht existieren kann und (2) dass Selbstdarstellung und Mediatisierung Voraussetzung für die Partizipation in der digitalen Kultur sind.1   Wenn Sie einen Bekannten fragen, ob er bei Facebook ist, wird dieser womöglich antworten “Ja, aber ...”. Dieses „aber“ und was ihm folgt klingt normalerweise wie eine reumütige Entschuldigung für Zeitverschwendung, das Mitwirken bei der Verbrei-

  Der Mensch als soziales Wesen gestaltet sich und existiert im gesellschaftlichen Umfeld. Nur im gesellschaftlichen Kontext, wo er mit anderen kommuniziert und im Kontakt mit der Kultur ist, kann er sich wie ein Mensch verhalten. Ohne Interaktion mit der Umgebung hätte er nicht teil an Reaktionen, Mittei-

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Wenn nicht ausdrücklich anders angegeben, bezieht sich der Text auf Forschungsdaten, gesammelt im Rahmen des Forschungsprojekts Subjektkonstruktion und digitale Kultur, SKUDI, bei dem von 2009 bis 2013 eine österreichische und drei deutsche Universitäten mitwirkten: die Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, die Universität Münster, die Universität Bremen und die Technische Universität Hamburg-Harburg (weitere Infos unter: http://www.skudi.net). 2

Quelle: http://investor.fb.com/releasedetail.cfm? ReleaseID=780093

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lungen und Gesten, die reflektieren, was er ist und wie er akzeptiert wird. Der symbolische Interaktionismus, eine der wichtigeren Schulen der Soziologie bzw. der Sozialpsychologie, erklärt, dass die Ansichten Anderer eine Schlüsselfunktion in der geistigen und sozialen Entwicklung der Einzelperson haben. Wie andere das Individuum sehen bzw. wie es glaubt, von anderen gesehen zu werden, entscheidet über sein Handeln.   Für den Menschen ist es sehr wichtig, dass er dazugehört und akzeptiert wird. Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe wie z. B. einer Basketballmannschaft, einem Hackerclub oder einer Gruppe von Facebook-Freunden gibt ihm ein Gefühl der Sicherheit davor, sich zu verlieren und allein dazustehen. Damit jedoch eine Einzelperson Teil eines Gespräches oder Mitglied einer Gruppe werden kann, muss sie sich und ihre Ideen den Interaktionspartnern mitteilen – das nennt man Selbstdarstellung. Das Anpassen seines Auftritts an das Medium bzw. den Kommunikationskanal, wie z. B. das Schreiben eines Briefes, das Aufnehmen einer Mitteilung auf einem Anrufbeantworter oder die Statusmeldung auf Facebook ist die Mediatisierung. Lediglich eine mediatisierte Selbstdarstellung ermöglicht der Einzelperson die Partizipation an einer Gemeinschaft oder Kommunikationssituation – um ein Gespräch mit der Nachbarin über Santa Barbara führen zu können, muss Rosemarie selbst die Serie verfolgen, genauso wie sie auf Facebook registriert sein muss, um die Urlaubsbilder der Mitarbeiterin sehen zu können.   Nancy Thumim behauptet in ihrem Buch über Selbstdarstellung Self-representation and digital culture, dass ein von der Mediatisierung unabhängiger Mensch nicht existieren kann. Die digitale Gesellschaft verlangt in diesem Sinn Präsenz in sozialen Netzwerken, d. h. das Erstellen von Profilen, das Schreiben von Mitteilungen und das Hochladen von Bildern, da ohne dies weder das Auftreten im digitalen Kommunikationsraum noch die Zugehörigkeit zu einer Online-Gemeinschaft möglich ist.   Obwohl populäre Plattformen auf diese Weise Nutzer in die digitale Gesellschaft ‚einspeisen‘, kann man ihnen vorwerfen, nur zu einer unproduktiven Art der Beteiligung anzuregen. Thumim ist der Meinung, dass sich die User zwar um ihre Online-Repräsentanz kümmern und diese aktiv konstruieren sowie ihre Mitteilungen versenden, all dies jedoch zu oft im Rahmen einer vorgegebenen Plattform.   Das Design und die Funktionalität von Kommunikationsplattformen greifen deshalb in die Form und den Inhalt ihrer Selbstdarstellungen und Interaktionen ein. Thumim führt als Beispiel Facebooks Chro-

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nik an, wo im gleichen Zusammenhang verschiedene persönliche Aspekte angegeben werden, so dass politische Einstellung, Modegeschmack und Kaufgewohnheiten als gleichberechtigte Teile der Identität des Nutzers erscheinen. Dadurch ergibt sich ein kritischer Ausgangspunkt für die Debatte über die gesellschaftlichen und politischen Aspekte der Partizipation auf sozialen Netzwerken. Was haben also die Mediatisierung und Selbstdarstellung auf sozialen Netzwerken mit der politischen Partizipation gemeinsam?   The system of objects von Jean Baudrillard beinhaltete die Kritik einer Gesellschaft, die von der Vermittlung und Weiterleitung von Inhalten abhängig ist. Die Besessenheit von einem absoluten Informationsfluss, die sich z. B. durch neurotisches Überprüfen von Mitteilungen auf Facebook und Liken von Fotos auf Instagram ausdrückt, könnte mit Baudrillard als mentale Hypochondrie bezeichnet werden. Aus dieser Sicht ließe sich spekulieren, dass das Klicken auf „Like” und das Anhäufen von Kommentaren ein Zeichen für die Unfreiheit des Individuums, einen unheilvollen mentalen Zustand und das Eingehen des Einzelnen in eine Menge uniformierter Vieler ist.   Doch der Umstand, dass in digitalen Welten oft Kritiklosigkeit und völliges Desinteresse an allem herrscht, was nicht dem Narzissmus der Nutzer entspricht, ist nicht zu verallgemeinern. Nicht selten haben die Fluten von Mitteilungen auf sozialen Netzwerken auch eine breitere, z. B. politische Dimension. Durch solche Mitteilungen repräsentieren die User nicht nur sich selbst, sondern erkennen auch wichtige gesellschaftliche Probleme, ergreifen Maßnahmen gegen diese und bilden auf diese Weise ihre Autonomie aus.   Wo kann nun die Linie zwischen einer digitalen Präsenz nur um der Aufmerksamkeit für die eigene Person willen und einer politischen Tätigkeit im Netz gezogen werden? Einleitend wurde erwähnt, dass der soziale Kontext bzw. die Kultur die Art und Weise der individuellen Partizipation und des kollektiven Handelns im Netz beeinflussen. Unterdrückung, Zensur, Unfreiheit und Repression lösen Widerspruch und erfinderisches Aufbegehren aus, die in der Schaffung paralleler Kommunikationsräume und im gemeinschaftlichen Aufbau digitaler Gemeinschaften münden. All dies unterscheidet sich von zahlreichen anderen Versuchen aus dem Gewöhnlichen und der Alltäglichkeit hervorzustechen, die wir von Facebook, Twitter und anderen sozialen Netzwerken im Internet kennen. Im Rahmen des bereits erwähnten Projekts SKUDI, das sich mit der Konstruktion des Subjekts in der digitalen Kultur

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beschäftigt, haben Forscher einen Großteil ihrer Aufmerksamkeit der Bedeutung von Grenzen und Einschränkungen gewidmet. Sie beobachteten User, die in verschiedenen Umgebungen und Situationen im Internet auf Einschränkungen stießen und versuchten deren Bedeutung zu verstehen. Es hat sich gezeigt, dass es gerade Grenzen sind, die bei den Versuchsteilnehmern Agilität bei der Suche und Erstellung einer besseren Realität anregten.   Die Verletzung der Menschenrechte bei Minderheiten, strukturelle und administrative Gewalt gegenüber Online-Gemeinschaften, die Umweltverschmutzung und die Beschränkung des Zugangs zu Ressourcen haben bei den Online-Anwendern, die an der Untersuchung teilnahmen, oft Kritik, Widerstand oder andere Arten von Tätigkeit im Internet ausgelöst. Die Form ihres Widerstandes können in vier Dimensionen eingeteilt werden:   (1) die Erstellung eines parallelen Kommunikationsraums, (2) Mitverwaltung bzw. Selbstverwaltung der Gemeinschaft, (3) Unterstützung der Bestrebungen anderer Anwender und (4) Vernetzung und Weiterleitung von Informationen.   Die Bestrebung, systematische, politische, geografische und kulturelle Einschränkungen zu überschreiten ist besonders ausgeprägt in Umgebungen, die stärker überwacht werden und sogar unfrei oder stark „von außen“ kontrolliert und verwaltet werden. Zensur, Tabuisierung bestimmter Themen (Religion, Politik, Sexualität), Ignorieren von Andersartigkeit, Unterdrückung von Minderheiten und sogar offene Gewalt gegen Andersdenkende sind Erfahrungen aus autokratischen Umgebungen, die von Bloggern und anderen Online-Aktivisten mehrmals in Interviews angeführt wurden. Auch wenn die Einschränkungen auf Andere gerichtet waren oder wenn es um Freiheitseinschränkungen völlig Unbekannter ging, reagierten die Anwender darauf mit Widerstand.   Esra’a al Shafei (es wird der echte Name benutzt, da die Interviewte darauf bestand, dass die Forscher ihn benutzen) ist die Gründerin der Plattform MideastYouth.com. In einem Interview 2010 äußerte sie sich, dass sie sich dem Online-Aktivismus widme, um Minderheiten in der Region den Eintritt in die digitale Öffentlichkeit zu erleichtern. Aufgrund der Tabuisierung bestimmter Themen in der arabischen Öffentlichkeit und der allgemeinen Nicht-Akzeptanz von ethnischen, religiösen und sexuellen Minderheiten hat sie eine eigene Plattform gegründet und damit einen alternativen Kommunikationsraum geschaffen. So haben Minderheiten eine Stimme bekommen und Probleme, mit denen ihre Angehörigen

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konfrontiert sind, konnten artikuliert und so sichtbar gemacht werden.   Neben der Erstellung eines parallelen Kommunikationsraums bzw. einer alternativen Öffentlichkeit findet man im Internet auch die Praxis der Mit-wirkung und Versuche, die bestehenden Strukturen, Medien, sozialen Netzwerke im Internet und politische Subjekte zu beeinflussen. Vor der Präsidentenwahl in Österreich 2010 entstand auf Facebook eine Gruppe, in der die Nutzer über Szenarien und Taktiken nachdachten, die aus der Wahl der rechtskonservativen Kandidatin Barbara Rosenkranz zur österreichischen Präsidentin hätten resultieren können. Die User zeigten sich über die möglichen Folgen ihrer Wahl für Ausländer und Homosexuelle besorgt und spekulierten über den Schaden, den eine reaktionäre Präsidentin für das internationale Ansehen Österreichs bedeuten könnte. Sie beschäftigten sich mit Strategien zur Erhöhung der Wahlbeteiligung, da in diesem Fall ein Wahlsieg von Rosenkranz unwahrscheinlich würde.   Ein weiteres Beispiel: Die Regeländerung und Änderungen der Nutzungsbedingungen, der automatischen Einstellungen, Anzeigen von Mitteilungen und andere Neuerungen auf Facebook haben großen Widerspruch ausgelöst, der sich darin artikulierte, dass die Nutzer zunehmend den Anspruch auf Mitund Selbstverwaltung des Netzwerkes erhoben.   Durch Mitverwaltung und Mitgestaltung der Kommunikationsräume und Netzwerke, die sie verwenden sowie durch die gemeinsame Suche nach Konsens bei wichtigen Neuerungen und Regeländerungen, erlangen die Nutzer eine zentrale Bedeutung bei der Stiftung einer digitalen Gemeinschaft. Die Meinung und Unterstützung anderer Nutzer ist hierbei äußerst wichtig. Dies betonen besonders User, die aufgrund ihrer Tätigkeit in gefährliche Situationen gerieten, z.B. indem sie über Tabu-Themen debattierten, eine Meinung vertraten, die im Gegensatz zu den offiziellen politischen Standpunkten steht oder den Entscheidungen von Administratoren der Online-Gemeinschaften widersprachen. So äußerte sich eine jemenitische Reporterin und Bloggerin in einem Interview im Mai 2011, dass sie trotz der Drohungen und Angriffe, denen sie und ihre Familie aufgrund ihres Eintretens für Menschenrechte ausgesetzt sind, nicht aufhören wird. Den Mut und die Energie zum Berichten schöpft sie laut eigenen Aussagen aus aufbauenden Kommentaren auf ihrem Blog und ihrem Facebook-Profil.   Zusammen mit ein paar weiteren Interviewten fällt diese Bloggerin in die Kategorie jener arabischen Blogger, die auf Englisch schreiben, um der Welt

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Fakten und die eigentliche Situation im Land und in der Region zu enthüllen. In der Vernetzung mit anderen Anwendern und der Verbreitung von Fakten sehen sie einen Weg zur Veränderung. So schreibt auch die tunesische Aktivistin Lina Ben Mhenni in ihrem Aufsatz Vernetzt Euch! darüber, wie wichtig die Vernetzung im Internet für die Weiterleitung korrekter Informationen und korrekter Daten ist: “[Die Welt] wird sich aber nur verändern, wenn die Informationen im Umlauf geraten, wenn die Wahrheit verbreitet wird, wenn wir uns vernetzen“ (Vernetzt Euch!, 2011, S. 44). Mit ähnlichem Engagement versucht ein Blogger aus Saudi-Arabien durch seine Eintragungen auf Englisch Strategien der Behörden zu umgehen, die seiner Meinung nach die tatsächlichen Probleme seines Landes verhüllen. Er beschreibt, wie die Behörden für kurze Zeit Reporter ins Land lassen, die als ersten Eindruck immer wieder die „schockierende Feststellung” machen, dass Frauen dort nicht Auto fahren dürfen und dass Alkohol verboten ist. Die Reporter stellen so Jahr für Jahr das Gleiche fest und vermitteln der Welt die gleichen Geschichten, die bei fremden Behörden ziemlich viel Staub aufwirbeln, der erfolgreich verhüllt, was sich in Saudi-Arabien (neben dem bereits Erwähnten) eigentlich abspielt. Um auf die eigentliche Situation in der Region aufmerksam zu machen, fotografiert er selbst und postet auf seinem Blog auf Englisch.

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Die Erlebnisse von Nutzern aus anderen Kulturen, mit anderen Sitten, Liedern und Literaturen, Sprachen und Speisen begünstigen die Auseinandersetzung mit den Einschränkungen des eigenen Körpers, Geistes und mit kulturellen Normen, denen wir unterworfen sind. Durch die Reflexion solcher Grenzen gelangt man zur Einsicht, dass diese arbiträr sind und dass es auch im eigenen kulturellen Kontext möglich ist, sich anders zu verhalten und mehr zu erreichen. Die Geschichten aus den behandelten Interviews zeigen, wie Einzelpersonen in Online-Kommunikationsräumen politisch aktiv werden, wenn sie auf Einschränkungen stoßen: sie fühlen sich kontrolliert, unfrei, haben Angst oder erkennen, dass die Werte, an die sie glauben, in Gefahr sind. Voraussetzung für die Partizipation in Online-Kommunikationsräumen ist Selbstdarstellung und entsprechende Mediatisierung, wodurch der Einzelne erst Zugang zum Kommunikationsfluss bekommt. Seine persönliche Präsentation, sein Bild und seine Posts sind somit Eintritts-Interaktionen, die zu kreativer Tätigkeit führen können.

  Auf Online-Netzwerken formt sich eine kosmopolitische Kultur. Der Einblick in neue Kulturräume und das In-Kontakt-treten mit Menschen mit anderer Erziehung und Bildung, die andere Werte haben, ist besonders für solche User wichtig, die keine Möglichkeit zum Reisen haben. Über das Internet überbrücken sie somit teilweise die geografische Unbeweglichkeit und lernen Diversität kennen, führen neue Ansichten in ihre Umgebung ein und stellen gleichzeitig Anderen ihre Gesellschaft vor. Die Nutzer, einschließlich der SKUDI-Forscher, sind sich der positiven Folgen dieses kulturellen Austausches bewusst, der ihrer Meinung nach das Wesentliche an der digitalen Kultur ist. „Im Grunde genommen ist [das Internet] ein Schritt in der Entwicklung des sozialen Gewebes”, das es dem saudischen Blogger ermöglicht, im Internet viele Nationalitäten zu haben, an mehreren Orten gleichzeitig anwesend zu sein und Teil verschiedener Diskurse und Reaktionen zu sein.

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sermaßen, die Politik zu depolitisieren und sie zu etwas Quasi-Natürliches und damit Unveränderliches zu machen, worauf die Leute keinen Einfluss haben, was den Politik-Profis Macht gibt. Offensichtlich stimmt etwas mit der modernen Politik und somit mit der Demokratie nicht mehr.

Nika Mahnič und Jasmina Ploštajner

Neue Ansätze gegen die Krise der Politik: Das Beispiel des Portals Danes je nov dan

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ie Konzepte der Demokratie und ihre politische Umsetzung sind im Westen in der Krise. Die Politik galt einst als Instrument, das es ermöglicht, das Leben in der Gesellschaft zu organisieren. Heute ist sie eine große Enttäuschung. Viele Menschen nehmen sie nicht mehr als sinnvolles Inklusionsinstrument wahr, sondern als etwas Dreckiges, Korruptes, von der Bevölkerung Abgehobenes, kurz gesagt, als etwas, das nur einer Elite und ihren Interessen dient. Aufgrund dessen sinkt das Interesse an der Politik und mit ihr die Wahlbeteiligung, die sogenannte aktive Bürgerschaft wird kleiner, immer mehr Menschen ziehen sich ins Private zurück – das Interesse für öffentliche Belange ist in Slowenien praktisch verschwunden. Dabei gehen beide Gesichtspunkte natürlich Hand in Hand: Je weniger Interesse es an der Politik und an demokratischen Prozessen gibt, desto exklusiver, abgehobener wird die Politik. Die Politik, wie wir sie heute kennen, funktioniert jedoch offenbar auch ohne Beteiligung der Öffentlichkeit – sei es, dass Kanäle fehlen, über die die Zivilgesellschaft Forderungen an die Regierung adressieren kann, oder sei es, dass sich die Regierung soweit von der zivilen Gesellschaft entfernt hat, dass sie deren Forderungen gar nicht interessieren. Wie Andrew Gambel schreibt, ist es das Ziel heutiger Politiker, den Leuten die Politik so wenig wie möglich schmackhaft zu machen, damit sie sich nicht mehr mit ihr beschäftigen wollen. Sie versuchen gewis-

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  Aufgrund der allgemeinen Überzeugung, dass wir in einer posthistorischen Welt („Endism“) leben, und dass daher das heutige politische System das bestmögliche ist, haben sich die Leute gewissermaßen mit diesem “Schicksal” abgefunden. Die Begründung, dass wir im einzigmöglichen politischen System leben, da wir uns ein anderes einfach nicht vorstellen können, klingt nicht überzeugend. Wahrscheinlich konnte man sich zur Zeit des Feudalismus auch kein anderes System vorstellen, was natürlich nicht bedeutet, dass dieses das beste gewesen ist. Die repräsentative Demokratie, wie wir sie heute kennen, ist auch nicht unbedingt die beste Form der Demokratie bzw. wird sie nicht unbedingt bestmöglich ausgeführt. Die derzeitige Politik ist mehr als alles andere eine Spektakelpolitik, die auf Persönlichkeitskult basiert und bei es darum geht, die Wähler von einer Partei (Person) zu überzeugen. Die moderne Politik erlangt ihre Macht somit im Wesentlichen nicht durch Inhalte und Programme.   Vor diesem Hintergrund kam es auch in den etablierten slowenischen Medien zu Missverständnissen hinsichtlich neuer politischer Praxen von unten. Diese konnten nämlich nicht die Protestbewegung des letzten Jahres in ihr gewohntes Deutungsraster unterbringen. Diese Opposition zeichnete sich durch Diversität aus, sie bestand aus einer Vielzahl von Individuen mit verschiedenen Forderungen und Visionen. Die Medien konnten dies nicht in ihre übliche Form pressen: Der Sensationalismus sucht nämlich auffallende Gesichter, der Inhalt gerät dabei in den Hintergrund. Die Protestbewegung hat (mit ein paar Ausnahmen) die Rolle eines Anführers, eines Gesichtes, das für alle spricht, abgelehnt. Die Forderungen waren inhaltlicher Natur und Namen unwichtig. Genau auf dieses Problem stießen auch wir, die Gründer des Portals »Danes je nov dan« (dt. Heute ist ein neuer Tag ): Da wir Fotoapparate und persönliche Interviews mieden und somit nicht zuließen, dass sich der Fokus von den Inhalten des Portals auf unsere Privatleben verschiebt, waren wir für die Medien nicht wirklich interessant.   Der Zustand der Politik in Slowenien unterscheidet sich zum Großteil nicht vom Zustand der Politik anderswo im Westen. Im Moment wird die Politik andauernd durch neue Skandale, Korruption und Streitigkeiten zwischen Vertretern verschiedener Parteien und Anschauungen erschüttert, es scheint

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jedoch, als hätten all diese Probleme keinerlei Auswirkungen auf die Tätigkeit der Politiker, als ob diese in einer Art Vakuum lebten, isoliert von der ‚Außenwelt‘. Das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Politik fällt daher rapide, die Politik- und Wirtschaftskrise ist hierbei auch nicht gerade hilfreich. Die Leute müssen sich nämlich mit alltäglichen, existenziellen Problemen beschäftigen - zur politischen Partizipation führen die Lösungen für ihre Probleme nicht. Gegenüber den momentanen Behörden wächst das Misstrauen, in Slowenien gibt es keinen Konsens über die Hauptprobleme der Gesellschaft, was die Spaltung in “Linke” und “Rechte” nur noch vertieft. Die Passivität der slowenischen Wähler wirkt sich negativ auf die politische Sphäre aus, in der Name, Parteizugehörigkeit und persönliche Unterstützung wichtiger sind als das Wohl der Gemeinschaft.   Die apolitische Haltung der Menschen und die Abwendung der Politik von realen gesellschaftlichen Prozessen und Problematiken sind nicht die einzigen Gründe für den Einbruch der aktiven Bürgerschaft. Die heutige Lebensgeschwindigkeit verhindert oder erschwert vielen die Auseinandersetzung mit der alltäglichen Politik sowie die politische Partizipation - wenn man wirklich informiert sein will, muss man sich Zeit nehmen; Zeit, die viele nicht haben oder lieber anderen Dingen widmen. Es fällt nicht schwer zu verstehen, dass Menschen, die die ganze Woche über Tag arbeiten und sich dann am Sonntag, dem Tag der Wahl, lieber einen Ausflug oder Entspannung gönnen als am Ort der Entscheidung anwesend zu sein. Zweifelsohne bedrohen solche Trends die Sphäre der politischen Öffentlichkeit und die aktive Bürgerschaft. Gerade deshalb müssen neue Wege und Formen der Partizipation gefunden werden. Neue Ansätze bietet die Technologie und somit das Internet, der letzte Raum für (illusorische) Freiheit, der uns bleibt.   Ideen für eine E-Demokratie gibt es bereits seit den 1980er Jahren mit den ersten Aufrufen dazu, die politische Partizipation ins Internet zu verlegen. Dies bezog von Anfang ein politisch-emanzipatorisches Potenzial des Netzes mit ein, das die Möglichkeit zur freien Meinungsäußerung und zur ungehinderten Repräsention bietet. Einzelpersonen können sich im Internet von den Fesseln der Personifizierung befreien, die ihnen vom gesellschaftlichen Umfeld angelegt werden. Machtattribute und Statusdifferenzen werden eliminiert, wodurch sich die Freiheit des Informationsaustausches vergrößert. Wenn die (oftmals kritisierte) Unterscheidung zwischen dem Realen und dem Virtuellem beibehalten wird, kann gesagt werden: Politische Prozesse im ‘Virtuellen’ verlaufen anders als die stereotype politische Partizipation außerhalb des Netzes. An-

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gestrebt werden nämlich eine lebendige Demokratie, eine interessierte Zivilsphäre und die Berücksichtigung der Stimmen jener, die sich bei den akuten Problemen wirklich auskennen. Die Technologie ermöglicht eine Kommunikationsbasis, die bislang zum Großteil für eigennützige Zwecke genutzt wurde: Das Sammeln und der Konsum von Informationen. Die Nutzung des Internets für kollektive, politische Zwecke hat ihr Potenzial noch nicht entfaltet. Trotz der Gefahren durch eine mögliche Kontrolle der Benutzer seitens der Regierung und die Festlegung der Kommunikationsbedingungen durch die Technik müssen dennoch Schnittpunkte gefunden werden, wo der tatsächliche politische Effekt den Verlust des Privaten überwiegt. Das Internet hat sich in der slowenischen Protestbewegung bislang im Rahmen der Organisation von Demonstrationen und Aktionen, also der Mobilisierung von Einzelpersonen, als nützlich erwiesen. Mit Danes je nov dan soll noch ein Schritt weiter gegangen werden.   Danes je nov dan entstand aus dem Bedarf nach neuen Formen der politischen Partizipation und des politischen Entscheidens. Die Proteste, die im Herbst 2012 begannen, waren ein klare Widerspiegelung der Probleme in der slowenischen Gesellschaft. Die Entfremdung von politischen und demokratischen Prozessen brachte die Menschen dazu, auf die Straße zu gehen. Es wurde jedoch der sogenannten Protestbewegung mehrmals (sowohl vonseiten der Medien als auch der Regierenden) vorgeworfen, keine wirklichen Ideen, Forderungen, Visionen oder sonstige Lösungen für die Politik- und Wirtschaftskrise zu haben. Da wir solche Urteile nicht hinnehmen wollten, boten wir mit der Online-Plattform Danes je nov dan ein offenes Forum an, wo Individuen und Gruppen ihre Überlegungen und Ideen, wie man hinsichtlich der aktuellen sozialen Probleme zu einem Konsens kommen kann, präsentieren können. Zunächst wurde das Portal um die Nennung von sechs Rechten herum gestaltet, mit denen versucht wurde, die Diskussion zu strukturieren – das Recht auf ein gutes Leben in einer solidarischen Gesellschaft, das Recht auf das Gemeinsame, das Recht auf eine gute Regierungsführung, das Recht auf eine unversehrte Natur, das Recht auf eine menschenfreundliche Wirtschaft und das Recht auf Beteiligung. Hier handelte es sich nicht um die Forderungen der Proteste, nicht einmal um Bedingungen für die Regierenden, sondern dies sind Rechte, die bereits unser Eigentum sind. Mit ihnen und um sie herum möchten wir zum Aufbau eines neuen gesellschaftlichen Konsenses beisteuern, basierend auf dem Gemeinwohl und der Achtung der Natur und des Einzelnen, da seine wirkliche Macht und Stärke aus der Unterstützung der Gemeinschaft kommt. Erneut muss man sich klarmachen, dass jeder Einzelne ein wichtiger Teil der Gesellschaft ist.

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Genauso gilt es, das Primat des Gemeinsamen wiederherzustellen – es muss geschützt und demokratisch zum Wohl aller eingesetzt werden.   Die Formulierung dieser Rechte war Folge der (bereits erwähnten) Enttäuschung über den Zustand der Gesellschaft – die slowenische politische Kultur steckt heute in einer tiefen Krise: das allgemeine Misstrauen gegenüber der slowenischen und europäischen politischen Klasse, die riesige Kluft zwischen den Bürgerinnen und Bürgern auf der einen Seite und den Entscheidungsträgern auf der anderen Seite, die Spaltung in »Linke« und »Rechte«, »Unsere« und »Eure« und die vollkommene Unfähigkeit zum Dialog, zur Kompromissbildung, zum Konsens über wichtige gesellschaftliche Fragen sowie der totale Zerfall von Werten der Gemeinschaft brachten uns zum Nachdenken über einen neuen gesellschaftlichen Konsens, erstellt um diese sechs Rechte herum, die aus der Überzeugung stammen, dass das System, in dem wir leben, nicht endgültig ist und dass es durch eine starke Zivilgesellschaft, die an diese sechs Rechte glaubt, geändert werden kann. Wir wollen ein Umfeld schaffen, in dem Lebensfreude Vorrang hat vor Profit, die Natur vor den Forderungen der Wirtschaft und wo das Gemeinsame vor Privatisierung sicher ist.   Mit dem Portal möchten wir erreichen, dass sich jeder Einzelne, mag er sich auch noch so machtlos fühlen, bewusst wird, dass er Teil einer größeren Gemeinschaft ist und dass er dort eine Stimme hat, die er nur einzusetzen braucht. Das Portal wurde zunächst so gestaltet, dass unter jedem der sechs Rechte Vorschläge in Form von Kommentaren gesammelt wurden. Es gab jedoch bereits wenige Tage, nachdem das Portal ins Leben gerufen wurde, so viele Kommentare, dass schnell klar wurde, dass dieses Verfahren nicht ausreichen würde. Da wir selbst nicht die pro-

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grammiererischen Ressourcen für eine schnelle Entwicklung des neuen Portals haben und weil wir an die Stärke des Zusammenarbeitens glauben, riefen wir eine Gruppe von Unterstützern zu Hilfe, die sich im Rahmen des Portals Danes je nov dan bildete.   Wir veranstalteten einen ‘Hackathon’, ein ganztägiges Event, bei dem uns bislang nicht bekannte Mitglieder der Gemeinschaft bei der Programmierung einer an-deren Version des Portals halfen, die noch heute benutzt wird. Benutzer können jetzt unter jedem Recht Vorschläge abgeben, für die dann abgestimmt bzw. über die diskutiert werden kann, zu denen Arbeitsgruppen gebildet oder sogar Veranstaltungen geplant werden können. Auf diese Weise sollen mögliche Lösungen bis ins Detail artikuliert werden. Und wie geht’s weiter? Wir würden es den Leuten gern ermöglichen, diejenigen Vorschläge, die viel Unterstützung bekommen, weiterzuführen. Den Benutzern des Portals möchten wir Werkzeuge zur Verfügung stellen, die ihnen Folgendes ermöglichen: Vorschläge in Gesetze umzuwandeln, Plebiszite initiieren, Gelegenheiten, die unsere Nutzer mit Entscheidungsträgern zusammenführen, organisieren usw. Trotzdem muss die Gemeinschaft vor der “Tyrannei der Mehrheit” geschützt werden: Danes je nov dan besteht auf den Schutz der menschlichen Grundrechte, weshalb Vorschläge, die nicht den sechs Rechten entsprechen, ausgefiltert werden. Wir sind uns außerdem bewusst, dass ‚technologischer Analphabetismus‘ zum Ausschluss von Menschen aus diesen neuen politischen Instrumenten führen kann: Nur Solidarität zwischen den Generationen und Geduld können die Generationen, die sich durch Technologie noch weiter voneinander entfremdet haben, im Internet zusammenführen. Die Art der Kommunikation, die unserer Generation vertraut ist, ruft in anderen Skepsis und ein Gefühl der Machtlosigkeit hervor. Die Moderni-

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sierung von Abstimmungsprozessen würde für allem diejenigen eine Verbesserung bedeuten, die mit dem Internet vertraut sind. Die Jugend, die oftmals als politisch passiv betrachtet wird, braucht neue Wege, um sie belastende Probleme zu thematisieren. Letztlich geht es um die Akzeptanz von Technologien an sich sowie um deren tatsächliche Benutzung, wofür es jedoch keiner technologischen, sondern einer sozialen Revolution bedarf. In dieser Hinsicht hat die E-Demokratie noch einen weiten Weg vor sich, da sie, genau wie die unmittelbare Demokratie, den Boden für ihre Tätigkeit vorbereiten muss. Slowenien hat als postsozialistischer Staat diesen Boden teilweise bereits vorbereitet: Ideen über das Gemeinsame sind bei uns akzeptabler als in Ländern ohne sozialistische Vergangenheit. Auf der anderen Seite muss jedoch eine Brücke zwischen den Generationen geschlagen werden: zwischen jener, die die Zeit des “Gemeinsamen” nicht miterlebte, zwischen jener, die sie erlebte und sie sich zurück wünscht und jener, die sie ohne Möglichkeit ihrer Transformation ablehnt. Veränderungen werden nicht ohne Opfer erreicht: möglicherweise müssen wir zur Durchsetzung einer neuen Demokratie weiterhin und noch mehr mit der Aufgabe unserer Privatsphäre bezahlen. Genau das ist das Argument der Gegner der E-Demokratie: Sie betonen Gefahren für den Schutz des Privaten und den Raub von Daten. Wenn wir jedoch der Technologie, trotz der Möglichkeit zum Missbrauch, finanzielle und zahlreiche andere Transaktionen anvertrauen, ist es für uns nicht undenkbar, ihr ebenfalls unser politisches Handeln anzuvertrauen.   Die Entwicklung von Konzepten und Lösungen für die politische Beteiligung und für Prozesse politischer Entscheidungsfindung im Netz ist eine komplizierte Aufgabe, die einiges an utopischer Kraft erfordert. Ideen von einem anderen gesellschaftlichen System und von neuen Formen politischer und gesellschaftlicher Partizipation müssen in jedem von uns wachsen. Bis zu dem Tag, an dem unsere sechs Rechte nicht länger eine utopische Überlegung darstellen, werden wir mit dem Projekt Danes je nov dan nach einem guten Leben in einer gerechten Gesellschaft streben.  

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Slavoj Žižek

Das Internet als Kampfplatz Seinem offiziellen Lebenslauf zufolge hat Slavoj Žižek im heimatlichen Ljubljana Soziologie studiert, in Philosophie promoviert, dann in Paris Lacans Psychoanalyse studiert, und seither unterrichtet er Philosophie und Kulturwissenschaften. Doch das charakterisiert ihn nur sehr ungenügend. Zizek ist einer der umtriebigsten, bewundertsten und umstrittensten öffentlichen Intellektuellen der Gegenwart. Unter systematischer Missachtung akademischer oder sonstiger Grenzen schreibt er über Politik, Sexualität, Hegel, Hitchcock, die Occupy-Bewegung. Es gibt kaum ein Thema, das er auslassen und zu dem ihm nicht etwas Kontroverses einfallen würde. Insbesondere in der angelsächsischen Diskussionswelt mischt er erfolg-reich mit. Als marxistischer Poltergeist wird er von manchen wahrgenommen, aber auch als Erneuerer der tiefenpsychologischen Theorie und als dringend not-wendiger Querdenker in den Kulturwissenschaften. STANDARD: Es heißt, dass man im Netz immer mehr seinen eigenen Meinungen begegnet, dass man in einem Echoraum sitzt. Sehen Sie das auch so, und ist es ein Problem? Žižek: Diesen Echo-Effekt gibt es nicht nur, was die Inhalte anbelangt; dass man nämlich findet, wonach man sucht und was man schon weiß, dass es also anders ist als eine Zeitung, von der man sich immer noch überraschen lassen kann. In den Echoräumen des Netzes gibt es keine Überraschungen mehr, das ist offensichtlich.   Da ist aber auch etwas Interessanteres und potenziell Gefährliches: Ich denke, dass die Grenze, die das

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Private vom Öffentlichen trennt, sich verschiebt. Was sich durch unsere Verbindung mit Google, mit dem Internet, dem Web insgesamt herauskristallisiert, ist ein neuer Raum, der öffentlich scheint, aber auf seine Art doch privat bleibt.   Nehmen wir den Fall von Obszönitäten. Wenn Menschen in den Sex-Chatrooms ihre Nacktheit oder sexuelle Akte herzeigen, dann erleben sie das meiner Ansicht nach nicht als altmodischen Exhibitionismus. Vielmehr glauben die Akteure eher, dass sie allein in ihrer Privatsphäre sind, nicht im öffentlichen Raum. Die Leute klagen darüber, dass heute, umgeben von all den Bewachungskameras und so weiter, die Privatsphäre verschwindet. Ich denke, das Gegenteil ist der Fall: Der öffentliche Raum verschwindet.   Freunde haben mir erzählt, dass die neuste Mode im Internet offenbar öffentlicher Sex ist – es scheint in Ungarn besonders beliebt zu sein. Ich habe mir das im Netz angeschaut und bin auf Unglaubliches gestoßen. Es wird eine Kamera auf einem öffentlichen Platz aufgestellt, auf einem Markt, in einem Bus, einem Zug. Dann zieht sich ein Paar aus und fängt an zu kopulieren. Und nach einem kurzen Moment der Überraschung tun die Leute in der Umgebung so, als würden sie das ignorieren – als ob das die Privatangelegenheit des Paares wäre, die sie nichts anginge. Ich moralisiere nicht. Ich sage nur, dass wir uns immer weniger in der sogenannten Öffentlichkeit bewegen.   Zu Hause, vor dem Monitor, kann man zwar mit der ganzen Welt kommunizieren. Aber die Welt ist nicht da. Man ist immer noch allein. Ich nenne das solipsistischen Kollektivismus. Eli Pariser hat das den Bubble-Effekt genannt. Das sehe ich auch so. Jeder von uns sitzt in seiner Blase, total vernetzt und dennoch allein. So kommen wir auch zum Rätsel des Cybersex. Der hat immer mehr eine masturbatorische Struktur in dem Sinn, dass man nicht nur keinen wirklichen Partner hat - er beeinflusst auch unseren wirklichen Sex mit wirklichen Partnern. Man braucht diese immer weniger, wenn man seine Fantasien ausleben will.   Etwas sehr Merkwürdiges passiert hier, mein Freund Alain Badiou (französischer Philosoph, Anm.) hat es wunderbar ausgedrückt, aber es funktioniert auf Französisch und Englisch besser als auf Deutsch. Er verweist auf den Ausdruck „falling in love“ bzw. „tomber en amour“. Hier ist das Moment des Risikos, des Fallens enthalten.   Nun gibt es amerikanische Dating- und Heiratsagenturen, die mit dem Argument werben, dass das viel zu riskant sei: „Who can afford today to fall, even in love? We enable you to find yourself in love without the fall!“ Also Liebe, ohne einen Sturz zu riskie-

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ren. In Wirklichkeit also ohne eine traumatische Begegnung mit dem anderen.   Es gibt heute eine extrem narzisstische, solipsistische Ökonomie, in der die Gefahr, die vermieden wird, genau das ist, was Liebe so schön macht: der Schock, du siehst jemanden, du fällst, dein Leben ist ruiniert. Heute will man verliebt sein, aber nicht seine Blase verlassen müssen. Es geht nicht mehr um die alte patriarchalische Ideologie, die auf Liebe und Treue insistiert, sondern fast um das Gegenteil. Liebe wird zum Problem. Die Ideologie sagt uns heute auf diese buddhistische Art: Engagiere dich nicht zu sehr, halte Abstand, hänge an nichts und niemandem. Ein One-Night-Stand ist okay, aber kein Sturz, keine dramatische Begegnung, die dein Leben verändert . STANDARD: Wir hatten ja vom Netz gesprochen Žižek: Ja, ich habe das nicht vergessen. Ich weiß, dass man Telefone heute für politische Mobilisierung und so weiter verwenden kann. Aber dennoch, der überwiegende Effekt ist die Bubble, die Blase, sogar wenn man mit anderen kommuniziert. Das halte ich für eine gefährliche Tendenz.   Aber noch etwas: Da geht es nicht um einen, wie soll ich sagen, technologischen Determinismus, um eine Notwendigkeit. Für mich - und da mag ich wie ein altmodischer Marxist klingen - ist das Netz doch auch ein großer offener Kampfplatz. Er kann sich in verschiedene Richtungen auswirken. Es ist ein Klassenkampf in dem Sinn, dass das Internet nicht auf diese solipsistische Weise funktionieren muss. Es wird nur hauptsächlich so gebraucht. Was man aber wissen muss: Zugleich wird es immer kollektiver.   Alle reden heute von der Cloud. Das klingt wunderbar. Man hat nicht mehr eine Schachtel voller Daten zu Hause, sondern alles wird irgendwo im Himmel verstaut, also eigentlich in großen Servern. Eine gute Analyse - nicht von einem paranoiden Linken, sondern von liberalen Amerikanern - kommt zu dem Schluss, dass wir immer mehr manipuliert werden. So hat Apple zum Beispiel einen Deal mit Murdoch (das heißt, mit dem Medienkonzern News Corporation, Anm.), der dem Unternehmen alle Nachrichten liefert, die es verbreitet. Und man glaubt immer noch, man habe die ganze Welt im Netz zur Verfügung!   Kürzlich war auch zu lesen, dass in den E-Books immer mehr Änderungen vorgenommen werden. Die Unternehmen sagen, es gehe um Genauigkeit und Korrektheit. In China soll das schon viel verbreiteter sein. Mit anderen Worten, dieses Minimum an Sicherheit geht verloren. Wenn ich ein gedrucktes Buch vor mir habe, dann kann niemand etwas darin ändern.

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Aber wer besitzt diesen privaten Bereich des Buchlesens, wenn der Text geändert werden kann?!

STANDARD: Ich hätte noch ein paar Fragen, aber ich weiß nicht, wie viel Zeit wir noch haben.

  Doch ich bin ja nicht nur pessimistisch. Es ist zugleich wunderbar, dass man alles auf Knopfdruck parat hat und so weiter und so fort. Das Problem bleibt dennoch, wie man Manipulationen verhindern und das System offen halten kann.

Žižek: Ich habe Zeit. Ich rede zu viel, und Sie müssen mein Zensor sein, in guter stalinistischer Manier.

  Ich meine, es gibt genügend Phänomene, die zeigen, dass der von Ihnen erwähnte Echoraum wirklich wirksam ist und uns daran hindert, neue Erfahrungen zu machen. Warum kaufe ich ungern bei Amazon ein - obwohl ich es immer wieder tue? Weil ich nicht nur bekomme, was ich bestellt habe, sondern auch Tipps, die mit einem Programm auf meine Bedürfnisse maßgeschneidert sind. Was fehlt, ist, was ich vorher das „falling“ genannt habe, die Überraschung, die Konfrontation. Deswegen mag ich Buchgeschäfte. Das mag romantisch klingen, aber da kann man sich umschauen ... STANDARD: ... und man sieht etwas, von dem man noch nie gehört hat. Žižek: Ja! Und oft habe ich Bücher, die für mich eine Entdeckung darstellten, auf diese Weise gefunden. Das ist für mich das Paradoxe. Als Philosoph interessiert mich diese solipsistische Struktur, die total offen ist und zugleich privat. Politisch korrekte Leute kritisieren heute gerne den „Kanon“ der Bücher, die man kennen soll. Die sagen, das sei halt ein westlicher Kanon, Shakespeare, Goethe und so weiter ... STANDARD: Tote weiße Männer. Žižek: ... ja. Aber ich sage, wir brauchen Kanons. Ohne sie, glaubt man, sei alles gleich offen. Aber in Wirklichkeit steckt man ohne sie viel mehr im Solipsismus. Die Kanons sind für mich ein gutes Beispiel für einen offenen, öffentlichen Raum. Sind sie zu sehr am westlichen Imperialismus orientiert? Okay, dann ändern wir sie. Aber wir brauchen sie. Noch etwas: Ich habe mit Schrecken gelesen, dass inzwischen von jedem Menschen so sehr erwartet wird, dass er ein Facebook- oder ähnliches Profil hat, dass amerikanische Firmen andernfalls davon ausgehen, dass es sich um ein isoliertes Individuum handeln müsse. Ich halte aber solche Profile für eine Zeitverschwendung. Okay, das Problem ist, dass drei oder vier andere Menschen im Internet als „Slavoj Žižek“ auftreten - ich bin nur zu faul, sie zu verklagen. Aber es ist peinlich. Auch Facebook ist kein wirklich öffentlicher Raum, er ist es nur als privatisierter. Und das ist das Neue, das zurzeit passiert: Du bist in einer großen Gruppe, aber du bist allein.

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STANDARD: Okay, machen wir. Was bedeutet die von Ihnen skizzierte Entwicklung im Netz für politisch dissidente Bewegungen? Žižek:: Wissen Sie, was das Problem ist? Das Netz macht es leichter möglich, ein falsches Gefühl von Freiheit zu bekommen. Man kann ja vorgeben, alles Mögliche zu sein. STANDARD: Die Psychologin Sherry Turkle hat darüber vor vielen Jahren schon geforscht, und sie war von den Möglichkeiten verschiedener Identitäten sehr begeistert. Žižek: Ich kenne sie. Ihr erstes Buch war über Jacques Lacan. Seither hat sie sich immer mehr für Technologie interessiert. Worüber sie schreibt, ist ein weiteres Beispiel dafür, wie ein befreiendes Potenzial sich mit seinem Gegenteil vermischt. Denn man bekommt einen gewissen Sinn für Freiheit: Man kann vorgeben, irgendwer zu sein. Aber gleichzeitig ist das ein falsches Gefühl.   Um es präziser auszudrücken: Ich spiele nicht den klassischen Humanisten, der sagen würde, man lebe hier sein wahres Selbst aus. Vielmehr ist es so: Wenn man sagt, man schlüpft jetzt in eine „Persona“, eine Rolle oder Maske, also eine Fiktion, dann ist man oft näher an seiner eigentlichen Identität als in der „normalen“, öffentlichen Rolle. Jacques Lacan hat dazu einen wunderbaren Satz: Die Wahrheit hat die Struktur einer Fiktion. Cyberspace ist ein wunderbares Beispiel dafür. Sagen wir: Im wirklichen Leben bin ich ein alter Feigling. Aber ich nehme die Rolle einer Cyberspace-Person an, ... STANDARD: ... die ein junger Held ist ... Žižek: ... oder, schlimmer, ein aggressiver Kerl, der vergewaltigt, umbringt und so weiter. Und das sind dann seine wahren Wünsche. Es funktioniert nicht gemäß der kritisch-marxistischen Lesart, dass man ein schwacher Mensch ist und diesem Zustand entfliehen will. Man ist wirklich ein Vergewaltiger und Killer, und man kann das im Netz stellvertretend ausleben, weil man sich sagen kann, das sei ja nur Fiktion und man müsse das nicht ernst nehmen. STANDARD: Nur wird es manchmal ernst, und dann hat man Serienmörder.

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Žižek: Genau. Ich frage mich in diesem Zusammenhang, warum die Reality-TV-Shows so langweilig sind, dieser ganze Bullshit, Big Brother und derlei. Ich wollte sie mir ansehen und war sofort total gelangweilt. Ich denke, naja, es fängt mal damit an, dass die meisten Leute, auch ich, die meiste Zeit dumm und langweilig sind. Warum sollte uns jemand zehn Stunden lang zuschauen? Aber es ist ja so: Sogar wenn wir wir selbst sind, spielen wir eine Rolle, die von „uns selbst“.   Wir sind Schauspieler im wirklichen Leben; nicht in einem paranoiden Sinn, sondern in diesem Sinn: Was tut man, wenn man spontan sein will? Die Psychoanalyse und jede gute Psychologie lehren uns, dass wir eine bestimmte Idee von uns selbst haben, dass wir uns selbst vorstellen und dann diese Rolle spielen. Das ist sehr befreiend, diesen Teil, diese Rolle („this part“) mag ich. Das ist die Internet-Erfahrung. STANDARD: Und was hat das mit den Reality-Shows zu tun? Žižek: Ah, also das Folgende: Die Idee hinter „Big Brother“ ist - und das ist das Einzige, das mich interessiert -, dass man zehn Leute in eine Wohnung sperrt und dann denkt, man hat „Wirklichkeit“. Und in diesem wirklichen Leben sieht man, dass sie noch viel mehr schauspielen. Ich mag dieses Paradoxon: dass die einzige Art, in der man authentisch sein kann, das Schauspielen ist.

Netz. Doch was man da sagt, ist per definitionem falsch. Und da „fällt“ man nicht, you don‘t fall in love; das ist zu perfekt. Žižek: Nur möchte ich andererseits Folgendes sagen - ich möchte Wagner zitieren, bei dem es in „Parsifal“ heißt: „Die Wunde schließt der Speer nur, der sie schlug.“ (auf Deutsch) Also Internet macht die Manipulationen leichter. Aber es ist auch ein wunderbares Werkzeug, die Strukturen doch transparenter zu machen. Ein paar gute Hacker, und die Dinge werden durchsichtiger. Das ist das Ambivalente am Netz.   Ich bin also kein Pessimist. Was ich nur sage ist: Das Internet ist die Stätte eines Kampfes. Und der Kampf geht weiter. Wenn die Leute sich über das Netz beschweren und sagen, dass es zur Entfremdung beiträgt, und lauter solche Dinge, dann antworte ich darauf: Nur das Internet kann uns vom Internet erlösen.   Ich gebe Ihnen hiermit das Recht, den Inhalt beliebig zu manipulieren. Handeln Sie als guter Stalinist. Biegen Sie es so hin, dass das Gegenteil von dem dasteht, was ich gesagt habe.

Wiederabdruck des Interviews in Der Standard vom 28. September 2012, mit freundlicher Genehmigung des Autors Michael Freund und der Standard-Verlagsgesellschaft, Wien, in gekürzter Fassung.

STANDARD: Da werden Ihnen viele Schauspieler recht geben. Žižek: Ich bin ganz dieser Meinung. Darum bin ich auch gegen die New-Age-Bewegung. Der große Horror für mich ist, wenn mir jemand sagt: Sei du selbst, be yourself! Sei, wer du wirklich bist. Ich will gar nicht wissen, wer ich wirklich bin! Das mag Sie überraschen, aber obwohl ich über Psychoanalyse schreibe, ist es für mich ein Horror, tief in mich selbst zu blicken.   Und weil wir schon von Identität und dem Internet sprechen: Wussten Sie, dass die Marx Brothers einige sehr gute Szenen über Identität hatten? Zum Beispiel das Zitat von Groucho: „Dieser Kerl schaut aus wie ein Idiot und er redet wie ein Idiot. Aber lassen Sie sich nicht täuschen: Dieser Mann ist ein Idiot.“ Das mit dem Idioten, da hat Groucho recht. Diese dialektische Dimension geht im Cyberspace verloren. Im Cyberspace ist man von vornherein ein Idiot, wenn man so redet oder agiert.     Oder nehmen Sie doch diese Heirats- und Dating-Agenturen. Da beschreibt man sich selbst im

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Informationen zu den BeiträgerInnen

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reichen Publikationen insbesondere auch die politische Dimension der neuen Medien untersucht.

Dr. Kristian Donko ist Literatur- und Kulturwissenschaftler und DAAD-Lektor an der Abteilung für Germanistik der Universität Ljubljana.

Jasmina Ploštajner studierte Industriedesign an der Akademie der Bildenden Künste in Ljubljana und arbeitet derzeit im Bereich des interaktiven Designs. Sie ist Mitglied und eine der Gründerinnen von Danes je nov dan. Institute for other studies.

Katja Koren Ošljak ist Doktorandin an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. Sie untersucht die Motivation für die Teilnahme in den Online-communitys (Beispiel Twitter) und arbeitet als Beraterin für die Entwicklung digitaler Produkte in Ljubljana. Ihre Forschungsschwerpunkte sind: Informations- und Kommunikationstechnologien, computervermittelte Kommunikation, Onlinecommunitys, Mediatisierung, Subjektkonstruktion und Onlinepartizipation.

Dr. Jan-Hinrik Schmidt ist wissenschaftlicher Referent für digitale interaktive Medien und politische Kommunikation am Hans-Bredow-Institut für Medienforschung der Universität Hamburg. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen auf den Entwicklungen des „Web 2.0“ bzw. der „sozialen Medien“, wobei ihn vor allem aktuelle Veränderungen onlinebasierter Öffentlichkeiten und sozialer Netzwerke sowie deren Auswirkungen auf Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft interessieren.

Nika Mahnič studiert Kulturwissenschaften an der Universität Ljubljana und regelmäßige Beiträgerin im Ressort Kunst und Kultur von Radio Študent sowie Autorin der Zeitung Tribuna. Sie ist Mitarbeiterin des Portals Danes je nov dan. Institute for other studies und veröffentlicht wissenschaftliche Artikel. Dr. Christian Nuernbergk ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seine Forschungsinteressen sind u. a. Politische Kommunikation, Netzwerköffentlichkeit, Internetjournalismus, Soziale Netzwerke. Zuletzt beschäftigte er sich auch in vergleichenden internationalen Studien mit der Twitter-Kommunikation in der Politik.

Dr. Ksenija Vidmar Horvat ist Professorin an der Abteilung für Soziologie der Philosophischen Fakultät Ljubljana. In ihrer breit gefächerten Forschungsarbeit beschäftigt sie sich unter anderem mit kultureller Identitätskonstruktion, Globalisierung, Multikulturalismus, Postsozialismus und Geschlechterforschung nicht zuletzt auch in einer dezidiert medienwissenschaftlichen Perspektive. Dr. Slavoj Žižek ist Philosoph und Kulturkritiker sowie Professor an der Philosophischen Fakultät der Universität Ljubljana, am Londoner Birkbeck Institute for the Humanities sowie an der European Graduate School in Saas-Fee/Schweiz.

Dr. Tanja Oblak Črnič ist Professorin und Lehrstuhlinhaberin am Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaften der Fakultät für Sozialwissenschaften an der Univ. Ljubljana. Sie ist Expertin für digitale Kommunikationsmedien und hat in zahl-

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Filozofska fakulteta Univerze v Ljubljani Ašerčeva 2 SI-1000 Ljubljana Tel: 00386 - 1 - 241 10 00 www.ff.uni-lj.si

Goethe-Institut Ljubljana Bleiweisova cesta 30 SI-1000 Ljubljana Tel: 00386-1-3000312 Fax: 00386-1-3000319 Sprache. Kultur. Deutschland.

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www.goethe.de/ljubljana

ISBN 978-3-9503072-2-1

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Filozofska fakulteta Univerze v Ljubljani Ašerčeva 2 SI-1000 Ljubljana Tel: 00386 - 1 - 241 10 00 www.ff.uni-lj.si

Goethe-Institut Ljubljana Bleiweisova cesta 30 SI-1000 Ljubljana Tel: 00386-1-3000312 Fax: 00386-1-3000319 Sprache. Kultur. Deutschland.

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O avtorjih

Dr. Kristian Donko je strokovnjak s področja literarne vede in kulturologije. Zaposlen je kot lektor institucije DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) na Oddelku za germanistiko Univerze v Ljubljani. Katja Koren Ošljak je doktorska študentka na Univerzi v Celovcu in svetovalka za razvoj digitalnih produktov v Ljubljani. Raziskuje motivacijo za komuniciranje v spletnih skupnostih (Twitter). Pri raziskovalnem delu sega na področja informacijske in komunikacijske tehnologije, računalniško posredovanega komuniciranja, spletnih skupnosti, mediatizacije, konstrukcije subjekta in participacije na internetu.. Nika Mahnič študira kulturologijo na Univerzi v Ljubljani. S prispevki s področja umetnosti in kulture sodeluje na Radiu Študent in piše za časopis Tribuna. Objavlja tudi znanstvene članke in je sodelavka platforme Danes je nov dan. Inštitut za druga vprašanja. Dr. Christian Nuernbergk je znanstveni sodelavec na oddelek za komunikologijo in medijske študije, Ludwig-Maximilian-Univerza v Münchnu. Njegova raziskovalna področja so politično komuniciranje, javno omrežje, internetno novinarstvo, socialne mreže. V zadnjem času je bil tudi v mednarodnih primerjalnih študijah Twitter komuniciranja v politiki.

Jasmina Ploštajner je študirala industrijsko oblikovanje na Akademiji za likovno umetnost in oblikovanje v Ljubljani in deluje na področju interaktivnega dizajna. Je članica in ena od soustanoviteljic platforme Danes je nov dan. Inštitut za druga vprašanja. Dr. Jan-Hinrik Schmidt je znanstveni referent za digitalne interaktivne medije in politično komunikacijo na Inštitutu Hansa Bredowa za raziskovanje medijev Univerze v Hamburgu. Dela predvsem na področju razvoja »spleta 2.0« oz. »družbenih medijev«, pri čemer ga zanimajo predvsem aktualne spremembe v okviru spletnih javnosti in družbenih omrežij, kakor tudi njihov učinek na politiko, gospodarstvo in civilno družbo. Dr. Ksenija Vidmar Horvat je profesorica na Oddelku za sociologijo Filozofske fakultete v Ljubljani. V okviru svojega obsežnega raziskovalnega dela se med drugim ukvarja s kulturno konstrukcijo identitete, kulturno globalizacijo, multikulturalizmom, postsocializmom in z raziskovanjem spola, predvsem skozi perspektivo medijskih študij. Dr. Slavoj Žižek je filozof, družbenokulturni kritik in profesor na Filozofski fakulteti Univerze v Ljubljani, na londonskem inštitutu Birkbeck Institute for the Humanities ter na European Graduate School v Saas-Feeju v Švici.

Dr. Tanja Oblak Črnič je profesorica na Katedri za medijske in komunikacijske študije na Fakulteti za družbene vede Univerze v Ljubljani. Je strokovnjakinja na področju digitalnih komunikacijskih medijev in se je v številnih publikacijah raziskovalno ukvarjala zlasti s politično razsežnostjo novih medijev.

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STANDARD: Psihologinja Sherry Turkle je pred mnogimi leti to že raziskovala in bila zelo navdušena nad možnostmi različnih identitet.

Žižek:: Poznam jo. Njena prva knjiga je govorila o Jacquesu Lacanu. Od takrat naprej se je začela bolj zanimati za tehnologijo. O čemer piše, je nadaljnji primer za to, kako se osvobajajoč potencial pomeša s svojim nasprotjem. Ker človek pridobi nek čut za svobodo: pretvarja se lahko, da je nekdo drug. Hkrati pa je to napačen občutek.   Če se izrazim natančneje: zdaj ne igram klasičnega humanista, ki bi rekel, da človek tukaj izživi svoj pravi jaz. Gre bolj za to: če rečemo, da smuknemo v neko drugo »osebo«, vlogo ali masko, torej v neko fikcijo, potem smo pogosto bližje svoji lastni identiteti kot v »običajni«, javni vlogi. Jacques Lacan je to izjemno dobro izrazil z izjavo: Resnica ima strukturo fikcije. Kiberprostor je čudovit primer za to. Recimo: v resničnem življenju sem star slabič. Prevzamem pa vlogo neke osebe v kiberprostoru, … STANDARD: … ki je mlad junak …

Žižek: … ali, še huje, agresiven tip, ki posiljuje, ubija in tako naprej. In to so potem njegove resnične želje. Kar ni v skladu s kritično-marksističnim branjem, da je človek šibek in da hoče temu stanju ubežati. Res je posiljevalec in morilec, in lahko to kot nadomestek izživi na spletu, ker si lahko reče, da je to vendarle fikcija in tega ni treba jemati resno. STANDARD: Potem pa to včasih postane resno in imamo serijske morilce.

Žižek:: Točno. V povezavi s tem se sprašujem, zakaj so televizijski resničnostni šovi tako dolgočasni, vse to sranje, Big Brother in podobno. Hotel sem si jih ogledati in sem bil takoj čisto zdolgočasen. Mislim si, no ja, začne se pač s tem, da so mnogi ljudje, tudi jaz, večino časa neumni in dolgočasni. Zakaj bi nas nekdo deset ur skupaj gledal? Vendar je najbrž tako: celo kadar smo mi sami, igramo neko vlogo, namreč »nas same«.   V resničnem življenju smo igralci; ne v paranoidnem smislu, temveč v smislu: kaj počnemo, če hočemo biti spontani? Psihoanaliza in vsaka dobra psihologija nas učita, da imamo o sebi neko določeno idejo, da si same sebe predstavljamo in potem igramo to vlogo. To je zelo osvobajajoče, ta del, to vlogo (»this part«) imam rad. Taka je internetna izkušnja.

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Žižek: Ah, torej naslednje: ideja, ki stoji za Big Brotherjem, je – in to je edino, kar me zanima –, da v eno stanovanje zapreš deset ljudi in misliš, da si dobil »resničnost«. In v tem resničnem življenju opazimo, da stanovalci še bolj igrajo. Rad imam ta paradoks: da je igranje edini način, v katerem si lahko avtentičen. STANDARD: To bi najbrž potrdili mnogi igralci.

Žižek: Povsem stojim za tem. Prav zato nasprotujem newageevskemu gibanju. Najbolj se zgrozim, če mi nekdo reče: bodi zvest samemu sebi, be yourself! Bodi, kar si v resnici. Sploh nočem vedeti, kdo sem v resnici! To vas morda preseneča, a čeprav pišem o psihoanalizi, je zame grozno pogledati globoko vase. (…)   In če že govoriva o identiteti in internetu: ali veste, da so imeli Marx Brothers nekaj posrečenih prizorov o identiteti? Na primer Grouchov citat: »Ta tip izgleda kot kreten in govori kot kreten. Ampak ne pustite se preslepiti: ta moški je kreten.« (…) To o kretenu, to ima Groucho prav. Dialektična dimenzija se v kiberprostoru preprosto izgubi. V kiberprostoru si že od vsega začetka kreten, če tako govoriš ali deluješ.   Ali vzemite spet te poročne in zmenkarske posredovalnice. Na spletu se sam opišeš. Toda kar tam razkriješ o sebi, je per definitionem nepristno. In ne »padeš«, you don‘t fall in love; vse je preveč perfektno. (…)

Žižek: (…) Po drugi strani pa bi rekel še tole – rad bi citiral Wagnerja, ki v Parsifalu zapiše: »Die Wunde schließt der Speer nur, der sie schlug.«1 (po nemško). Torej, internet olajša manipulacije. Vendar pa je tudi čudovito orodje, ki naredi strukture transparentnejše. Nekaj dobrih hekerjev, in stvari so bolj razvidne. To je ta ambivalentnost spleta.   Jaz torej nisem pesimist. Reči hočem le: internet je kraj boja. In boj se nadaljuje. Če se ljudje nad spletom pritožujejo in govorijo, da prispeva k odtujitvi in podobne reči, potem odgovarjam: samo internet nas lahko odreši interneta.   S tem vam dajem pravico, da z vsebino poljubno manipulirate. Ravnajte kot dober stalinist. Priredite jo tako, da bo izražala nasprotje povedanega.

Ponatis intervjuja v skrajšani verziji iz časopisa Der Standard (28. september 2012), s prijaznim dovoljenjem avtorja Michaela Freunda in založniške družbe Standard Verlagsgesellschaft, Dunaj.

STANDARD: In kaj ima to skupnega z resničnostnimi šovi? 1

»Rano zaceli le tista sulica, ki jo je zadala.« – op. p.

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Žižek: Ja! In pogosto sem knjige, ki so bile zame pravo odkritje, našel na ta način. To se mi zdi paradoksalno. Kot filozofa me zanima ta solipsistična struktura, ki je povsem odprta in hkrati zasebna. Politično korektni ljudje radi kritizirajo knjižni »kanon«, ki bi ga morali poznati. Pravijo, da je to pač bistveni kanon, Shakespeare, Goethe in tako naprej …

Žižek::Ja, tega nisem pozabil. Vem, da se lahko telefoni danes uporabljajo za politično mobilizacijo in tako naprej. A vendarle, prevladujoči učinek je bubble, mehurček, celo ob komunikaciji z drugimi. To se mi zdi nevarna težnja.

STANDARD: … in najde nekaj, o čemer še nikoli ni slišal.

to, kar ljubezen olepša: šok, nekoga vidiš, padeš, tvoje življenje je uničeno. Danes bi radi bili zaljubljeni, ne da bi mogli zapustiti svoj mehurček. Ne gre več za staro patriarhalno ideologijo, ki vztraja pri ljubezni in zvestobi, temveč skoraj za njeno nasprotje. Ljubezen postane problem. Ideologija nam na budističen način servira: ne angažiraj se preveč, ohrani distanco, ne bodi odvisen od ničesar in nikogar. Avantura za eno noč je okej, vendar ne padec, nobenega dramatičnega srečanja, ki bi ti spremenilo življenje. STANDARD: Pogovarjala sva se pravzaprav o spletu …

  Pa še nekaj: tukaj ne gre, kako naj rečem, za tehnološki determinizem, za neko nujnost. Zame – in najsi zvenim kot staromodni marksist – je splet tudi eno veliko odprto bojišče. Vpliva lahko na več strani. Za razredni boj gre v tem smislu, da internetu ni treba delovati na solipsističen način. Vendar ga pač na ta način pretežno uporabljamo. Kar pa moramo vedeti: hkrati postaja vse bolj kolektiven.   Danes vsi govorijo o cloudu. To zveni čudovito. Doma nimamo več škatle, polne podatkov, ampak se vse spravi nekam v nebo, torej pravzaprav na velike serverje. Dobra analiza – ki je ni opravil paranoidni levičar, temveč liberalni Američani – zaključuje, da z nami vedno bolj manipulirajo. Tako ima Apple na primer dogovor z Murdochom (tj. z medijskim koncernom News Corporation, op. p.), ki podjetju posreduje vse novice, s katerimi ta operira. In še vedno si domišljamo, da nam je na spletu na voljo ves svet!   Pred kratkim smo lahko prebrali, da v elektronske knjige vnašajo vse več naknadnih popravkov. Podjetja pravijo, da gre za natančnost in pravilnost. Na Kitajskem naj bi bilo to početje še bolj razširjeno. Z drugimi besedami, izgubljamo minimalno stopnjo zaščite. Če imam pred sabo natisnjeno knjigo, potem ne more nihče v njej ničesar spremeniti. Toda le kdo poseduje to zasebno področje branja knjige, če se lahko besedilo spreminja?!   Vendar pa nisem popolnoma pesimističen. Hkrati se mi zdi čudovito, da ima človek s pritiskom na gumb vse pri roki in tako dalje. Kljub temu ostaja vprašanje, kako lahko preprečimo manipulacije in sistem ohranimo odprt.   Mislim, obstaja dovolj fenomenov, ki kažejo, da je odmevnica, ki ste jo omenili, dejansko učinkovita in

nam preprečuje, da bi si pridobili nove izkušnje. Zakaj sam nerad nakupujem pri Amazonu – čeprav to vedno znova počnem? Ker ne dobim le tega, kar naročim, ampak tudi namige, ki so umerjeno programirani v skladu z mojimi potrebami. Kar umanjka, je to, kar sem prej imenoval »falling«, presenečenje, konfrontacija. Prav zato imam rad knjigarne. To morda zveni romantično, vendar se lahko človek v njih razgleda …

STANDARD: Mrtvi modreci.

Žižek: … ja. Toda sam pravim, kanone potrebujemo. Brez njih si človek misli, da je vse enako dostopno. Vendar pa se v resnici brez njih znajdemo še v večjem solipsizmu. Kanoni so zame dober primer odprtega, javnega prostora. Se preveč ravnajo po zahodnem imperializmu? Okej, potem jih spremenimo. Vendar pa jih potrebujemo. (…)   Še nekaj: zgrožen sem prebral, da se zdaj že od vsakega človeka domala neizogibno pričakuje, da ima profil na facebooku ali na podobnem spletnem mestu, ker ameriške firme v nasprotnem primeru izhajajo iz pomisleka, da gre najbrž za izoliran individuum. Sam tovrstne profile smatram kot zapravljanje časa. Okej, težava je v tem, da se na internetu tri ali štiri druge osebe pojavljajo kot »Slavoj Žižek« – jaz sem zgolj prelen, da bi jih tožil. Toda to je neprijetno. Tudi facebook ni v resnici pravi javni prostor, tako deluje samo kot zasebni. In to je tisto novo, kar se pravkar dogaja: vključen si v veliko skupino, vendar ostajaš sam. STANDARD: Imam še nekaj vprašanj, vendar ne vem, koliko časa imava še na voljo.

Žižek:: Imam čas. Preveč govorim in morate biti moj cenzor, v dobri stalinistični maniri. STANDARD Okej, dogovorjeno. Kaj pomeni razvoj spleta, ki ste ga skicirali, za politično prevratniška gibanja?

Žižek: Veste, v čem je problem? Splet lažje posreduje napačen občutek svobode. Pretvarjamo se lahko, da smo vse mogoče.

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Je pa hkrati tudi zanimivo in potencialno nevarno: mislim, da se meja, ki ločuje zasebno od javnega, premika. Kar se je izoblikovalo na podlagi naše povezave z Googlom, internetom in spletom nasploh, je nov prostor, ki daje videz javnega prostora, vendar pa kljub temu ostaja na svoj način zaseben.   Če vzamemo primer obscenosti. Kadar ljudje v erotičnih spletnih klepetalnicah razkrivajo svojo goloto ali izvajajo spolne akte, potem tega po mojem mnenju ne doživljajo kot staromodni ekshibicionizem. Akterji predvsem verjamejo v to, da so sami v svoji zasebni sferi, ne pa v javnem prostoru. Ljudje se pritožujejo, da danes, v prostoru, obkroženem z vsemi temi varnostnimi kamerami in tako naprej, zasebnost izginja. Jaz pa mislim, da se dogaja ravno nasprotno: izginja javni prostor. (…)

Slavoj Žižek

Internet kot bojišče V skladu z uradnim življenjepisom je Slavoj Žižek v domači Ljubljani doštudiral sociologijo, doktoriral iz filozofije, nato pa v Parizu študiral Lacanovo psihoanalizo in od takrat poučuje filozofijo in kulturologijo. Vendar povedano njegovo osebnost opiše le nepopolno. Žižek je eden najdejavnejših, občudovanja vrednih in kontroverznih javnih intelektualcev današnjega časa. S sistematičnim prestopanjem akademskih ali siceršnjih meja piše o politiki, spolnosti, Heglu, Hitchcocku ali gibanju Occupy. Skoraj ni teme, ki bi jo izpustil in na katero mu ne bi padlo na misel nič nasprotujočega. Uspešno se vmešava v anglosaški mnenjski prostor. Eni ga dojemajo kot markističnega ropotača, drugi kot prenovitelja teorije globinske psihologije in kot samosvojega misleca, ki je v kulturoloških vedah nujno potreben. Nekaterim je preveč dogmatičen, spet drugim preveč anarhičen, »torej nekaj najbrž le delam prav«. (…) V Sloveniji preživi »približno 40 odstotkov časa, kot zasebnik«, sicer pa potuje in se občasno mudi v Londonu, New Yorku in Princetonu in za kakšna dva tedna na leto na European Graduate School v švicarskem kraju Leuk. (…) STANDARD: Pravijo, da se človek na spletu vse pogosteje sooča s svojimi lastnimi mnenji, da sedi v prostoru z odmevom. Ali tudi vi tako mislite, in, ali je to problem?

Žižek: Učinek odmeva ni povezan zgolj z vsebinami; pač pa da najdeš, kar iščeš in za kar že veš, da je drugače kot pri časopisu, ki te še lahko preseneti. V spletnih odmevnicah torej ni več presenečenj.

  Prijatelji so mi povedali, da je očitno zdaj javni seks najnovejša moda na internetu – na Madžarskem naj bi bil posebej priljubljen. To sem si na spletu ogledal in naletel na neverjetne zadeve. Kamero postavijo v nek javni prostor, na trg, v avtobus, vlak. Potem se nek par sleče in začne spolno občevati. In po kratkem presenečenju se začnejo ljudje v okolici vesti tako, kot da jim ne bi bilo mar za to – kot da bi bila to zasebna stvar para, ki se jih ne tiče. Ne moraliziram. Pravim samo, da se vedno manj gibamo po tako imenovani javnosti.   Doma, pred monitorjem, lahko sicer komuniciramo s celim svetom. Vendar pa sveta ni. Človek je še vedno sam. Jaz temu pravim solipsistični kolektivizem. Eli Pariser (…) je to imenoval bubble-efekt. Tudi sam to tako vidim. Vsak od nas sedi v svojem mehurčku, povsem povezan in vendarle sam. Tako pridemo tudi do misterija kiberseksa. Ta ima predvsem masturbacijsko strukturo, ker ne gre le za umanjkanje resničnega partnerja – temveč vpliva tudi na naš resnični spolni odnos z resničnimi partnerji. Slednje posameznik vse manj potrebuje, kadar si želi izživeti svoje fantazije. (…) Zgodi se nekaj zelo nenavadnega, moj prijatelj Alain Badiou (francoski filozof in pisatelj, op. p.) je to čudovito opisal, vendar pa v francoščini in angleščini deluje bolje kot v nemščini. Opozori namreč na izraz »falling in love« oziroma »tomber en amour«, ki vsebuje moment tveganja, padanja.   Obstajajo torej ameriške zmenkarske in poročne posredovalnice, ki se oglašujejo z argumentom, da je to vse preveč tvegano: »Who can afford today to fall, even in love? We enable you to find yourself in love without the fall!« Ljubezen, ne da bi tvegali padec. V resničnem življenju torej brez travmatičnega srečanja z drugim.   (…) Danes imamo ekstremno narcistično, solipsistično ekonomijo, v kateri je nevarnost, ki se ji izogiba, prav

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v slovenski in evropski politični razred, ogromen razkorak med prebivalci in prebivalkami na eni strani ter odločevalci na drugi, delitev na »leve« in »desne«, »naše« in »vaše« ter popolna nezmožnost dialoga, sklepanja kompromisov, konsenza okoli pomembnih družbenih vprašanj ter totalen razpad vrednot skupnosti so nas pripeljali do razmišljanja o novem družbenem konsenzu, oblikovanem okoli teh šestih pravic, ki izhajajo iz prepričanja, da sistem, v katerem živimo, ni dokončen in da ga lahko z močno civilno družbo, ki verjame v teh šest pravic, tudi spremenimo. Graditi želimo okolje, v katerem bo veselje do življenja imelo prednost pred profitom, narava pred zahtevami ekonomije, skupno pa bo varno pred privatizacijo.   S portalom želimo doseči, da se vsak posameznik, pa če se čuti še tako nemočnega, zave, da je del širše skupnosti in da ima v njej glas, le uporabiti ga mora. Portal je bil sprva oblikovan tako, da so se pod vsako od šestih pravic zbirali predlogi v obliki komentarjev, vendar je bilo predlogov v nekaj dneh obstoja portala že toliko, da je bilo očitno, da takšen sistem ne more funkcionirati. Ker sami nimamo programerskih resursov za tako hiter razvoj novega portala in ker verjamemo v moč skupnega delovanja, smo na pomoč poklicali skupnost podpornikov, ki se je zgradila okoli portala Danes je nov dan. Priredili smo ‚hackaton‘, celodnevni dogodek, na katerem so nam dotlej nepoznani člani skupnosti, ki se ukvarjajo s programiranjem, pomagali skodirati drugo verzijo portala, ki je v uporabi še danes. Uporabniki lahko sedaj pod vsako pravico oddajajo predloge, za katere je možno še glasovati, se o njih pogovarjati, znotraj njih oblikovati delovne skupine ali celo dogodke. Na takšen način želimo, da se možne rešitve artikulirajo do potankosti.

tehnologij in njihova dejanska uporaba, za to pa ni potrebna tehnološka, temveč sociološka revolucija. V tem oziru mora e-demokracija prehoditi še dolgo pot, saj mora, prav tako kot neposredna demokracija, pripraviti teren za svoje delovanje. Slovenija je kot postsocialistična država ta teren delno že pripravila: ideje o skupnem so pri nas namreč bolj sprejemljive kot v državah brez socialistične preteklosti. Po drugi strani pa se mora zgraditi most med generacijami: med tisto, ki časov ‚skupnega‘ ni doživela, med tisto, ki jih je živela in si jih želi nazaj in med tisto, ki jih zavrača brez možnosti njenih transformacij. Do sprememb se ne pride brez žrtev: morda bomo morali za uveljavitev nove demokracije še naprej in še bolj plačevati z lastno zasebnostjo. Prav to je argument nasprotnikov e-demokracije: poudarjajo nevarnosti, povezane z zasebnostjo in izgubami podatkov. Toda, če smo tehnologiji kljub možnostim zlorab zaupali denarne in mnoge druge transakcije, nam ni nepredstavljivo pristati tudi na to, da ji ne bi zaupali še svojih političnih izbir.   Koncipiranje politične participacije in sistemov političnega odločanja na internetu je zapleteno delo, za katerega je potrebna dobršna mera utopističnega razmišljanja. Ideje o alternativnem družbenem sistemu in o novih, drugačnih oblikah politične in družbene participacije morajo rasti v vsakem izmed nas. Do dneva, ko naših šest pravic ne bo več utopistična zamisel, pa bomo z delovanjem, kakršnega nam omogoča projekt Danes je nov dan, stremeli k dobremu življenju v pravični družbi.

  In kako naprej? Ljudem bi radi omogočili, da tiste predloge, ki so dobili veliko (številčno) podporo, peljejo naprej. Uporabnikom portala želimo ponuditi orodja, ki jim bodo omogočila preoblikovanje predlogov v zakone, referendume, organizacijo dogodkov, jih pripeljala do odločevalcev, itd. Kljub temu pa je treba skupnost obraniti pred “tiranijo večine”: Danes je nov dan vztraja pri branjenju temeljnih človekovih pravic, zato predlogov, ki niso v skladu s šestimi pravicami, ne spusti skozi sito. Zavedamo se tudi izključevanja na podlagi tehnološke nepismenosti: le medgeneracijska solidarnost in potrpežljivost lahko na internetu združita generacije, ki jih je tehnologija še bolj odtujila. Način komunikacije, ki je naši generaciji domač, v drugih vzbuja skepso in občutke nemoči. Modernizacija glasovalnih procesov bi veliko spremembo na bolje pomenila predvsem za tiste, ki so na internetu domači. Mladi, ki so velikokrat označeni za politično pasivne, potrebujejo nove forme izražanja problemov, ki jih pestijo. Pomembnejši od same forme internetnih facilitatorjev odločanja pa je sam sprejem

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razloga za usihanje aktivnega državljanstva. Današnji tempo življenja mnogim preprečuje ali pa otežuje zanimanje za dnevno politiko in politično participacijo – če želi biti človek res seznanjen, si mora vzeti čas, mnogi ga nimajo ali pa ga raje namenijo kakšni drugi aktivnosti. Ni težko razumeti ljudi, ki delajo cele dneve, da si v nedeljo, na dan volitev, raje privoščijo izlet ali sprostitev, kot pa fizično prisotnost na kraju odločanja. Nedvomno takšni trendi ogrožajo razumevanje javne sfere in aktivnega državljanstva. Prav zato moramo poiskati nove načine in nove oblike participacije. Nove pristope nam omogočajo elektronske tehnologije in s tem internet, zadnji prostor (iluzorne) svobode, ki nam je ostal.   Ideje o e-demokraciji so žive že od osemdesetih let dalje, ko so se začeli pojavljati pozivi k selitvi politične participacije na internet. Ta je od vsega začetka nosil potencial za emancipacijo ljudstva: ponuja namreč svobodo govora in reprezentacije. Posameznik se lahko na internetu osvobodi spon subjektivacije, ki mu jo nalaga družbeno okolje. Zabrišejo se atributi moči in statusne razlike, tako pa se poveča svoboda izmenjave informacij. Če ohranimo (velikokrat obsojano) distinkcijo med realnim in virtualnim, lahko govorimo v prid slednjemu. Politični procesi v ‚virtualnem‘ potekajo mimo ustaljenega ritma aktualne politične participacije. Stremimo namreč k nenehni demokraciji, zainteresirani civilni sferi in opolnomočenju glasov posameznikov, ki se na pereče problematike dejansko spoznajo.   Elektronske tehnologije nam omogočajo neprestano priključenost, ki je bila do sedaj v večji meri uporabljena za egoistične potrebe: nabiranje in konzumiranje informacij. Izraba interneta za kolektivne, politične namene, še ni pokazala vseh potencialov. Kljub nevarnostim, ki jih prinašata morebitni vladni nadzor nad uporabniki in tehnološka determiniranost kot taka, pa moramo najti presečišča, kjer dejanski politični efekt pretehta izgubo zasebnosti. Internet

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se je v slovenskem vstajniškem gibanju do sedaj za uporabnega izkazal v okviru organiziranja protestov, torej mobilizacije posameznikov. Z Danes je nov dan smo želeli narediti še en korak naprej.   Danes je nov dan je nastal iz potrebe po novih načinih politične participacije in odločanja. Protesti, ki so se v Sloveniji začeli jeseni 2012, so bili jasen odraz težav v slovenski družbi. Odtujenost političnih in demokratičnih procesov je ljudi pripeljala do izražanja na ulicah. Vendar pa je bilo t.i. protestniško gibanje večkrat obdolženo (tako s strani medijev kot s strani vladajočih), da nima pravih idej, zahtev, vizije ali kakršnih koli rešitev za politično in ekonomsko krizo. Ker pa na takšne sodbe nismo hoteli pristati, smo s spletno platformo ljudem ponudili odprt prostor, znotraj katerega lahko jasno izrazijo svoje zamisli in ideje, kako priti do konsenza glede aktualnih družbenih problemov.   Sprva se je portal oblikoval okoli šestih pravic, s katerimi smo skušali razpravo strukturirati – pravica do dobrega življenja in solidarne družbe, pravica do skupnega, pravica do dobre politične oblasti, pravica (do) narave, pravica do človeku prijazne ekonomije in pravica do vključenosti. To niso bile protestniške zahteve, niti kakršni koli pogoji vladajočim, temveč so to pravice, ki so že naša last in so zato neodtujljive. Z njimi in razpravo okoli njih želimo prispevati h gradnji novega družbenega konsenza, ki bo temeljil na skupnem dobrem, spoštovanju narave in vsakega posameznika, saj njegova prava moč in pravice izvirajo iz podpore skupnosti. Ponovno se je treba začeti zavedati, da je vsakdo v skupnosti pomemben člen, prav zato pa je potrebno ponovno vzpostaviti primat skupnega – ga varovati in z njim upravljati demokratično ter v dobro nas vseh. Naše pravice so izšle iz (že prej omenjenega) razočaranja nad stanjem v družbi – slovenska politična kultura je danes v globoki krizi: vsesplošno nezaupanje

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Zaradi splošnega prepričanja, da živimo v svetu endizmov, in da je torej današnji politični sistem najboljši možen sistem, so se ljudje s to ‚usodo‘ do neke mere sprijaznili. Razlaga, da živimo v edinem možnem političnem sistemu, ker si drugačnega pač ne znamo predstavljati, zveni neprepričljivo. Verjetno si tudi v času fevdalizma niso znali predstavljati drugačnega sistema, kar pa še ne pomeni, da je bil najboljši. Predstavniška demokracija kot jo poznamo danes, prav tako ni nujno najboljša oblika demokracije oziroma ni nujno najbolje izvedena. Trenutna politika je tako bolj politika spektakla kot pa kar koli drugega, saj gradi na kultu osebnosti. Pred volitvami na takšen način volivce celo prepriča v glasovanje za določeno stranko (osebo), po volitvah pa je ljudstvo ponovno razočarano in posledično tudi nezainteresirano. Sodobna politika tako svoje moči ne gradi na vsebinsko močnem programu, ki bi ljudi pritegnil.

Nika Mahnič und Jasmina Ploštajner

Kriza politike in novi pristopi aktivacije političnega telesa: Primer portala Danes je nov dan Koncepciji demokracije in izvajanje politike sta na Zahodu v krizi. Politika je nekdaj veljala za instrument, ki ljudem prinaša možnost upravljanja z njihovim življenjem. Danes je predmet velikega razočaranja. Ljudje je ne dojemajo več kot nekaj inkluzivnega in koristnega, temveč kot nekaj umazanega, koruptivnega, odtegnjenega od ljudi, skratka nečesa, kar je na voljo le elitam, ki z njo služijo svojim interesom. Zaradi teh in še mnogih drugih razlogov upada tudi zanimanje ljudi za politiko – participacija na volitvah pada, zmanjšuje se t.i. aktivno državljanstvo, ljudje se vedno bolj zapirajo v zasebno sfero – zanimanja za javno skorajda ni več. Oba predstavljena vidika seveda hodita z roko v roki: večje kot je nezanimanje ljudi za politiko in demokratične procese, bolj je politika ekskluzivna. Politika, kakršno poznamo danes, lahko funkcionira tudi brez sodelovanja javnosti – bodisi, ker ni načina, preko katerega bi civilna družba sporočala svoje zahteve vladi, bodisi, ker je vlada tako odtegnjena od civilne družbe, da je te zahteve niti ne zanimajo. Kot je zapisal Andrew Gamble, je cilj današnjih politikov, da politiko priskutijo ljudem do te mere, da se z njo ne bodo več želeli ukvarjati. Skušajo jo depolitizirati in jo narediti za naravno dejavnost, na katero ljudje nimajo vpliva, kar moč prinaša profesionalnim politikom. Ne glede na razlog je precej očitno, da je s sodobno politiko in z njo tudi demokracijo nekaj hudo narobe.

  Do težav pri razumevanju novih praks političnega delovanja je prišlo tudi v slovenski medijski sferi. Slednja namreč vstajniškega gibanja ni znala umestiti v svoj konceptualni aparat. Vstajniki so se izražali kot multituda, kot mnoštvo individuumov z raznolikimi zahtevami in vizijami. Mediji tega niso znali vkalupiti v svojo običajno formo: senzacionalizem namreč išče izstopajoče obraze, vsebino pa postavlja v drugi plan. Vstajniki so (z nekaterimi izjemami) zanikali obstoj enega predstavnika ljudstva, enega obraza, ki govori v imenu vseh. Zahteve so bile vsebinske, imena pa nepomembna. Prav na to težavo smo naleteli tudi ustvarjalci portala Danes je nov dan: ker smo se izogibali fotoaparatom in osebnim intervjujem in torej nismo pristali na to, da se fokus od vsebin na portalu preusmeri na naša osebna življenja, medijem nismo bili zares zanimivi.   Stanje politike v Sloveniji se od stanja politike drugje na Zahodu v večji meri sploh ne razlikuje. Trenutno politiko pretresajo vedno novi škandali, korupcija, verbalne bitke med predstavniki različnih strank in nazorov, pa vendar se zdi, kot da vsi ti problemi nimajo nobenega vpliva na delovanje politikov – kot da bi ti živeli v nekakšnem vakuumu, izolaciji od “zunanjega” sveta. Zaupanje javne sfere za politiko zato strmo pada, politična in ekonomska kriza pa tudi ne pomagata. Ljudje se namreč morajo ukvarjati z vsakodnevnimi, eksistencialnimi problemi – v politični participaciji pa ne vidijo rešitve svojih težav. Do trenutne oblasti gojijo veliko nezaupanje, v Sloveniji pa konsenza okoli temeljnih družbenih dilem ni, kar le še poglablja delitev na t.i. “leve” in “desne”. Pasivnost slovenskih volilcev negativno vpliva na politično sfero, v kateri ime, strankarska pripadnost in podpora priviligiranim štejeta več od dobrobiti skupnosti.   Apolitičnost ljudi in odtegnjenost politike od realnih družbenih procesov ter problematik pa nista edina

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Poleg vzpostavljanja paralelnega komunikacijskega prostora oziroma alternativne javnosti je na spletu moč zaslediti tudi prakso soupravljanja in poskusov vplivanja na obstoječe strukture, medije, spletna družbena omrežja in politične subjekte. Pred avstrijskimi predsedniškimi volitvami leta 2010 je na Facebooku nastala skupina, v kateri so uporabniki razmišljali o scenarijih in taktikah, ki bi lahko sledile izvolitvi desničarske konservativne kandidatke Barbare Rosenkranz za avstrijsko predsednico. Uporabnike je skrbelo, kaj bi njena izvolitev pomenila za tujce in homoseksualce. Špekulirali so tudi, kako bi Avstriji zaradi nazadnjaške predsednice v mednarodni skupnosti padel ugled. Premlevali so taktike za spodbujanje udeležbe na volitvah, saj Rosenkranz ob visoki volilni udeležbi ne bi mogla zmagati. Prav tako so spremembe pravil in pogojev uporabe, samodejnih nastavitev, prikazovanja obvestil in druge novosti na Facebooku sprožila številna glasna nasprotovanja. Uporabniki so jih artikulirali v zahtevah po so- in samoupravljanju omrežja.   S tem ko soupravljajo skupne prostore, pravila omrežij, ki jih uporabljajo in iščejo konsenz za spremembe, uporabniki pomembno oblikujejo skupnost. Mnenje in podpora drugih uporabnikov sta pri tem zelo pomembni. Še posebej so to izpostavljali uporabniki, ki so se zaradi svojega delovanja znašli v nevarnih situacijah, npr. ko so razpravljali o tabuiziranih temah, zastopali mnenje, ki je v nasprotju z uradnimi političnimi stališči ali nasprotovali odločitvam administratorjev spletnih skupnosti. Tako je jemenska novinarka in blogarka v intervjuju maja 2011 dejala, da ne bo odnehala kljub grožnjam in napadom, ki sta jih zaradi zagovarjanja človekovih pravic in sprememb deležni ona in njena družina. Pogum in energijo za poročanje, kot navaja, črpa iz prijaznih sporočil prek vmesnika za komentiranje na svojem blogu in profilu na Facebooku.   Skupaj s še nekaj intervjuvanci spada ta novinarka med tiste arabske blogarje, ki pišejo v angleščini, da bi svetu razkrili dejstva in pokazali resnično stanje v državi in regiji. V povezovanju z drugimi uporabniki in širjenju dejstev vidijo pot do sprememb. Tako kot v svojem eseju Povežite se! (orig. Indignez-vous!) piše tudi tunizijska aktivistka Lina Ben Mhenni, kako je povezovanje na internetu bistveno za posredovanje pravih informacij in resničnih podatkov: „[S]vet se bo spremenil le, če bodo informacije zaokrožile, če bomo razširili resnico, če se bomo povezali.“ (Vernetzt Euch!, 2011, str. 44) Podoben angažma vodi tudi blogarja iz Saudove Arabije, ki z zapisi v angleščini skuša obiti taktike oblasti, ki po njegovem mnenju prikriva dejanske probleme v državi. Opisuje, da oblasti v državo za krajši čas spuščajo novinarje, ki pod prvim vtisom vedno znova zapišejo „šokantne ugotovitve“ o tem, kako ženske tam ne smejo voziti avtomobilov in da je alkohol prepovedan. Tako novinarji že leta ugotavljajo vedno eno in isto in svetu posredujejo

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iste zgodbe. Zgodbe pri tujih občinstvih dvignejo precej prahu, ki uspešno prikrije, kaj se v Saudovi Arabiji (poleg opisanega) dejansko dogaja. Da bi opozoril na stanje v regiji, sam redno fotografira in na blogu objavlja zapise v angleščini.   Na spletnih družbenih omrežjih se oblikuje kozmopolitska kultura. Kukanja v nova kulturna okolja, spoznavanja ljudi, ki so hodili v druge šole in izražajo drugačne vrednote, je posebej vznemirljivo za uporabnike, ki imajo sicer manj priložnosti za potovanje. Prek interneta tako deloma premoščajo geografsko nemobilnost in spoznavajo drugačnost, uvažajo nove poglede v svoje okolje in hkrati svojo družbo predstavljajo drugim. Spletni uporabniki, vključeni v raziskavo SKUDI, se zavedajo pozitivnih posledic te kulturne izmenjave, ki je po njihovem mnenju bistvo digitalne družbe. „Pravzaprav je [internet] korak v razvoju družbene tkanine,“ ki saudskemu blogarju omogoča, da ima na spletu mnogo narodnosti, da je prisoten na več krajih in deležen bolj raznolikih vsebin in odzivov.   Doživetja uporabnikov iz drugih kultur, drugačne navade, pesmi, jezik in hrana spodbujajo soočenje z omejitvami lastnega telesa, uma in kulturnih zapovedi, katerim se podrejamo. Z refleksijo meja se da ugotoviti, da so te arbitrarne in da se tudi v lastnem kulturnem kontekstu da ravnati drugače ali doseči več. Zgodbe iz obravnavanih intervjujev kažejo, kako se posameznik v spletnih komunikacijskih prostorih politično aktivira, kadar naleti na omejitve: se počuti nadzorovanega, nesvobodnega, se česa boji ali zazna, da so ogrožene vrednote, v katere verjame. Pogoj za participacijo v spletnih komunikacijskih prostorih sta samoreprezentacija in ustrezna mediatizacija, s katerima posameznik šele pristopi h komunikacijskim tokovom. Njegove osebne predstavitve, fotografije in objave pa so torej vstopne interakcije, ki lahko prerasejo v ustvarjalno delovanje.

Grafik „Wachstum Internet“ entnommen aus http: //de.wikipedia.org /wiki/Geschichte_des_Internets

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ali objavljanje statusa na Facebooku, pa je mediatizacija. Le ustrezno mediatizirana samoreprezentacija posamezniku omogoča participa-cijo v neki skupnosti ali komunikacijski situaciji – za pogovoru s sosedo o Santa Barbari mora biti Jožica tudi sama gledalka TV-serije, enako kot mora biti prijavljena na Facebook, da lahko vidi sodelavkine fotografije z dopusta. Nancy Thumim v knjigi o samoreprezentaciji v digitalni družbi „Selfrepresentation and digital culture“ trdi, da človek neodvisno od mediatizacije ne more obstajati. Digitalna družba namreč zahteva prisotnost na spletnih družbenih omrežjih, tj. odprtje uporabiških profilov, pisanje sporočil ter nalaganje posnetkov, saj je brez tega nemogoče nastopiti v digitalnem komunikacijskem prostoru ali pripadati spletni skupnosti.   A čeprav popularne platforme na ta način spodbujajo participacijo v digitalni družbi, bi jim lahko očitali, da spodbujajo zgolj jalovo udejstvovanje. Thumim je mnenja, da uporabniki sicer upravljajo svoj spletni nastop in aktivno konstruirajo ter posredujejo svoja sporočila, vendar vse prevečkrat v okvirih platforme. Dizajn in funkcionalnosti komunikacijskih platform posegajo v formo in vsebino njihovih samoreprezentacij in interakcij. Thumim za primer navaja Facebookovo časovnico, kjer so na isto raven zvedeni razični izrazi osebnosti, s čimer politično stališče, modni okus in nakupovalne navade postanejo popolnoma ekvivalentni deli uporabnikove identitete. S tem se odpira kritično izhodišče za razpravo o družbenih in političnih vidikih participacije na spletnih družbenih omrežjih. Kaj imata torej skupnega mediatizacija in samoreprezentacija na spletnih družbenih omrežjih s politično participacijo?   V Sistemu objektov, „The system of objects“, Jeana Baudrillarda beremo kritiko negativnih učinkov družbe, obsedene s posredovanjem in kroženjem vsebin. Obsedenost s popolnim tokom vsebin in informacij, kot je nevrotično preverjanje obvestil na Facebooku in označevanje priljubljenih fotografij na Instagramu, po Baudrillardu označimo kot mentalno hipohondrijo. S tega zornega kota lahko špekuliramo, da sta „stiskanje lajkov“ in nabiranje komentarjev znak posameznikove nesuverenosti, nezdravega mentalnega stanja in stapljanje v enoznačno in jalovo množico.   Kljub temu ni možno posploševati, da je digitalne družba nekritična in popolnoma nezainteresirana za vse, kar ne odgovarja narcisističnim potezam spletnih uporabnikov. Ne tako redko imajo poplave sporočil na spletnih družbenih omrežjih tudi širšo, npr. politično razsežnost. Prek njih uporabniki ne predstavljajo le samih sebe, ampak prepoznavajo tudi pomembne družbene probleme, ukrepajo v zvezi z njimi in gradijo svojo avtonomijo. Kje bi lahko potegnili ločnico, med golim nastopanjem za komplimente in

političnim delovanjem? Uvodoma je zapisano, da družbeni kontekst oziroma kultura vplivata na tip posameznikovega udejstvovanja in kolektivnega delovanja na spletu. Zatiranje, cenzura, nesvoboda in represija sprožajo nasprotovanje, iznajdljivo uporništvo, ustvarjanje vzporednih komunikacijskih prostorov, in zahteve po soupravljanju skupnosti. Drugače od množičnih poskusov izstopanja z običajnostjo in vsakdanjostjo, s katero se sicer srečujemo na Facebooku, Twitterju in drugih spletnih družbenih omrežjih. V okviru že omenjenega projekta SKUDI, ki se ukvarja s konstrukcijo subjekta v digitalni kulturi, so raziskovalci veliko pozornosti namenili pomenu meja in omejevanja. Opazovali so uporabnike, ki so v različnih spletnih okoljih in situacijah naleteli na omejitve in poskušali razumenti njihove reakcije. Izkazalo se je, da so prav meje tisto, kar je pri sodelujočih v raziskavi spodbudilo agilnost pri iskanju in ustvarjanju boljše stvarnosti.   Kršenje človekovih pravic manjšinam, strukturno in administrativno nasilje na spletnih skupnostih, onesnaževanje okolja in omejevanje dostopa do naravnih virov so pri spletnih uporabnikih, vključenih v raziskavo, pogosto sprožili kritiko, upor ali druge oblike delovanja na spletu. Njihovo nasprotovanje lahko strnemo v štiri razsežnosti: (1) ustvarjanje paralelnega komunikacijskega prostora, (2) soupravljanje oziroma samoupravljanje skupnosti, (3) podpiranje prizadevanj drugih uporabnikov in (4) povezovanja ter posredovanje informacij.   Težnja po preseganju sistemskih, političnih, geografskih in kulturnih omejitev je posebej izrazita v okoljih, ki so močneje nadzorovana in celo nesvobodna ali pa močno nadzirana oziroma upravljana „od zunaj“. Cenzura, tabuizacija določenih tem (religija, politika, spolnost) ignoriranje drugačnosti, zatiranje manjšin in celo odkrito nasilje nad drugače mislečimi so izkušnje iz avtokratskih okolij, ki so jih blogarji in drugi spletni aktivisti večkrat navajali v intervjujih. Tudi kadar so bile omejitve usmerjene na druge ali je šlo za kratenje svoboščin popolnim neznancem, so se uporabniki nanje odzvali z nasprotovanjem.   Esra’a al Shafei (uporabljeno je pravo ime, ker je intervjuvanka vztrajala, naj ga raziskovalci uporabijo) je ustanoviteljica platforme MideastYouth.com. V intervjuju julija 2010 je dejala, da se je spletnega aktivizma lotila zato, da bi manjšinam v regiji pomagala vstopiti v komunikacijski prostor. Zaradi tabuizacije tem v arabskem javnem življenju in splošne ignorance do etničnih, verskih in spolnih manjšin, je ustvarila platformo in prek nje alternativen komunikacijski prostor. Tako so manjšine lahko dobile glas in so lahko začele obstajati tudi težave, s katerimi se pripadniki manjšin srečujejo.

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žajfnicah. Tem tudi zvesti gledalci pogosto odrekajo vsakršen intelektualni ali drugačen potencial. A jih kljub temu gledajo. Ameriška limonadnica Santa Barbara iz 80-ih in 90-ih let prejšnjega stoletja je bila pokonzumirana v 2.137 epizodah. Južnoameriška telenovela Esmeralda je v približno istem obdobju doživela tri venezuelske in še brazilsko upodobitev. (Podatki o obeh serijah so zapisani na Wikipediji.) Kljub visoki gledanosti in popularnosti pa nobene od serij ni možno uvrščati med produkcijske ali umetniške presežke. Tako kot tudi o velikem delu vsebin in interakcij, ki se zgodijo prek popularnih družbenih omrežij, ne moremo reči, da so kakovostne – pa je npr. samo v izmenjave na Facebooku povezanih že vsaj dobra milijarda uporabnikov (vir: http://investor.fb.com/releasedetail. cfm?ReleaseID=780093).

Katja Koren Ošljak:

Med narcisistično samoreprezentacijo in politično participacijo na spletu Spletnega uporabnika oblikuje kulturno okolje. V potrošniški demokraciji uspavani posamezniki se na spletu izražajo s poplavo osebnih pripovedi. Zatiranje, cenzura, nesvoboda in represija pa sprožajo nasprotovanje in iznajdljivo uporništvo, ustvarjanje vzporednih komunikacijskih prostorov ali soupravljanje komunikacijskih okolij. Zanima nas kontekst, v katerem spletni uporabnik postane politično aktiven. Pri tem izhajamo iz predpostavk: (1) da človek izven družbenega konteksta ne more obstajati in (2) sta samoreprezentacija in mediatizacija pogoj za participacijo v digitalni kulturi. Kadar ni izrecno drugače navedeno, se esej navezuje na raziskovalne podatke, zbrane v okviru raziskovalnega projekta Konstrukcija subjekta in digitalna kultura (Subjektkonstruktion und digitale Kultur, SKUDI), v katerem so med letoma 2009 in 2013 sodelovale avstrijska in tri nemške univerze: Univerza v Celovcu, Univerza v Münstru, Univerza v Bremnu in Tehniška univerza Hamburg-Harburg (več na: http://www.skudi. net).   Če svojega znanca vprašate, ali je na Facebooku, vam bo ta morda odgovoril z „da, ampak ...“. Tisti ampak in kar mu sledi običajno zveni kot skesano opravičilo zaradi zapravljanja časa, sodelovanja pri distribuciji nekoristnih vsebin in v svetovni zaroti v kraji osebnih podatkov. Podobno skesanih izjav in samoopravičevanja se spomnim iz pogovorov o TV-

  Ob predpostavki, da večina uporabnikov ocenjuje vsebine in interakcije na Facebooku kot manj kakovostne – podobno kot predpostavljamo za gledalce cenenih TVnanizank, se moramo vprašati, zakaj so ena (omrežja) in druge (serije) tako popularni.  Zdi se, da oddaje nizkega kakovostnega ranga dajejo snov za pogovor in gorivo interakcijam. Njihovo popularnost lahko razlagamo s potrebo po vključenosti, pozornosti in želji „biti del nečesa“. Z nekom deliti ideje in imeti skupno temo za pogovor je morda pomembnejši razlog, kot bi se zdelo na prvi pogled. Če vsi govorijo o Esmeraldi ali sodelavkini fotografiji na Facebooko, vi pa si o tem ne morete misliti ničesar, ker niste videli ne enega niti drugega, je to lahko frustrirajoče. Nepoznavanje teme, izključenost iz razprave, skupine ali druge oblike nedostopnosti komunikacijskega prostora sprožajo neugodje.   Človek, družbeno bitje, se oblikuje in obstaja v interakciji z družbenim okoljem. Le v družbenem kontekstu, ko komunicira z drugimi ljudmi in je v stiku s kulturo, se lahko vede kot človek. Brez interakcij z okoljem, ne bi bil deležen odzivov, sporočil in gest, ki odsevajo, kdo je in kako je sprejet. Simbolični interakcionizem, ena od pomembnejših šol sociologije oziroma socialne psihologije, razlaga, da so pogledi drugih ključni za razvoj posameznikovega duševnega in socialnega ustroja. To, kako posameznika vidijo drugi oziroma, kako posameznik misli, da ga drugi vidijo, določa njegovo ravnanje.   Človeku hoče biti pripaden in sprejet. Pripadnost skupini, kot je košarkaška ekipa, hekerski klub ali skupina Facebook-prijateljev, mu daje občutek varnosti pred tem, da bi se izgubil in ostal sam. A da posameznik postane del pogovora ali član skupine, mora sebe in svoje ideje ustrezno posredovati sogovornikom, kar imenujemo samoreprezentacija. Prilagajanje svojega nastopa mediju oziroma komunikacijskemu kanalu, recimo, pisanje pisma, snemanja sporočila s telefonsko tajnico

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in aktivistov, ki se digitalnih medijev poslužujejo v politične namene, ob tem pa sledijo svojim lastnim ciljem in interesom, posedujejo lastne institucionalizirane oblike koordinacije in odločanja o ukrepih, strategije spopadanja s konflikti, ne nazadnje pa razpolagajo tudi z različnimi kadrovskimi in finančnimi viri. Novi mediji se prilagodijo temu obstoječemu okvirju – vendar ni določeno vnaprej, ali stopijo ob bok ali na mesto drugih orodij in tehnologij. Šele ti kontekstualni pogoji lahko razložijo, zakaj se določene spletne strategije ali prakse ne obnesejo v sleherni namen. Eksemplarično je to mogoče pokazati na primeru prve predvolilne kampanje Baracka Obame. Kampanja je v večji meri temeljila na tem, da je s pomočjo inovativnih digitalnih platform oblikovala lokalne mreže podpornikov (tako da je povezala somišljenike v mestih in okrožjih), da bi podprla njihovo osnovno delovanje na kraju samem (s tem da je posredovala gradiva in priročnike, pa tudi naslove še neodločenih volivk in volivcev za obiske na domu) in ne nazadnje, da si je pridobila še do danes neznane vsote (manjših) donacij. Ob nemških parlamentarnih volitvah leta 2009 je bilo podobno situacijo le stežka najti. Kar pa pri akterjih predvolilnega boja ni bilo povezano z odporom ali pomanjkanjem naklonjenosti do interneta, ampak predvsem s tem, da podobne mreže podpornikov pri nas (v Nemčiji – op. p.) že (nekateri bi rekli: še) obstajajo. Strankarska lokalna združenja in krajevne skupnosti povezujejo in organizirajo delovanje baze, ne nazadnje ker so aktivne tudi zunaj predvolilnega obdobja. Članarine v kombinaciji z državnim mehanizmi financiranja skrbijo za to, da stranke in njihovi kandidati niso v celoti odvisni od pridobljenih prostovoljnih sredstev, s katerimi bi si vsakič na novo krili predvolilno kampanjo. Zaostreni predpisi na področju varstva osebnih podatkov pa ne nazadnje tudi preprečujejo, da bi se oblikovale podobno obsežne in netransparentne podatkovne baze o potencialnih volivkah in volivcih kot v ZDA, ki, denimo, kombinirajo informacije o potrošniških navadah posameznikov z njihovo volilno držo.13 Nova sila V bistvenem pogledu pa ostaja debata o vplivih digitalnih medijev na demokratično soudeležbo šele na začetku: če družbene medije pojmujemo kot komunikacijski prostor, v katerem se oblikujejo spletne javnosti, moramo razmišljati tudi o soudeležbi pri

oblikovanju teh komunikacijskih prostorov. Doslej so bili arhitekti novih komunikacijskih prostorov predvsem skrbniki platform in programerji. Slednji oblikujejo kodo programske opreme in s tem možnosti in omejitve, ki so za izmenjavo in soudeležbo uporabnicam in uporabnikom na voljo. S tem kanalizirajo delovanje uporabnikov, čeprav ga ne opredelijo popolnoma.  Nadzor nad oblikovanjem digitalnih medijskih tehnologij ima možne daljnosežnejše posledice. Filtrski in agregatni algoritmi lahko stopijo v službo nadzora ali cenzure, kot »kibernetskim optimistom«14 ugovarja Jevgenij Morozov. Eli Pariser pa je pred kratkim opozoril na to, da sicer vedno bolj prefinjene metode osebnega izbora informacij nudijo orientacijo v kopici razpoložljivih podatkov in sporočil, vendar pa lahko pripeljejo do »filtrirnih mehurčkov« (»filter bubbles«).15 Tako razdrobljena javnost, v kateri bi imel vsak svoj lastni »informacijski mehurček« in bi bilo vedno manj skupnih vsebin, ne bi več nudila primerne podlage za družbeno integracijo.   Vprašanje po soudeležbi in oblikovanju družbenih medijev pa je neizogibno tudi zato, ker se ukvarja z infrastrukturami družbene javnosti, vendar ne z javnimi infrastrukturami. Z izjemo Wikipedije so dominantne platforme družbenega spleta v lastništvu podjetij in koncernov, ki se po drugi strani spet zanimajo za pridobivanje čim bolj izčrpnih informacij o svojih uporabnicah in uporabnikih. Njihovi poslovni modeli pogosto temeljijo na trženju s podatki ali dejavnostmi uporabnikov, ki jih posredujejo oglaševalskim podjetjem. Prav zato je za uporabnike soudeležba pri mnogih storitvah in na platformah praviloma prostovoljna in brezplačna, vendar jim obseg in uporaba zbranih podatkov dostikrat nista znana. Povedano drugače: »Če ne plačaš, sam postaneš izdelek.«16 Odprto ostaja vprašanje, v kolikšni meri se bo družbena večina dolgoročno strinjala s tem, da ji na tako osrednjem mestu uporabe medijev preti ne le omejitev informacijskega samoodločanja, temveč se kopiči tudi moč, ki ne premore zadostne demokratične legitimacije in nadzora. Resnično demokratičen je splet lahko le, če je tudi oblikovanje osnovnih tehnologij odprto za soodločanje in soudeležbo njegovih uporabnikov.

  Natisnjeno in prevedeno s prijaznim dovoljenjem avtorja. Prvič izšlo v: Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 7/2012).

13 Prim. Daniel Kreiss/Philip N. Howard, New Challenges to Political Privacy: Lessons from the First U.S. Presidential Race in the Web 2.0 Era, v: International Journal of Communication, 4 (2010), str. 1032–1050, spletno mesto: ijoc.org/ojs/index.php/ ijoc/article/view/870/473 (28.12.2011).

Prim. Eli Pariser, Filter Bubble. What the Internet is hiding from you. London 2011.

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Evgeny Morozov, The Net Delusion. The Dark Side of Freedom. New York 2010

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Izvirni citat je očitno nastal v eni od spletnih diskusij in se je kot diagnoza hitro razširil; prim. www.metafilter.com/95152/ Userdriven-discontent#3256046 (28.12.2011).

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revolucije. V iranski revoluciji leta 1979 so pomembno vlogo odigrali tranzistorji in kasetniki, ki so razširjali pridige in pozive mul.   Medtem so se orodja za razširjanje političnih zahtev, za mobilizacijo somišljenikov in za koordinacijo aktiv-nosti očitno še nadgradila. Visoka stopnja razširjenosti mobilnih telefonov in digitalnih kamer je pripomogla k temu, da so se lahko demonstracije in napadi posneli, družbeni mediji pa so pomagali posredovati te informacije domala v realnem času. Metoda snežene kepe, značilna za spletno javnost, je zvišala domet slik in pozivov – tudi zato, ker so množični mediji kot CNN in Al-Jazeera posegli po uporabniško generiranih vsebinah in jih vključili v lastno poročanje. Protestna javnost je postala transnacionalna: tudi v Nemčiji je lahko vsakdo, ki je hotel, dobesedno »v živo« spremljal proteste na trgu Tahrir v Kairu ali na Trgu 7. novembra v Tunisu in se je morda celo sam počutil kot mulitiplikator, na primer takrat, ko je mimo internetnih zapor informacije posredoval naprej. Ta oblika politične soudeležbe, ki je segala tudi preko meja, je bila dejansko nova.   Toda, ali to upravičuje govorjenje o »internetni revoluciji«? Ali v splošnem: je dogajanje v arabs-kem svetu dokaz za to, da je internet dejansko demokratičen, celo demokratizirajoč, in da pojmovanje Waela Ghonima, egiptovskega internetnega aktivista (in Googlovega menedžerja), »If you want to liberate a society, just give them the Internet«, drži? 8 Internet in družbene medije lahko le stežka opredelimo kot vzrok za proteste – te je treba iskati predvsem v faktorjih, kot so visoka stopnja brezposelnosti pri mladih, razširjena korupcija ali višanje cen, ki so v različnih arabskih državah različno zastopani.   Poleg tega je internet le eden od delov širokega in kompleksnejšega medijskega prostora. V Egiptu je bila na primer televizija še vedno pomemben vir informacij, četudi s povsem drugačno naravnanostjo: nadzorovane državne in zasebne televizijske postaje so poskušale situacijo v državi omalovaževati, medtem ko je transnacionalni kanal Al-Jazeera, ki je, kot rečeno, posegel predvsem po družbenih medijih, v dobesednem smislu ponujal »kontrastni program«.9 K temu je treba dodati

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še medsebojno komunikacijo preko mobilnih telefonov in SMS-sporočil, ki pa jim podobno kot internetni komunikaciji preti nevarnost nadzora in prisluškovanja. Tako je egiptovski vladi v obupanem poskusu, da bi si pridobila premoč nad komunikacijskimi tokovi, nad večjim delom dostopa do interneta kot tudi nad mobilnimi omrežji, povsem spodletelo.10 Osredotočanje na domnevne »revolucionarne medijske inovacije« je v tem smislu problematično, ker ostaja kljub temu neznano, v kolikšni meri družbeno-kulturne strukture v arabskih deželah zaznamujejo in spreminjajo bolj postopni in dolgoročni razvojni procesi, v katerih stari in novi mediji sobivajo.11 Uporaba medijev v kontekstu   Ob zagotovo nazornem in pomenljivem primeru arabske revolucije pa lahko najdemo celo vrsto nadaljnjih argumentov, ki nasprotujejo preprosti in tehnično determinirani domnevi, da je internet per se demokratizirajoč medij. Opisano rušenje ovir pri objavljanju in distribuciji namreč ni v korist le demokratičnim glasovom ali emancipacijsko-vzgojnim protijavnostim. Lažje se širijo tudi politično radikalna, nedemokratična stališča in vsebine, ker »ravno razširjevalci sovražnega govora, torej ponižujočih izjav in hujskaštva, […] z internetom nadpovprečno pridobijo« in »profitirajo predvsem z ukinitvijo gatekeepinga«.12 Civilnodružbene reakcije na te aktivnosti so denimo projekti kot no-nazi.net ali hassim-netz.info. Slednji dokumentirajo spletne aktivnosti skrajno desničarskih strank in skupin ter informirajo o strategijah in ukrepih, ki jih je mogoče uporabiti ob diskriminatornih vsebinah na platformah, kot sta Facebook in YouTube.   Poleg tega svoj pečat pusti tudi vpetost v obstoječe institucionalne ali organizacijske strukture. Že znotraj neke družbene skupine, še bolj pa onkraj nje, najdemo najrazličnejše politične akterje, med njimi stranke, lokalne državljanske iniciative, nevladne organizacije ali tudi neobvezujoče ad hoc formirane mreže aktivistk

8 Citirano po Albrecht Hofheinz, Nextopia? Beyond Revolution 2.0, v: International Journal of Communication, 5 (2011), str. 1417–1434, spletno mesto: ijoc.org/ojs/index.php/ijoc/article/view/1186/629 (28.12.2011). 9 Prim. Eike M. Rinke/Maria Röder, Media Ecologies, Communication Culrue, and Temporal-Spatial Unfolding: Three Components in a Communication Model of the Egyptian Regime Change, in: International Journal of Communication, 5 (2011), str. 1273– 1285, spletno mesto: ijoc.org/ojs/index.php/ijoc/article/view/1173/603 (28.12.2011). 10 Prim. E. Rinke/M. Röder (Anm. 9), str. 1281 isl.. Die Strategien der tunesischen Regierung zur Medienkontrolle schildert Ben Wagner, „I have understood You“: The Co-evolution of Expression and Control on the Internet, Television and Mobile Phones During the Jasmine Revolution in Tunisia, v: International Journal of Communication, 5 (2011), str. 1295–1302, spletno mesto: ijoc.org/ojs/index.php/ijoc/article/view/1174/606 (28.12.2011). 11

Prim. A. Hofheinz (op. 1)

12 Str. 114 v Daniel Müller, Lunatic Fringe Goes Mainstream? Keine Gatekeeping-Macht für Niemand, dafür Hate Speech für Alle – zum Islamhasser-Blog Politically Incorrect, v: Navigationen. Zeitschrift für Medien- und Kulturwissenschaften, 2008, Nr. 2, str. 109–126.

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to predstavljali, postane pošiljatelj, si z drugimi izmenja informacije in mnenja ter se poveže z enako mislečimi, tako da se sliši tudi do takrat marginalizirane glasove. V ekonomskem bumu poznih devetdesetih let in temu sledečemu zlomu »nove ekonomije« so se omenjeni demokratično utopični ideali sicer umaknili nekoliko v ozadje, vendar samo zato, da so se čez nekaj let toliko močneje reartikulirali. Pojem »Web 2.0« je v sebi združeval predstavo o dosegu nove faze razvoja interneta. Tehnološke inovacije in nove platforme, kot so Facebook in Google+, YouTube, Wikipedija in Twitter, ne obljubljajo le novih poslovnih možnosti in dobičkonosnih modelov, temveč posredujejo vizijo o korenitih družbeno-kulturnih spremembah. Sodobni internet ni zgolj medij za brskanje in prenos podatkov, temveč ponuja infrastrukturo za »družbene medije«, ki olajšajo soudeležbo in sodelovanje. Postal je »social web«. Sprememba javnosti   Kako pa to spremembo medijev ocenjujemo z ozirom na demokratične procese in strukture? Nesporno ostaja dejstvo, da so se družbeni mediji, čeprav v različni meri, v zadnjih petih letih zasidrali v vsakdanjik mnogih uporabnikov interneta. S posameznikovega gledišča znižujejo tehnične ovire, da se ta predstavi s svojimi lastnimi interesi, nazori in doživetji in jih izmenja z drugimi uporabniki. Poleg tega pa ti mediji ponujajo orodja in mehanizme za pridobivanje najrazličnejših informacij, za njihovo filtriranje, skupinsko obdelavo in nadaljnje širjenje.   Na tej osnovi družbeni mediji proizvajajo nov tip javnega prostora, ki ga imenujemo »zasebna javnost« in ga lahko v različnih pogledih ločimo od javnega prostora publicističnih (množičnih) medijev.5 Prvič, informacije se v osebnih javnih prostorih prednostno izbirajo in posredujejo po kriteriju osebne pomembnosti, ne pa po profesionalnih novinarskih standardih glede na vrednost sporočil in njihovo družbeno pomembnost. Drugič, uporabniki naslavljajo svojo lastno razširjeno družbeno mrežo, ki se kaže v potrjenih »prijateljih« s facebooka ali »sledilcih« na tviterju, ne pa nedoločljivo, razpršeno in neznano množično publiko, ki ji streže profesionalno novinarstvo. Tretjič, komunikacija je ne nazadnje na podlagi interaktivnih možnosti, ki jih ponuja večina družbenih medijev, bolj usmerjena v modus »konverzacije«, torej v vzajemno izmenjavo in dialog, kot v enostransko objavljanje. S tem so v zasebnih javnostih

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povezane tudi komunikacijske norme kot »avtentičnost« ali »dialoška odprtost«, ki so precej razširjene in usmerjajo dejavnosti uporabnikov.   Publicistične medijske ponudbe pa z razcvetom družbenih medijev ne izgubljajo nujno svojega pomena. Še vedno namreč tako po uveljavljenih kriterijih kot tudi z institucionalnim zaledjem dolgoročno izbirajo in posredujejo vsebine, ki jih družba smatra za relevantne. Pogovori v zasebnih javnostih pa razkrivajo nadaljnjo diskusijo publike, ki sledi novinarsko zastavljenim temam in igra pomembno vlogo pri oblikovanju mnenj in pri družbenem umeščanju teh tem. Uporabnice in uporabniki se lahko opredelijo do političnih vprašanj in tako svoji razširjeni družbeni mreži pokažejo lastno držo, se vpletejo v diskusijo in morda aktivirajo tudi druge uporabnike. Poleg tega se lahko profesionalni politični akterji, na primer politične stranke ali nevladne organizacije, vsaj toliko izognejo novinarskemu posredovanju svojih namer, v kolikor svojim ciljnim skupinam same ponudijo prostor za komunikacijo.   Zasebne javnosti so zato bistveni, vendar ne edini element »integrirane javne mreže«, h kateri doprinesejo številni profesionalni in neprofesionalni komunikacijski partnerji s povsem različnim dometom.6 Še močneje kot doslej se pokaže, da se na internetu ločnica med »pošiljateljem« in »prejemnikom«, ki je za komunikacijo v množičnih medijih osrednjega pomena, lahko zabriše. V zasebnih javnostih je človeku omogočeno oboje: svoji lastni razširjeni mreži sporoči tisto, kar se mu trenutno zdi relevantno, in hkrati prejme to, kar se zdi pomembno mreži. Te novice postajajo podobne »streamom« ali »feedom«, dinamičnim, nenehno posodabljajočim se tokovom informacij, iz katerih pa je mogoče spet izvzeti posamezne vsebine, ki jih lahko razširjamo, komentiramo, priporočamo ipd. »Facebook revolucija«?   Kakšno vlogo lahko odigrajo tovrstne strukture in mehanizmi spletne javnosti v politični komunikaciji, se je posebej jasno pokazalo na podlagi »arabske pomladi« – tako zelo, da so prevrate v Tuniziji in Egiptu kakor tudi množične demonstracije in družbene nemire v številnih drugih arabskih deželah začeli imenovati »facebook revolucija«.7 Da igrajo medijske tehnologije pomembno vlogo pri poteku političnih protestov, sicer ni novo spoznanje: razvijajoče se časnikarstvo, pa tudi letaki in karikature, so bila odločilna javna občila francoske

Prim. o tem izčrpno Jan Schmidt, Das neue Netz. Merkmale, Praktiken und Folgen des Web 2.0, Konstanz, str. 107 isl.

6 Prim. Christoph Neuberger, Internet, Journalismus und Öffentlichkeit. Analyse des Medienumbruchs, v: Christoph Neuberger/ Christian Nürnbergk/Melanie Rischke (ur.), Journalismus im Internet: Profession – Partizipation – Technisierung, Wiesbaden 2009, str. 19–105. 7 Tako npr. Thomas Apolte/Marie Möller, Die Kinder der Facebook-Revolution, v: Frankfurter Allgemeine, 19.2.2011, spletno mesto: www.faz.net/aktuell/politik/arabische-welt/staaten-im-umbruch-die-kinder-der-facebook-revolution-1592378.html (28.12.2011).

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so v večini zastopali velike koncerne, je novinarje situacija spominjala na »kolonialne gospodarje interneta«.2 Za govoričenjem o demokraciji napredku in transparentnosti naj bi ne nazadnje kljub temu stala zgolj želja po nadzoru in dobičku. Pred slabimi 15 leti je John Perry Barlow v znameniti Deklaraciji o neodvisnosti kiberprostora še razglašal: »Vlade industrijskega sveta, vi utrujeni velikani iz mesa in jekla, prihajam iz kiberprostora, novega domovanja Uma. […] Nismo vas povabili medse. Ne poznate nas niti našega sveta. Kiberprostor ne leži znotraj vaših meja.«3 V nasprotju s tem pa je 2011 Jeff Jarvis, kot profesor novinarstva in kot »public intellectual« eden redkih predstavnikov civilne družbe na srečanju, objavil na tviterju: »At #eg8 I feel like a native American or African watching colonial powers sailing in to conquer our new land.«4

Jan-Hinrik Schmidt

Demokratična mreža? V pripravah na zasedanje vrha G8 maja 2011 so prvič izpeljali tudi »vrh eG8«, ki se je ukvarjal z vlogo interneta v politiki, gospodarstvu in družbi. Gostitelj, francoski predsednik Sarkozy, je na spremljevalni spletni strani zasedanje evforično pozdravil: »Le v nekaj letih je internet uresničil sanje razsvetljenskih filozofov in nakopičeno znanje ponudil največji možni publiki. Okrepili so se demokracija in človekove pravice, države so začele vzpodbujati večjo trans-parentnost in v nekaterih deželah so zatiranci povzdignili svoje glasove, da so lahko družno nastopili v imenu svobode.«1 Nagovori, med drugim velikanov internetne branže, kot so Eric Schmidt (Google), Mark Zuckerberg (Facebook) ali Mitchell Baker (Mozilla Foundation), so v potrditev teze vedno znova navajali revolucionarne preobrate v Severni Afriki. Mar nismo bili ravno pred kratkim priča temu, kako so v Egiptu ali Tuniziji digitalne informacijske in komunikacijske tehnologije ne le počasi in postopoma, temveč bliskovito in dejansko revolucionarno pospešile druž-bene spremembe?   Vendar pa tega zanosa niso delili vsi navzoči. Spričo govorcev in (manjšega števila) govork, ki 1

  Vrh eG8 eksemplarično odpira osrednja vprašanja sodobnega razvoja medijev: kakšno vlogo igrajo digitalni spletni mediji na področju političnega delovanja in družbene kohezije? V kolikšni meri podpirajo procese in strukture soudeležbe, v kolikšni meri ustvarjajo ali krepijo neenakosti in izključevanje? Torej: ali je internet demokratičen? Ta vprašanja bomo v nadaljevanju prevetrili s posebnim ozirom na evidentno spreminjanje javnosti. Od podatkovne avtoceste do družbenega omrežja  Ko se je internet v devetdesetih letih iz akademskih in vojaških krogov razširil v širše družbeno okolje, je sprva v ospredje stopil njegov vpliv na širjenje informacij. Nemška metafora »podatkovna avtocesta« (»Daten-Autobahn«), še bolj pa angleško poimenovanje »information superhighway«, sta metaforično izrazila željo po oblikovanju centralne infrastrukture infor-macijske družbe. Hkrati pa so bili digitalni mediji že zgodaj povezani z upi na preseganje informacijskih neenakosti in spodbujanje demokratičnih diskurzov. Tako so tehniki naklonjene skupine uporabnikov iz mirovniških in okoljevarstvenih gibanj že v osemdesetih letih za izmenjavo informacij uporabljale računalniške predale elektronske pošte, V ZDA so se vrednote in vzori hipijevske in njej nasprotne kulture zlile v »tehno-utopijo«, pod okriljem katere je med drugim nastala tudi zgoraj citirana Deklaracija o neodvisnosti kiberprostora. Vsakdo lahko, kakor so si

Lasten prevod; angleški izvirnik na: www.eg8forum.com/en/speeches/editorial (28.12.2011).

2 Kai Biermann, Die Kolonialherren des Internets, 26.5.2011, spletno mesto:www.zeit.de/digital/internet/2011-05/eg8internet-sarkozy (28.12.2011). 3 John Perry Barlow, Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace, 29.2.1996, spletno mesto:: www.heise.de/tp/artikel/1/1028/1. html (28.12.2011). 4 twitter.com/#!/jeffjarvis/status/73284867168800769

(28.12.2011).

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feministične študije so pokazale, da so ti pomeni pogosto v nasprotju z ideološkim sporočilom, ki ga implicira medijski tekst, še pogosteje pa je predlagano branje povod za oblikovanje alternativnih in rezistenčnih branj. • Odgovorna raba S pomočjo obeh teoretskih dediščin lahko zaključimo, da o družbenih konsekvencah rabe interneta in internetnega komuniciranja ne moremo soditi vnaprej in zgolj na osnovi sporočil, ki se tvorijo v virtualnem komunikacijskem prostoru. Ob sporočilih obstaja še množica, če ne mnoštvo uporabniških branj, ki se bodisi na racionalni bodisi na nezavedni in fantazijski ravni odzivajo nepredvidljivo in nenadzorovano. V tem smislu je internetna javnost, kot vsaka medijska javnost, vselej potencialno demokratično usmerjena, pluralna in vključujoča. To pa še ne pomeni, da smo se s tem razbremenili bremena odgovorne rabe interneta. V Sloveniji lahko opažamo skromno javno razpravo o tej temi; skorajda neobstoječa pa sta tako vzgoja kot izobraževanje za odgovorno medijsko pismenost, ki bi uporabnikom internet in spletno komuniciranje približala kot orodje odgovorne in kritične družbene participacije in državljanske pobude za pravično, solidarno in humano organizacijo družbenega življenja.

ne le nevarnost za širjenje nestrpnosti in sovražnega govora, pač pa tudi za tiho strinjanje, da je to »pač demokracija«.   Da bi se lahko soočili s tem izzivom, ni zadosti, da postajamo zagovorniki sankcij in večjega nadzora, prav tako pa je dvomljiv tudi širši družbeni prispevek uredniških politik, ki temeljijo na prepovedi objavljanja nestrpnih in žaljivih komentarjev. Medijski prostor se bo nemara res očistil najbolj grobih rab javne besede, četudi spretni uporabnik že sedaj ve, kako nestrpno vsebino zapakirati v strpno govorico.   Torej so potrebni drugačni pristopi. Kot v vseh primerih do sedaj, ko se je novo tehnologijo začelo dojemati kot silo, ki avtonomno in mimo naše volje ureja naš svet in življenja, bo tudi tokrat potrebno slediti razsvetljenskemu modelu vzgoje za internetnega državljana.   Sem sodi tudi razprava o prostorih, mejah in omejitvah svobode govora, s katero lahko dosežemo zavedanje o možnostih -- za več svobode.   Internet nam to omogoča. Če za to ne skrbijo izobraževalne institucije in država, se lahko osvobodimo tudi sami.   Za začetek bralcu, ki mi je sledil do konca tega zapisa, predlagam ogled teh dveh internetnih povezav:

http://freespeechdebate.com/en/.

 Internetno komuniciranje je pomemben vir za proučevanje in razumevanje ljudskega glasu uporabnikov. Pri tem ne smemo pozabiti, da je internetni vox populi še vedno le segment v javnosti, ki vključuje tiste z veščinami in motivi, da prispevajo svoj glas, in bodisi aktivno (odsotnost veščin in dostopa do tehnologije) bodisi pasivno (odsotnost motivacije) izključuje vse ostale.

http://podcasts.ox.ac.uk/series/free-speech-debate

Svoboda govora in javna razprava

  Prav tako ne smemo pozabiti, da nastajajoča »mnenjska kultura« deluje kot talilni lonec kriterijev za odgovorno javno razpravo in namesto pluraliziranja javnega govora dodatno prispeva k tabloidizaciji javnosti klasičnih elektronskih in tiskanih medijev.   Posebej pa moramo biti pozorni na argument prostega dostopa do besede. Pogosto se pravica do mnenja in vzpon mnenjske kulture, ki temelji na principu upravičenosti do lastnega mnenja brez kriterijev kritične presoje in odgovorne (samo)refleksije, odvija na ozadju pravice do svobode govora. Uveljavljanje te pravice je z anonimnostjo internetnih uporabnikov na posebni preizkušnji, kajti ob nasprotovanju cenzuri, ki smo ga sprejeli kot demokratično pridobitev, obstaja

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  V tem primeru vidimo, da se uporabnika »Diaz« in »vest« odzivata predvsem na mnenje uporabnika »a Gun face« in njegovo »komentiranje na pamet«. Pri tem se sklicujeta na dodaten novinarski vir in s tem legitimirata novinarsko delo kot tisto, ki spodbija trditev, da se novinarji ne »potrudijo in najdejo en sam trden in nesporen in potrjen dokaz v sodbi«. Prav tako opozorita, da uporabnik »a Gun face« nima internetnega dostopa do polnega prispevka,s čimer dodatno spodbijata kredibilnost njegovega komentarja. Kot v zgornjem primeru tudi tu polemika bralcu omogoča refleksijo vrednosti novinarstva in preverljivosti informacij, z žaljivim tonom, ki ga uporabljajo vsi trije uporabniki, pa lahko zazna in se identificira z družbeno frustracijo, ki jo generira ta sodni primer.

  V tem primeru lahko sklenemo, da je učinek mnenj na prvotno informacijo blago pozitiven, saj prvi komentar posredno problematizira kvaliteto novinarskega dela (ki, mimogrede, je v tem primeru izrazito tabloidne narave brez navajanja in preverjanja virov za trditve in sklepanja), ter splošno medijsko obravnavo obeh žensk, Kate in Camille, v izrazito črno-belem in stereotipnem vzorcu dobre in naivne princese ter krute mačehe. Tudi drugi komentar se postavlja na stran stigmatizirane Camille, tretji pa kaže tudi na odpor do ukvarjanja s kraljevo družino (četudi se uporabnik očitno ni mogel odreči prebiranju družabne rubrike). V zadnjem komentarju, kjer uporabnik1 polemizira z drugo uporabnico in zavrača njeno simpatiziranje s Camillo, je mogoče zaznati izraz pristnega gneva in strinjanje z novinarskim sklepanjem; a tudi v tem primeru, kot bomo videli v nadaljevanju, ni mogoče trditi, da gre za družbeno proti-progresivno in proti-demokratično razpravljanje z negativnimi učinki na javno kulturo.

– vest Diaz Tej kreteni od Guface in sofie nimajo Piana za dostop do komentarjev tako da tega sploh ne more prebrat. Drugače povedano komentirajo na pamet.

Iz polemike razberemo, da imajo registrirani uporabniki svoje mnenje tako o osebah v družabni vestički kot tudi drug o drugem. Kakšen je učinek teh mnenj na prvotno informacijo? Prispeva h kakovosti javne komunikacije in družbene participacije?

  Poglejmo še drug primer, komentiranje ob objavi sodbe v javno razvpitem primeru Patria na spletnem portalu časopisa Delo. Pod člankom z naslovom »Sodnica: Obsojeni v zadevi Patria so ravnali iz koristoljubja«, ki povzema 136 strani dolgo sodbo, ki sta jo novinarki pridobili na dan objave svojega prispevka dne 10.9.2013, je bilo do mojega pristopanja objavljenih 98 komentarjev. Med prvimi odzivi prevladujejo komentarji 3 uporabnikov: »diaz«, »gun face« in »vest« se odzivajo na članek in medsebojno komentirajo (http://www.delo.si/novice/kronika/sod nic a - o b s oje ni-v-z a d e vi- p a t r ia - s o - r av n ali-izkoristoljubja.html; pristop 11.9.2013). Navajam krajši izsek: – a Gun face ..je pa zanimivo, da ni niti Delo oz. izzvani novinarji niso zmogli osmešiti in zavrniti Janše v pozivu, naj se potrudijo in najdejo en sam trden in nesporen in potrjen dokaz v sodbi, ki inkriminira Janšo.. ..in enako vsi pionirčki, tako tukaj in tako na drugih portalih... – Diaz čuj, @.a Gun face, tlele : http://www.delo.si/ mnenja/komentarji/mozaik-tisocerih-detajlov. html = 1 konkretno vprašanje konkretno zate ! ......... ;-)) 1

Pomoč teorije za kritično razumevanje in odgovorno rabo   Kaj lahko s pomočjo obeh primerov sklepamo o demokratičnem potencialu internetnega komuniciranja? Sociologija kulture in množičnih medijev ponuja dve alternativni teoretski orodji. Čeprav izhajata iz moderne paradigme obravnave javnosti, ki se navezuje predvsem na medijsko kulturo televizije, Hollywooda in tiska, obe ponujata kritično zaledje tudi za razlago in kritično razumevanje internetnega komuniciranja in virtualnih bralnih skupnosti. • Kritično razumevanje Po prvi teoriji so množični mediji del kulturne industrije, katere namen je uporabnike narediti za pasivne in nekritične državljane, ki prostovoljno sprejemajo svojo podrejenost, neznostnost položaja pa blažijo z zabavo in nadomestno participacijo v vlogi masovnega potrošnika. Ta teorija izhaja iz frankfurtske šole in prispevkov Adorna in Horkheimerja, v popularizirani različici pa jo najdemo tudi v novejših razpravah o »družbenih učinkih« medijev in množične potrošniške kulture.   Po drugi teoriji so medijski učinki sestavljanka medijskega sporočila (oziroma teksta) in pomenov, ki jih tvorijo gledalci oziroma bralci. Ti pomeni niso enotni, pač pa so družbeno heterogeni, odvisni od socialnih, zgodovinskih, kulturnih in drugih družbenih kontekstov recepcije. Posebej

Moja raba spola uporabnikov je lahko samo arbitrarna

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3 verificiranje avtoritete javne informacije: politična, strokovna, novinarska informacija so vselej potencialno predmet javne virtualne preverbe in proti-dejstvenih argumentacij

komuniciranje dodatno omogoči z oblikovanjem anonimnega profila uporabnika. »Gostilniško« razpravljanje, kot opozarjajo mnogi, postane enakovredno strokovni razpravi v televizijskem studiu ali znanstvenemu posvetu na fakulteti.

Pasti V vsaki od teh novih priložnosti se skriva tudi past družbene pasivizacije in marginaliziranja političnih pobud in gibanj. ad 1- socialna omrežja in virtualne skupnosti lahko delujejo kot nadomestna družbena aktivnost, ki se osredotoča na partikularno in interesno ozko sfero delovanja, četudi ustvarja videz širšega javnega angažmaja; ad 2- virtualna »spontanost« in anti-hierarhična struktura lahko razpršita družbeno odgovornost in jasno artikuliranje ciljev; ad 3- najbolj vprašljiva po svoji demokratični moči; vzpon »mnenjske kulture«, ki temelji na trivializaciji vednosti in mnenjskih voditeljev s karizmo virtualnega nastopanja Ob tem velja omeniti še dve omejitvi: • omejeno število registriranih uporabnikov, ki delujejo kot tvorci javnega mnenja • neomejeno in neznano število uporabnikov in učinkov mnenj na virtualno javnost (neupoštevajoč »všečkote«)   V nadaljevanju naj se posvetim posebnemu novemu aspektu virtualne javnosti, ki sem jo poimenovala mnenjska kultura.

  Kljub temu moramo družbeni učinek ocenjevati previdno in ob upoštevanju dosedanjih znanstvenih spoznanj. Poglejmo dva primera.   Prvi primer je razprava iz družabne rubrike Bonbon na spletnem portalu časopisa Večer, objavljena dne 1.9.2013 ob novici z naslovom »Camilla od Kate zahtevala test očetovstva«. V novinarskem prispevku, ki govori o mladi družini britanskega prestolonaslednika po rojstvu sina Georgea, je navedeno: »Družinska sreča princa Williama, Kate in malega Georga bi bila skoraj popolna, če se seveda ne bi našel nekdo, katerega srečna družinica in prelestna mladenka ne bi blazno motila. Mačeha oz. tašča Camilla ne prenese, da ima Kate vso pozornost tega sveta, zatorej se je odločila, da bo kalila njen življenjski mir. Pred kratkim je namreč od Kate zahtevala naj naredi test očetovstva za malega Georga, saj želi s tem dokazati, da se po žilah malega princa ne pretaka kraljeva kri.« Prispevek se zaključi s sklepom, da si je v resnici »Camilla […] s svojo domislico naredila medvedjo uslugo, saj je s tem postala še bolj nepriljubljena v kraljevi družini, in to po vseh teh letih prilizovanja materi svojega moža.«(http://www. bonbon.si/default.asp?izdaja=1&kaj=3&id=5951693; dostop 11.9.2013).   Pod prispevkom so objavljeni štiri komentarji uporabnikov »anajtat« (obrnjeno »tatjana«?), »tatjana«, »tone« in »lipi«, ki (v tem zaporedju) polemizirajo s prispevkom in med seboj: - » Hahaha, ta pa je verjetno lovska. Kot v Grimmovih pravljicah o hudobnih mačehah.

Vzpon nove mnenjske mentalitete   S pojmom mnenjska kultura merim na prisvajanje javnega prostora komunikacije za izražanje individualnih stališč in osebnih mnenj uporabnikov interneta, prezentirana kot enakovredna avtoriziranim mnenjem. Bistvena lastnost mnenjskega govora je ustvarjanje alternativnega komunikacijskega družbenega prostora, ki avtoriteto govorca izpelje iz dejstva njegovega/ njenega uveljavljanja pravice domnenja. Konsekventno odpadeta kriterija kredibilnosti in odgovornosti do javne besede: družbeno in institucionalno verificirane poti kredibilnosti (novinarska etika, strokovna in znanstvena merila, politična odgovornost) postanejo enakovredne »zdravorazumski« in »ljudski« pameti. Delegitimaciji nadzorovanemu in preverljivemu pridobivanju informacij ustreza trivilizacija institucij odgovorne rabe javnega komuniciranja, ki jo internetno

- » Camilla nikoli ni bila deležna pozornosti,kar zameri kraljevi družini in pri 66 letih zagotovo ve zakaj se je odločila za to potezo. Camilla ni neumna, ni naivna in ni tako pokvarjena kot Kate in Lady DIANA SPENCER, ki enostavno ni vedela koga še naj spusti nase. Žal roko na srce bila je neke vrste maniak. PREVZELA JE MOŽA SESTRA, MOŽ JE IMEL RAD VEDNO LE ENO ŽENSKO, KI PO PROTOKOLU IN PO LETIH PAČ NI MOGLA BITI CHARLESOVA ŽENA ,AMPAK DRUGA. Sicer pa dovolj o tej družini, ker se mi zdi, da so vsi razen CAMILLE malo potegnjeni. - »vsi so potegnjeni, najbolj grda Camille - » Ti Tatjana si verjetno tudi taka copernca ko Kamela da jo zagovarjaš.

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samorealizacijo in re-subjektivacijo. To je internetni subjekt, ki ga opredeljujeta virtualna prisotnost in fluidna identiteta v novi, digitalni skupnosti družbenih omrežij. Priložnosti Družbene prednosti te nove virtualne skupnosti, ki jo zagotavlja internetno komuniciranje, se, tako za posameznika kot skupnost, kažejo na več ravneh, omenimo jih nekaj: Povečuje se priložnost za participacijo v javnem družbenem in političnem življenju Posamezniki, tudi tisti na margini, pridobivajo prostor za svoj glas (multi- in pluri-vokalnost) demokratizira se tok informacij (pluraliziranje javnosti)

Ksenija Vidmar Horvat

Digitalna javna kultura in vox populi

rahlja se medijski monopol in hegemonija »uradne novice« (informacija-proti-informacija, neodvisni viri)

Internetni subjekt Značaj sodobne družbe in oblike družbenih odnosov so v veliki meri opredeljene z računalnikom in internetnim komuniciranjem. V tem se naš čas ne loči od prejšnjih; ko gre za opisovanje javnega življenja in skupnosti komuniciranja, zavest -- tako kot to velja za preteklost – tudi današnjo resničnost opisuje s pomočjo tehnologije. Digitalno kulturo se v tem smislu opisuje kot najnovejšo fazo v razvoju komunikacijskih tehnologij (od ustne, pisne, tiskarske in elektronske), ki zagotovo ne bo tudi zadnja. Četudi to vemo, in glede na zgodovinski potek tudi z vse večjo gotovostjo, se od predhodnih tipov »komunikacijskih družb« ne ločimo dosti po tem, koliko revolucionarnosti pripisujemo tehnološkemu odkritju. Kot družbe in komunikacijske skupnosti preteklosti tudi naša verjame, da živimo v času prelomnih priložnosti- in prelomnih tveganj.   Predstava izhaja iz verovanja v tehnološki determinizem, ki pravi, da je tehnologija tista, ki določa obliko naše zavesti in s tem tudi načine dojemanja družbene resničnosti. Še več, tehnološki determinist bo trdil, da se zaradi tehnologije spreminja družbena resničnost in vse pogosteje se to dogaja mimo nas, celo brez naše vednosti. V tem procesu se je človek kot zgodovinski akter in tvorec zgodovine izgubil: filozofija je nedavno začela govoriti o »smrti subjekta«. Po drugi strani je na njegovo mesto stopil novi subjekt, »kiborg« in mrežni subjekt, ki mu tehnologija zagotavlja novo orodje za

  Participacija, večglasje, demokratizacija, pluralizacija in protihegemonizacija informacije prispevajo k družbeni in zgodovinski reorganizaciji in rekonstituciji javnosti. Redefinirata se koncepta javnega prostora in javne razprave, institucionalna moč in nadzor nad tehnologijo izgubljata zgodovinske privilegije.   Tehnologija zagotovo ustvarja priložnosti za opolnomočenje in emancipacijo v političnem, socialnem in emocionalno-psihološkem smislu. O tem sklepamo na podlagi novih rab, ki jih je mogoče zaznati in povezati prav s specifiko virtualnega komuniciranja. Na primer: 1 družbeno mreženje in forumi: nudijo funkcionalno socialno, emocionalno, vednostno oporo v družbi, ki so jo medijske tehnologije atomizirale, posameznika pa odtujile od skupnostnih vezi 2 politično mobiliziranje( Arabska pomlad, vstajništvo v Sloveniji): orodje za organiziranje demokratičnega uporništva, odpora in alternativnega demokratičnega razvoja v transnacionalnem in globalnem kozmopolitskem kontekstu

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upravičencev, kot pravi eno od določil zakona, morajo o predlogu glasovati poslanci v parlamentu. Ves ta proces poteka na spletni platformi »odprto ministrstvo«, za njeno delovanje pa skrbi neprofitno združenje. Vsak državljan, avtor predloga, se mora – podobno kot pri registraciji za bančno poslovanje ali poslovanje prek mobilnega telefona – identificirati, preden podpiše predlog sprememb zakona. Za sodelovanje s svojimi predlogi se mora prijaviti prek profila na Facebooku ali Twitterju. In kakšni so odzivi na ponujeno politično prizorišče? V devetih mesecih delovanja platforme se je nabralo že okrog 400 predlogov in zamisli, kako spremeniti zakonodajo. Nekaj podobnega, a bistveno manj zavezujočega je leta 2009 odprla takratna slovenska vlada s projektom “predlagam.vladi.si”, ki še deluje, a do sedaj ni imel nobenega resnega učinka na spreminjanje zakonodaje. 2. Transformacije na ravni državljanstva:   Če želimo izobražene, kritične in informirane digitalne državljane, se je potrebno vprašati tudi o tem, kako vzpostaviti kriterije za njihovo pozicioniranje znotraj obstoječe mediatizirane politike? Kako reagirati na trende po militarizaciji in komercializaciji spletnega prostora? Ko se glavnina idej še vedno osredišča okrog preživelega koncepta informacijske družbe, o varnosti in varnih rabah interneta, je še toliko težje usmerjati pozornost, ko razmišljamo in iščemo poglobljene alternative, tja, kamor je zares nujno: v koncept aktivnega državljana, odgovorno javno politiko, skupno

dobro, v emancipacijo in kritiko neenakosti. Za aktivno državljanstvo ni zadostna le tehnološka platforma, pomembna so znanje, vrednote, predvsem pa stabilne socialne in ekonomske okoliščine; ali imamo možnost udejanjati aktivno državljanstvo? Ta možnost je povezana s politično svobodo, formalno demokracijo in zavzetostjo samih državljanov. 3. Transformacije na ravni politik do tehnologije,     izobraževanja in raziskovanja: Več spodbud bi bilo potrebno usmeriti v oblikovanje interdisciplinarnih študijskih programov družboslovja, humanistike, računalništva in tehnologij. Na raziskovalni ravni bi morali odpraviti sedanje monopole in zasebnega sektorja, tudi od IT industrij zahtevati spodbude pri sofinanciranju projektov lokalnega, nacionalnega in medkulturnega značaja, ki težijo ne le k aplikaciji tehničnih sistemov, temveč k demokratizaciji obstoječih delovanj, emancipaciji državljanov ter ranljivih družbenih skupin skozi tehnološke inovacije. Na ravni razvojnih politik bi ustrezna ministrstva morala spodbujati financiranje takšnih medijskih projektov, ki bi nudila alternativo obstoječim medijskim sistemom, tako v smislu njihovih notranjih lastniških struktur, kot tudi na ravni produkcije in konzumpcije medijskih vsebin.   Bistveno večji angažma omenjenih struktur pa bi morale zahtevati sedanje in prihajajoče digitalne generacije, ki so visoko digitalno pismene, a družbeno oz politično manj aktivirane.

Viri in literatura Dahlgren, P. 2009: Media and Political Engagement: Citizens, Communication and Democracy. Cambridge: Cambridge Univ. Press. Dahlberg, L. in E. Siapera (ur.) 2007: Radical Democracy and the Internet: Palgrave Macmillan. Grossman, K. L. 1995. The Electronic Republic: Reshaping Democracy in the Information Age. New York: Viking. Lavrič Miran et al. 2010: Mladina 2010. Podatkovna baza in vprašalnik. Dostopno preko http://www.adp.fdv.uni-lj.si/, 17. 4. 2013 Luthar, B. et al. 2011: Medijska potrošnja, razred in kulturna stratifikacija: končno poročilo s sumarnikom. Ljubljana: FDV. Macpherson, C.B. 1977. The Life and Times of Liberal Democracy. Oxford: Oxford University Press. Malnar B. et al. 2012. Evropska družboslovna raziskava v Sloveniji – medčasvone primerjave 2002/2004/2006/2008/2010, v Toš, N. (ur.) Vrednote v prehodu V. Slovenija v evropskih primerjavah 2002-2010. Wien: Echoraum, Ljubljana: FDV, 47-80. Oblak, T., Prodnik, J. 2012. Pristranosti interneta in (ne)moč spletnih občinstev. Družboslovne razprave, letn. 28, št. 70, str. 51-70. Oblak, T. 2000. Elektronska demokracija in nova prizorišča političnega delovanja. V: Splichal, S. (ur.), Vreg,F. Vregov zbornik, Oblak, T. 2003. Izzivi e-demokracije . Ljubljana: FDV. Oblak, T. 2010. Preobrazbe na spletu : od infopromocijske k individualizirani politiki?. Teorija in praksa , jan.-feb. letn. 47, št. 1, str. 22-40. http://dk.fdv.uni-lj.si/db/pdfs/tip20101_Oblak-Crnic1.pdf. (Javnost, Vol. 7, supplement). str. 121-131. Sennett, R. 1992. The Fall of Public Man. London: Penguin Books.

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politične arene na lokalni, nacionalni in globalni ravni, obstaja ogromno razpravljalnih skupin, alternativnega novinarstva, blogov, nevladnih organizacij, itd., skozi katere se širijo komunikacijski prostori za politiko. Strukturno gledano se torej prek internetnih omrežij širi pluralizacija, ki pa prinaša tudi (pre)veliko razpršenost glasov. Težavo izrazite fragmentacije nepovezanih mnenj in privatiziranih komunikacijskih otokov nazorno opredeli Dahlgren (2009) kot pojav »diskurzivne izolacije«, ko pretirana razpršenost glasov in mnenj vodi v izpodrinjanje skupne javne kulture, kjer različne majhne skupine ne razvijajo več skupnih vezi (in s tem razumevanj med njimi), kar posledično onemogoča ustvarjanje zavezništev, ki bi bila politično bolj učinkovita. Takšni vase zaprte in medseboj nepovezani »informacijski kokoni« so lahko celo nevarni za zdravo demokracijo, opozarja Dahlgren.   Naslednjo pomembno omejitev predstavlja narava komunikacijskih vezi. T.i. »dnevni jaz« preko različni internetnih vmesnikov, od blogov, tvitov, facebook profilov itd. vnaša precej osebnega značaja v polje javne sfere – s tem se v javnem svetu vse bolj porajajo momenti intimizacije in privatizacije, ki s koncepti skupnega dobrega nimajo veliko skupnega. Nasprotno, vprašanje kolektivne skrbi, odgovornosti za skupno, nadomešča pozornost nase, na posameznikove potrebe in instante hipne želje. Medtem ko enakomisleče sfere pripomorejo h konsolidaciji kolektivne identitete, pa lahko tvegano promovirajo enodimenzionalne mentalitete, s tem pa se otežuje oblikovanje agonističnih civilnih kultur (Dahlberg in Sapiera 2007).   In končno, vprašanje razpršenih, fragmentiranih javnih sfer sproža tudi vprašanje povezanosti s centri političnega odločanja in oblastne moči. Razlikujemo lahko med »močnimi« javnimi sferami, kjer se sprejemajo odločitve, in »šibkimi«, ki ponujajo le možnosti za oblikovanje mnenj ali kolektivne identitete. Slednje nimajo garancije, da bo njihovo mnenje doseglo odločevalske procese, zato pa je pomembno, da se na strukturni ravni vzpostavljajo povezave in procedure, ki te komunikacijske prostore povežejo z odločanjem. Potrebne so namreč namere, ki kažejo na to, da ima tudi civilni govor neke posledice: blog navadnega državljana je spregledan, medtem ko je vsak še tako neumesten tvit političnega veljaka večkrat omenjen v klasičnih medijskih sporočilih.

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Sklepne misli V kontekstu tega boja med samo-izražanjem internetne javnosti in samo-utrjevanjem moči političnih elit zato ne čudi, da gredo odzivi vladajočih centrov moči stran od prvotnih načel interneta v smer t.i. »nacionalizacije« globalnega omrežja. Idej in konkretnih poskusov, kako na »divji« splet vpeljati princip »državne suverenosti« in posledično omejiti spontano vrenje in kreativnost na ravni državljanskih ali nad nacionalnih pobud sploh ni malo. 5 Da tovrstna ideja ni lokalno zamejena, kaže tudi zadnji svetovni kongres Mednarodnega telekomunikacijskega združenja v Dubaju, kjer je blok držav predlagal vpeljavo novega pogleda na internetno omrežje: skozi diskurz o »nacionalnem segmentu interneta« se namreč zelo elegantno vpeljuje poskus regulacije interneta znotraj nacionalnih držav.6   Pri iskanju morebitnih predlogov rešitev je zato nujno potegniti ločnico med tehnološkimi potenciali in kompleksnimi družbenimi dejavniki, ki vplivajo na spodbujanje ali onemogočanje teh potencialov. Za svobodo govora zato ni ključna razvitost internetne infrastrukture, bistveno bolj določujoča je vloga politične kulture, (ne)delovanje pravne države in stanje v širši družbeno-politično klimi. Internet zagotovo igra pomembno, a komplicirano vlogo v politiki. Znotraj strankarske politike imajo sicer tradicionalni mediji še velik pomen, a raba interneta narašča, še posebej v času kampanj in kar se dogaja na spletu pomembno učinkuje tudi na poročanje »klasičnih« medijev o strankarski politiki. Za učinkovitejšo transformacijo političnih procesov, ki bi jih tvorno podpirale računalniške tehnologije, bi bile predhodno potrebne nekatere druge transformacije na različnih ravneh: 1. Transformacije na ravni političnih struktur:   Brez sprememb znotraj trajnih in težko spremenljivih proceduralnih postopkov, zakonodajnih teles in procesov odločanja, ki so podrejeni logiki strankarske parlamentarne demokracije, se težko uveljavijo ideje o deliberaciji, ki gradi na moči argumentov in konsenzualnem odločanju o javnih problemih, kjer sodeluje v problem neposredno vpletena skupnost (ne pa lokalno determinirana politična skupina). Primer dobre prakse, ki skuša politično delovanje obrniti v to smer, ponuja finsko Odprto ministrstvo in njihov zakon o državljanski pobudi, ki daje ljudem novo možnost, da sami predlagajo in sooblikujejo zakone. Če neki predlog v pol leta dobi 50 tisoč glasov podpore volilnih

5 Tipičen primer tovrstnega odziva je nedavni policijski nadzor nad slovenskimi uporabniki facebooka, ki naj bi pozivali oz. organizirali zimske vstajniške proteste konec leta 2012 in v začetku 2013. 6 Predlog je bil zavrnjen (tudi zaradi specifičnih ameriških interesov), a to ne pomeni, da nadzornih nacionalnih sistemov ni, nasprotno, vse več investicij je usmerjenih v razvijanje pogojev za »kiber-varnost« in reševanje »kiber-konfliktov«, kar nekateri analitiki označujejo kot militarizacijo področja, ki pomembno spreminja kulturo zasebnosti na spletu, anonimnosti in svobodnega izražanja.

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družbene klime in tesno vpete v vsakdan: po podatkih empirične raziskave Kultura in razred (Luthar et al. 2011), ki je potekala v dveh največjih slovenskih mestih - v Ljubljani in Mariboru, uporab-niki najpogosteje prenašajo s spleta glasbo in film, poslušajo radio, plačujejo položnice in nakupujejo; najmanj popularni praksa sta objavljanje blogov in pošiljanje novic v spletne medije. Spletne prakse pa niso prisotne v praznem prostoru prostih izbir. Nasprotno, danes splet obvladujejo multi-nacionalne korporacije, ki obstajajo s pomočjo nevidnega dela milijonov internetnih uporabnikov. Na spletu zaokrožajo akcije posameznikov giganti, kot sta Facebook in Google (Oblak in Prodnik 2012), ki tudi v Sloveniji nastopata kot storitvi z največjim dostopom.  Zelo pomemben strukturni kontekst zadnjega desetletja so tudi spremembe na ravni zaupanja v politične institucije in participatorne prakse državljanov (glej Toš et al. 2012). Podatki iz raziskav Slovenskega javnega mnenja (SJM) za obdobje v letu 2002 denimo kažejo, da je bilo zaupanje državljanov v izbrane politične akterje in institucije nizko, a večje kot danes: leta 2002 je nezaupanje državnemu zboru izrazila četrtina vprašanih (25,2 %), medtem ko je leta 2010 takih že skoraj polovica (43 %). Nezaupanje v politične stranke je leta 2002 izrazilo 38 % vprašanih, leta 2010 pa je stopnja nezaupanja že večinska (57 %). Politikom l. 2002 ni zaupalo 41 % vprašanih, medtem ko je takšnih leta 2010 več kot polovica - kar 57% (Malnar et al. 2012: 52-53). Večje nezaupanje pa paradoksalno – sproža tudi večje zanimanje za politiko: podatki namreč skozi čas kažejo, da se zanimanje za politiko sicer zanemarljivo, a rahlo povečuje.   Kako pa mladi zaznavajo svoj vpliv na politične dogodke? V zadnji raziskavi Mladina 2010 se kar dve tretjini mladih v Sloveniji strinja, da se na politiko ne razumejo. Več kot dve tretjini mladih je do ciljev in namer politikov skeptičnih, večina je prepričanih, da nimajo na oblast nobenega vpliva, še več jih vidi politične zadeve precej odmaknjene od lastnih mnenj. Manjše zaupanje v politiko in večji občutek nemoči v odnosu do etablirane institucionalizirane politike se nadaljuje tudi v negativni percepciji lastne moči za vpliv na družbene spremembe nasploh (podrobneje v Lavrič et al. 2010).   Razumevanje trendov v korist nezadovoljstva v politični sistem, povečanega občutka odtujenosti in razmaha populizmov je smiselno umeščati v

spremenjen medijski komunikacijski prostor: vse večja politizacija in intimizacija medijskega prostora, ki se kaže v porastu infotainment žanra in vplivu politike ter kapitala na medijski sceni. Politične stranke obvladujejo spletne prostore za svoje politične agitacije in prek lastnih portalov narekujejo javni prostor informiranja in novinarskega poročanja. Na drugi strani se širijo novi spletni servisi v obliki blogov in alternativnih medijev, ki prinašajo nove prostore »državljanske participacije« in pomembno spreminjajo odnos do občinstev, saj dajejo glasove tistim, ki jih v sistemu tradicionalnih medijev nimajo. A medijsko pozornost v bistveno večji meri dosegajo politični pamfleti na spletu, danes v obliki senzacionalističnih tvitov, kot pa alternativni pogledi stroke, civilne družbe ali posameznih državljanov.   A tudi premik v aktivno produkcijo spletnih sporočil ni samoumeven. Kot kažejo podatki, je znotraj EU in Slovenije značilen predvsem za mlade – 4/5 mladih (80%) med 16 in 24 let v EU to počne, v Sloveniji je ta delež kar 90%, a s starostjo strmo pade (46% od 2554, 29% od 55-74). 3 Kot kažejo rezultati že omenjene raziskave Mladina 2010, je med najpogostejšimi “političnimi” praksami na spletu med mladimi ena bolj preprostih oblik podajanja “glasu” - podpis peticije, ki se je s spletnim omrežjem bistveno poenostavil in razširil med internetne uporabnike: približno dve četrtini (76 %) mladih je to že naredilo ali verjetno bi, demonstracij bi se udeležilo 55% mladih, mnenje na spletnem omrežju bi objavilo 40%, s politiki pa bi stopilo v stik le petina mladih (20%). 4 Zahtevnejša oziroma manj anonimna kot je posamezna oblika javnega delovanja, manj je pripravljenosti zanjo, tudi med mladimi.     A obenem se pri realizaciji angažiranega državljana soočamo tudi z drugimi, splošnejšimi ovirami, ki so bistveno bolj kompleksne: ujetost v pasivno popularno kulturo, invazijo potrošništva ter marketizacijo javne sfere ter vse večjo intimizacijo političnega prostora. Omejitve niso nič manj pereče tudi na spletu. Naraščajoča raznolikost in fragmentacija javnih sfer na spletu naj bi spodkopala komunikacijske vzorce, ki so ključni za delovanje demokracije. Četudi je določeno spletno mesto običajno vsem dostopno, pa način selekcioniranja spletnih mest ni – vzorci izbire namreč oblikujejo skupine bolj pogosto obiskanih strani. Ta materialna pristranost interneta (Oblak in Prodnik 2012) v veliki meri determinira posameznikove izbire. Nadalje obstaja na tisoče spletnih mest, ki se dotikajo

3 Podroben opis raziskave in rezultatov je dostopen na http://www.mizks.gov.si/fileadmin/mizks.gov.si/pageuploads/ Informacijska_druzba/pdf/EKDS_porocilo-V2-1021.pdf. 4 Tudi nedavna anketa na manjšem vzorcu slovenskih študentov (n=143) je pokazala presenetljivo skromno politično udeležbo s pomočjo spleta: politično stransko je v zadnjem letu “všečkalo” le 16 % študentov, 18% se jih je priključilo kakšni politični skupini prek omrežij, blog je objavila slaba petina študentov (21%).

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vprašamo o morebitnih izhodih ali rešitvah, ki bi vodile v revitalizacijo starih vizij o internetni tehnologiji kot prostoru javno dostopnega, komunikacijsko emancipatornega in demokratičnega delovanja. Pozicioniranje in vizije e-demokracije   Kako torej danes reflektirati ideje o e-demokraciji? Prvič, kar velja poudariti, je da vizije e-demokracije niso nove, in drugič, da resnejše teoretske podobe e-demokracije niso enovite, saj se v ključni točki razlikujejo v samem razumevanju demokracije oz samega političnega sistema, ki naj bi se skozi internetna omrežja vzpostavil (Oblak 2003). Zgodnji bipolarni distinkciji med zagovorniki e-demokracije kot neposredne oblike demokracije, torej kot radikalnega obrata stran od reprezentativnega modela demokratičnega sistema in e-demokracije kot dopolnila obstoječim reprezentativnim praksam so se s koncem 90. let na ravni znanstvenega diskurza pridružile bolj poglobljene ideje o participativni in deliberativni demokraciji. Participativna demokracija ni v konfliktnem razmerju do predstavniškega modela, nasprotno, njeni utemeljitelji celo razumejo kot kombinacijo enega in drugega, a obenem poudarjajo potrebo po radikalni prenovi ključnih institucij političnega predstavništva. Vključevanje tehnologij v ta razmerja ni sporno – kot pravi Macpherson že davnega 1977: »Z vključitvijo večjega števila ljudi prek dvosmerne televizije ali računalnikov se nekaj lahko spremeni, a zdi se neizogibno, da nekakšno vladno telo odloča o tem, kaj so pomembna vprašanja, tega ne moremo popolnoma prepustiti zasebnikom« (Machperson 1977: 95).   Vloga interneta v demokraciji je v dolgi dobi njene »zgodovine« raziskana iz različnih vidikov in podani so različni odgovori nanje. Nekateri zgodnji argumenti so poudarjali, da bo vloga interneta v demokraciji bolj ali manj skromna. Ta pristop je zagovarjal tezo, da bodo glavni politični akterji sicer vključeni v spletne kampanje, lobiranja, oblikovanje politik itd, a v splošnem bo politično prizorišče ostalo bolj ali manj enako. Alternativni pristop prvemu pa je izpostavljal, da demokracijo kot sistem čakajo pomembne spremembe spričo družbeno-kulturnega razvoja, h kateremu se v veliki meri pridružujejo tudi mediji. Ta pristop postavlja internet v ospredje medijskega razvoja in ga dojema kot ključni vir političnih sprememb. Konceptualno gledano so smernice idejnih in praktičnih poskusov z modeli e-demokracije osredotočene na možnosti za opolnomočenje državljanov in pojav novih oblik demokratičnih modelov odločanja. Nekateri opazovalci celo menijo, da ima splet odločilno vlogo na področju alternativnih politik, saj je postal nenadomestljiv pri razširjanju t.i. »issue politics«, spletnega aktivizma in družbenih gibanj. Poleg sprememb na ravni

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političnih institucij naj bi odločilno vlogo imel pojav bolj vključujočega in interaktivnega komuniciranja med državljani in oblastjo, posledično pa drugačno razumevanje funkcije in delovanja državljanstva. Grossman, goreč zagovornik e-demokracije kot vstopa v neposredno obliko demokratičnega sistema odločanja, je že pred več kot 20 leti nazorno napovedal pomemben obrat: »Državljani ne bodo samo izbirali, kdo jim bo vladal, pač pa bodo imeli vedno več možnosti neposrednega sodelovanja pri oblikovanju zakonov in politik, na podlagi katerih bodo vodeni. Z uporabo vedno bolj sofisticiranih, dvosmernih telekomunikacijskih mrež bodo člani javnosti pridobili svoj lastni stol za omizjem politične moči« (Grossman 1995: 4).   A zagovorniki participativnega modela e-demokracije opozarjajo na pomembne okoliščine, ki so ključne za uresničevanje mnogih tehnoloških potencialov pri revitalizaciji demokratičnih pro-cesov v javni sferi: prvič, za širitev sodobnih tehnologij v polje političnega delovanja ni dovolj le zagotavljati dostopa do tehnologij, temveč je potrebno državljanom zagotoviti tudi preprost sistem delovanja in interaktivnost komunikacije med političnim sistemom in civilno družbo; drugič, vlogo državljana je potrebno revitalizirati, jo približati zahtevam in potrebam sodobne družbe; in tretjič, potrebno je stimulirati vstop državljanov v procese odločanja. Kritiki ali skeptiki pa opozarjajo predvsem na omejitve, ki tovrstne napovedi otežujejo. Tehnologija namreč nastopa tudi kot zaviralec politične participacije, na političnem delu spleta še vedno prevladuje neinteraktivna logika delovanja, ki je obrnjena »samo vase«, medtem ko se zahtevni kriteriji deliberativnega komuniciranja na spletu v praksi težje realizirajo, tudi spričo razširjene kulture anonimnega delovanja v javnem, ki namesto kulture odgovornega izrekanja mnenj goji kulturo sovražnega govora, medsebojnega izključevanja in javnih razžalitev. Družbene omejitve in (ne)uresničitve tehnoloških potencialov   Tehnologija ni zdravilo za družbene bolezni, nasprotno obstajajo celo konfliktni pogledi na politično vlogo tehnologij. Splet ima vgrajene določene emancipatorne potenciale - lahko ponudi prostor političnim gibanjem in protestom, ki zahtevajo decentralizacijo moči, odgovorne vladarje, lahko igra pomembno vlogo pri razvoju sodobnih alternativnih političnih gibanj, predvsem na ravni zagovora človekovih pravic, varovanja okolja in trajnostnega razvoja; poleg tega daje uporabniku velik občutek moči, saj intenzivira informacijsko mreženje in politično mobilizacijo.   Toda današnje spletno prizorišče in dominantne prakse na njem, ki jih uporabniki izkoriščajo, so odsev

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pospešil prehod pomembnih političnih institucij in njihovih predstavništev na splet.

Tanja Oblak Črnič:

Izzivi e-demokracije: 2003-2013 V prispevku izhajamo iz teze,1 da je premišljevanje o smernicah družbenega razvoja in spremembah na ravni političnega sistema v smeri e-demokracije nujno ujeti v nekem času ter prostoru in premisleke tesno povezati z medijsko kulturo in komunikacijskimi specifikami sodobne digitalne dobe. Gledano v slovenskem kontekstu se primerjalni razrez zadnjih 10 let ponuja kot dobro izhodišče za refleksijo današnjih praks in morebitnih sprememb, ki naj bi jih nove tehnologije vnašale v prostor političnega komuniciranja in širšega javnega delovanja.   Na ravni Slovenije je še pred desetletjem govor o e-demokraciji deloval kot utopična teoretska fascinacija, ki z realnim družbenim in političnim življenjem nima veliko skupnega. A paradoksalno je tedaj politična sfera poznala svojstveno uradno politiko o prihodnosti in izzivih z informacijsko tehnologijo vse bolj prežete družbe, ki pa je ob približevanju v evropsko skupnost bolj sledila narekom tehnokratske, poslovno oz ekonomsko naravnane ideje o informacijski družbi kot razvijala lastne specifike in dolgoročne cilje. Na politični ravni se je ta prvotni zagon manifestiral v posebnem Ministrstvu za informacijsko družbo, kar je tedaj veljalo za evropski unikum, ki je vendarle

  Gledano skozi politično internetno prizorišče, je takratno obdobje »politične virtualne sfere« še čas, ko se splet izkorišča bolj za informacijsko promocijo in komunikacijsko reducirano enostransko predstavitev političnih akterjev in državnih organov (Oblak 2000). Šlo je za obdobje, ko so klepetalnice in diskusijski forumi edini prostori za emancipacijo javnega mnenja in ko se v raziskavah o e-demokraciji v Sloveniji kažejo prve kritične ocene in trezna pričakovanja takratnih zgodnjih adopterjev interneta: slednji namreč trdno verjamejo v demokratične potenciale novih tehnologij, a od političnih akterjev pričakujejo večjo, bolj transparentno in redno odzivnost prek interneta (Oblak Črnič 2010). Desetletje kasneje v polju politike, samostojnega ministrstva nimamo več, smernice o družbeno-političnem razvoju tehnologij vodi Direktorat za informacijsko družbo znotraj Ministrstva za šolstvo, kulturo in visoko-šolstvo. Vse več pozornosti se usmerja v regulacijo telekomunikacij in nadzor ali varnosti na internetu, kar dokazuje tudi seznam prioritet omenjenega Direktorata. 2 Družbeni, politični in ekonomski kontekst se je v tem oziru zdel v preteklosti kot nalašč za oblikovanje novih vzorcev političnega komuniciranja skozi prihajajoče tehnološke potenciale, pa se kljub strokovni spodbudi veliki premiki na političnem parketu niso zgodili.   V prispevku zato najprej razgrinjamo različne vizije e-demokracije ter ključne razloge za ne udejanjene potenciale politične participacije na internetu, ki krepko presegajo nacionalne okvire posamezne državne ureditve. Omejitve so na eni strani rezultat pomembnih tehnoloških transformacij, ki so v komunikacijskem smislu namesto k revitalizaciji javne sfere na spletu pripeljale v smer, ki jo je nakazal že Sennett (1992) z idejo o kolonizaciji intimnega v javnem prostoru in posledično umiku »javnega človeka«. Vse bolj intenziven prehod mobilnih in spletnih družbenih omrežij v ključne strukture družbenega življenja je prenesel mnoge karakteristike vsakdanjega življenja v javne, tehnološko posredovane prostore. Spletna mesta, blogi, družabna omrežja, tviti, so opremljeni z vizualnimi podobami in promocijskim diskurzom potrošne kulture, ki sega tudi v sfero političnega prostora. Na drugi strani so omejitve tesno povezane z drugim paradoksom, ko postajajo globalna tehnološka omrežja vse bolj fragmentirana in lokalno zamejena, kar krči medsebojno izmenjavo mnenj, pogledov in pozicij. V luči navedenih omejitev se na koncu

1 Prispevek je nastal kot podlaga dveh javnih razprav: javnega pogovora na temo Političnega sistema in demokracije v okviru Sociološkega društva marca 2013 in okrogle mize na simpoziju Filozofske fakultete maja istega leta. Pisna verzija je razširjena in prirejena namenom tukajšnje publikacije. 2

Seznam je dostopen na http://www.mizks.gov.si/si/delovna_podrocja/direktorat_za_informacijsko_druzbo.

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Google, prikazane prednostno in po tej poti dosežejo tudi uporabnike, ki jim pred tem morda niso bile znane; premaknejo se torej navzgor. Ta proces domnevno pospešijo še družbena omrežja, kot sta facebook in tviter, na katerih se lahko že brez večjega truda ustvari hiperpovezave na spletne strani, posnetke itd. in se jih deli z drugimi. Pri tem lahko pogosto koristi tudi kreativnost internetnega protesta: primeri za to so meme, ki dogajanje ponazorijo tudi vizualno in govorijo o njem v vedno novih variacijah. Druga različica je adbusting, ki uveljavljene znamke, kot je npr. Coca-Cola, postavi v kritični kontekst.   Znanost kritično ugovarja, da naj bi internet podpiral »mešanje javnosti in zasebnosti, stvarnega in emocije« (Klaus Meier). Internet naj bi poleg stvarnega razmisleka posredoval tudi vale ogorčenja, denimo kadar hitre čustvene reakcije izbruhnejo v nestvarne »shitstorms«.1 To lahko pojmujemo kot zbir »zasebnih javnosti«, ki pripomorejo k povišani prepustnosti neuveljavljenih, a tudi emocionalno prežetih tem, mnenj in vrednotenj. Tokovi novic v »social web« so pri večini omrežij filtrirani v skladu z vsakokratnimi krogi prijateljev in z lastnimi preferencami. Komunikolog Jan Schmidt rezultat tega skupinsko obarvanega izbora vsebin imenuje »zasebne javnosti«, ki se oblikujejo v prijateljskih krogih okrog posameznega uporabnika. 2 Odločilni za objavo komentarjev in lastnih razpoloženj sta individualna pomembnost in pričakovana razpravljalna vrednost nekega lastnega prispevka s perspektive uporabnika, ki je vsebino prispeval. Ravno na spletišču, kot je facebook, ne gre zgolj za golo objavljanje, temveč tudi za sprožanje nadaljnje komunikacije. V tovrstnih uporabniških krogih ima neka splošna družbena pomembnost manjšo vrednost v prid osebnemu kriteriju pomembnosti za določeno publiko.

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naj torej ne bi obstajala. Razdrobljenost zmanjšuje verjetnost, da so pomembne teme v spletni javnosti dejansko filtrirane in da v nadaljnjem političnem procesu ali s pomočjo političnih predstavnikov najdejo pravega naslovnika. Kot posledica preti vse večja polarizacija: če se politična komunikacija internetnih uporabnikov omejuje predvsem na izmenjavo v mnenjsko enakih skupinah, se bodo konflikti utrdili že samo s tem, da se drugačnim mnenjem sploh ne bo več prisluhnilo. S pomočjo interneta naj bi se torej družba pravzaprav bolj razhajala kot povezovala. Rezultat bi bil primerljiv z mnenjskim mehurčkom. V nasprotju s tem pa že prej omenjene ugotovitve kratko in jedrnato pokažejo, da se večji del uporabnikov usmerja tudi v razširjene medijske znamke na spletu, kar, glede na rezultate, prejkone ugovarja predpostavljeni razdrobljenosti. Spletne niše, po katerih se gibljejo uporabniki, novi medij opišejo zgolj nepopolno.   Drži pa, da je internet politično komunikacijo že spremenil: internet, ki nikoli ne počiva, sili akterje k temu, da nenehno spremljajo tokove informacij in so zmožni reagirati. Računati je treba tudi z ugovorom in močnejšimi izzivalci. Internet številnim družbenim skupinam odpira širše medijske strukture za politično participacijo. Številne možnosti za soudeležbo in večjo vidnost v spektru akterjev verjetno ne bodo političnih diskurzov le širile, temveč jih bodo v bodoče vodile tudi v bolj transparentne debate.

  Te procese spodbujajo tudi algoritmi, ki osebne izbore spričo stalno naraščajočega števila kontaktov razširjajo naprej. Ali s tem nastaja t. i. filter bubble, torej pretežno homogeni mnenjski mehurček, kot to opisuje spletni aktivist Eli Pariser, je predvsem odvisno od tega, katere nastavitve lahko uporabniki v svojem omrežju izberejo in koliko se sploh zavedajo tovrstnih avtomatiziranih načinov izbire. »Filter bubble« se lahko po ovinkih primerja s starejšo tezo o razdrobljenosti. Ta pravi, da poplava informacij in raznolikost opcij na internetu v splošnem pospešujeta razčlenjenost uporabnikov in s tem razdrobljenost digitalne družbe (»babilonski ugovor«). Skupna spletna javnost, preko katere bi lahko dosegli domala vse družbene skupine, 1 Klaus Meier, Alte und neue Formen politischer Öffentlichkeit, in: Michael Schröder (Hrsg.), Die Web-Revolution: Das Internet verändert Politik und Medien, München: Olzog, 87-106, 105. 2

Prim. Jan Schmidt, Das neue Netz. Merkmale, Praktiken und Folgen des Web 2.0. 2., posodobljena izdaja, Konstanz: UVK,

2011, 107–134.

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vprašanih so v isti študiji navedli, da so bili kdaj že člani kakšne kampanje. Rezultati med navedenimi študijami so delno neenotni. Kljub temu pa lahko v splošnem zaključimo, da starost, spol, vnaprejšnje zanimanje za politiko in stopnja izobrazbe (s tem pa posredno tudi pripadnost družbenemu sloju) vplivajo na intenzivnost politične soudeležbe na internetu.   Kljub omejeni uporabi in produkciji na političnem so-spletu ne smemo zaobiti dejstva, da so angažirane uporabnice in uporabniki zdaj dobili možnost, da sodelujejo v javnih diskurzih. Na ta način so dobila svoj glas tudi neuveljavljena mnenja in specifični pogledi, ki so bili nekoč zaradi pogojev množičnih medijev z njihovo omejeno kapaciteto tiskane površine in določenih časovnih okvirjev oddajanja prezrti oziroma so potrebovali spektakularni povod, da so vzbudili zanimanje širše javnosti.   Raznolikost v komunikaciji soudeležbe skoraj nima meja: vanjo se lahko vključijo zainteresirani uporabniki tudi tako, da sami ali v skupini objavijo, denimo posnetke protestov na video portalu, kot je YouTube, mnenjski prispevek na blogu ali zgolj komentirajo politične članke na straneh z novicami. Vsaka od oblik soudeležbe je pri tem različno zahtevna: v večini primerov medijski aktivizem vsekakor zahteva večji napor od klika z miško. Kampanje, ki promovirajo soudeležbo, so v posameznih primerih, tudi že v Nemčiji, uspešne: portal Campact.de v okviru različnih akcij (npr. proti genski tehnologiji) povezuje kakšnih več deset tisoč prostovoljnih aktivistov. Na portalu lahko poleg soudeležbe pri pozivih, naslovljenih na odgovorne, uporabniki tudi finančno prispevajo, razširjajo akcije s pomočjo posredovanja po družbenih omrežjih in še mnogo več. Raziskave so izsledile, da predvsem neuveljavljene in v političnem vsakdanu po moči zapostavljene skupine pogosto prej kot ostali posežejo po možnostih interneta. Vendar pa mnoge inovativne elemente protestnih kampanj na spletu sčasoma prevzamejo bogatejši in bolj uveljavljeni akterji. V tej povezavi se govori tudi o tezi normalizacije, ki čez čas napoveduje izenačitev prvotnih prednosti novih načinov uporabe in vse večjo profesionalizacijo. V splošnem se pojavi težava zato, ker lahko internet vidno mesto dodeli tudi ekstremističnim stališčem. Če se po eni strani poudarja emancipacijska narava novih medijev, je po drugi strani videti, da njihove prednosti pogosto izkoriščajo tudi izzivalci in nasprotniki civilnodružbenih skupin. Zaradi umanjkanja normiranja mnogih internetnih formatov, ki pred objavo niso uredniško pregledani, se zgodi, da včasih pride do odkritega sovražnega govora. V   Nemčiji državna služba za zaščito mladostnikov na internetu, jugendschutz.net, na spletu beleži pojav rasizma in skrajno desničarskih vsebin. Skupno je bilo

leta 2012 evidentiranih več kot 7000 objav, od tega večji del v družbenem omrežju. Pomembni platformi sta predvsem Facebook in YouTube, ker ponujata prostor za stik z mladostniki. Sicer pa se tovrstne vsebine na opozorilo, naslovljeno na nemške urade, naknadno izbriše. Občasno se pojavijo tudi primeri govoric in teorij zarot, ki dolgo krožijo po družbenih medijih. Tako je v delu nemške »blogarske sfere« nekaj mesecev visela govorica, da se je žena nekdanjega nemškega predsednika ukvarjala s prostitucijo.   Ponudnikom družbenih omrežij nefiltrirane informacije na eni in »digitalna neenakost« v sestavi soudeležencev na drugi strani povzročajo številne težave. To so kamni spotike: lahko ovirajo potek načel sodelovanja, ki jih imenujemo »modrost mnogih«, hkrati pa naj bi filtracijo najboljših vsebin omogočili šele po objavi.   Izzivi pa so tudi na uporabniški strani, torej na strani golega sprejemanja političnih informacij na internetu. Na splošni uporabniški ravni smo sicer že pokazali, da politične vsebine s pomočjo interneta doslej dosegajo le določeni del prebivalstva. Konkretne raziskave dejanske uporabe ponujenih vsebin pa kažejo, da je že prisoten interes med mnogimi potencialnimi ponudniki na internetu tendenčno neenakomerno porazdeljen. Uporabniki prednostno priklicujejo predvsem novičarske portale z velikim dometom, tudi če zgoščenost v primerjavi s tradicionalnimi medijskimi trgi ni tako močna. Drugače, kot bi pričakovali od neomejene informacijske raznolikosti in narave spleta, je pretok informacij pretežno usmerjen: po statistiki strokovne zveze BITKOM je samo deset najbolj priljubljenih nemških novičarskih spletnih strani v letu 2011 beležilo 7,3 milijardni obisk. Spletne ponudbe časnikov Bild (2,1 mrd. obiskov) in Spiegel Online (1,75 mrd. obiskov) so še posebej uspešne.   Meritve zgoščenosti pa ne slonijo le na primerjavi neposrednih klikov na neko spletno stran, temveč tudi na podlagi informacij, ki jih uporabniki delijo v družbenih omrežjih »social web« in jih posredujejo svojim osebnim stikom. Ali tukaj res velja pravilo: »Kdor ima, temu se da«? Tak zaključek bi bil najbrž prenagljen. Zanimiva je dinamika, ki so ji podvrženi vzorci delitve pozornosti. Kako se torej sčasoma spreminja spekter javno prepoznavnih akterjev v družbenih omrežjih? Zakaj se od časa do časa posreči tudi posameznikom, da na primer z neko protestno akcijo požanjejo uspeh, ali da neka tema ali dogodek dobi podporo v širši medijski javnosti?   Zanimive vsebine, ki pritegnejo nekatere uporabnike in v najkrajšem času večkrat zakrožijo po spletu, si lahko hitro pridobijo večjo vidnost zadetka. Večkrat posredovane vsebine so s pomočjo iskalnikov, kot je

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obsegu, postane bolj razvidno, če se osredotočimo na tiste uporabnike, ki se sami vključujejo v oblikovanje političnih vsebin.   Raziskave politične komunikacije se predvsem zanimajo za to, v kolikšni meri internet okrepi mobilizacijo na ravni informacijskih in participacijskih dejavnosti. Bogastvo možnosti za soudeležbo napelje na tezo, da lahko internet pripomore k mobilizaciji doslej neaktivnih oseb, torej da vodi v absolutni prirastek družbene soudeležbe. Ta domneva pa je pogosto soočena z ugovorom, da se s tem v družbenem angažmaju zgolj krepi že tako in tako politično aktivne osebe. Zaradi t. i. reinforcementa naj bi se prepad med politično aktivnimi in neaktivnimi ali nezainteresiranimi državljani s pomočjo medijev še poglobil. Empirični rezultati pa govorijo kvečjemu v prid omejeni selektivni mobilizaciji. Še naprej prednjačijo politično privilegirane skupine ljudi, ki že tako in tako kažejo politični interes. Na tem mestu pa je zanimiv aktualni razvoj na družbenem spletu: že s spletno študijo televizijskih mrež ARD/ZDF ugotovljeni omejeni neposredni domet spletnih platform, kot sta Twitter (7 %) in Weblogs (16 %), med nemškimi internetnimi uporabniki, prikazuje, da delež teh, ki informacije tudi sami oblikujejo, doslej obsega le manjšino uporabnikov. Kljub temu pa se je domet v primerjavi z leti poprej občutno povečal. Večji interes po razširitvenih kanalih v družbenem omrežju je moč zaznati predvsem pri mlajši populaciji. Če pa govorimo o splošnem zanimanju za politične informacije in o splošni politični soudeležbi, pa moramo starostno strukturo upoštevati zelo diferencirano. Tukaj lahko opazimo, da ustaljene oblike politične participacije, ki pred-postavljajo dolgoročno navezavo ali članstvo, v zahodnih deželah izgubljajo svoj pomen. Manj kot

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desetina državljanov se, denimo v Nemčiji, vključuje v politične stranke. Študija fundacije Bertelsmann prikazuje starostne razlike glede na oblike »online« in »offline« participacije. Rezultati kažejo zlasti pri mlajših uporabnikih nižji delež »offline« aktivnosti. So pa mlajši tisti, ki izvajajo predvsem alternativne, spletno podprte oblike participacije. Potemtakem lahko predpostavljamo, da bodo na podlagi svojega uporabniškega profila prek spletnih kanalov tudi v bodoče dosegljivi in se jih bo dalo mobilizirati. Internet, torej predvsem družbena omrežja tako pridobivajo na pomenu.   Na internetu pa ne razpravljajo le uporabniki med seboj, temveč je mogoče neposredno nagovoriti tudi politike in strokovnjake. Poleg tega lahko uporabniki podpisujejo peticije (npr. na epetitionen.bundestag. de). Sicer se na nemškem internetu eksperimentira s participativnimi oblikami – aktivno soudeležena pa je, po pričakovanju glede na statistike splošne uporabe, doslej le manjšina. Kompleksnejše ali kognitivno zahtevnejše oblike soudeležbe, ki od posameznika terjajo več napora, so med uporabniki manj razširjene. Bertelsmannova študija kaže, da je le 6 % vprašanih že kdaj naslovilo elektronsko sporočilo na katerega od poslancev. Tudi komentarji na straneh s političnimi novicami (5 %), na forumih in klepetalnicah (4 %) kakor tudi na družbenih omrežjih, npr. na facebooku (4 %), so manj pogosti, kot to sugerirajo medijske razprave o tem. Predvsem med mladimi, torej med ljudmi, starimi med 18 in 29 let, so – v skladu z rezultati poročila BITKOM – družbena omrežja priljubljena zato, da se politične vsebine »všečkajo« ali posredujejo naprej (42 %). Popularna je predvsem kratkoročna izmenjava in soudeležba. Manj razširjene so v nasprotju s tem politične internetne kampanje: samo 3 % vseh

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V nasprotju s pričakovanji, ki jih delno vzbujajo medijske debate o digitalnem protestu, znanost bolj trezno obravnava soudeležbo na spletu in njegovo vlogo v političnih procesih. Kako se torej za državljanke in državljane načelno spreminjajo pogoji politične komunikacije? Na kakšen način se že uporablja nove možnosti? Katere politične učinke medijev lahko pripisujemo internetni komunikaciji?

Christian Nuernbergk

Digitalni protest, digitalna participacija – demokratična spletna javnost? Cel svet goji upanje, da lahko internet s svojo skoraj neovirano dostopnostjo in visoko zmožnostjo interaktivnega delovanja vzpodbuja politično udeležbo in s svojo odprtostjo oplemeniti politično kulturo. Toda te vizije niso tako nove kot družbene storitve na internetu, ki jim te zmožnosti danes pripisujemo: o odprtih strukturah se je sprva govorilo že v povezavi s preteklimi mediji, denimo ob alternativnem tisku. Po drugi strani pa diskurz o internetu poteka amplitudno. Vselej se navezuje predvsem na tehnične inovacije in preverja njihov potencial za spremembo javnosti. Presenetljivi ključni dogodki, ki pozornost kot skozi zbiralno lečo usmerjajo v razvojne dosežke na spletu, nudijo prilike, da se zmožnosti še vedno oblikujočega se medija na »novo« definirajo. V tem oziru najbrž kljub temu ne preseneča dejstvo, da so že na sredini devetdesetih let na pobudo vodilnega spletnega misleca Johna Perryja Barlowa sprejeli Deklaracijo o neodvisnosti kiberprostora. Po odprtju interneta in dostopnosti prvih predalov elektronske pošte so bili že v osemdesetih letih dejavni okoljevarstveniki in mirovniki, ki so se med sabo povezali v mrežo in razvijali protikulturne ideale. Danes sta se krog in kontekst uporabnikov znatno razširila, toda globalni, s spletom podprti protesti (#gezipark) in delno tudi osamosvojene spletne debate (#Aufschrei, #Stuttgart21) vzdržujejo vizijo o živahni digitalni spletni javnosti, v kateri se prisluhne tudi marginaliziranim skupinam.

  Sicer lahko na internetu vsakdo brez večjih težav objavlja, denimo na lastnem spletnem dnevniku, na tviterju ali v obliki komentarjev in vnosov na forumih. Te nove komunikacijske možnosti vodijo v razširitev političnega prostora. Vsebine, ki jih posamezniki oblikujejo in objavijo, pogosto ne sledijo običajni, standardizirani rutini in novinarskim normam, ki jih poznamo iz tradicionalnih medijskih okolij. Vendar, ali informacije, ki jih lahko vsakdo objavi, neodvisno od svoje vloge, sploh kdo bere? Ali si je vsaj mogoče predstavljati, da jih politični akterji upoštevajo pri svojih odločitvah? Ali pa na koncu obveljajo le uveljavljene vsebine in tisti ponudniki, ki že tako in tako uživajo veliko pozornosti?   Analiza političnega vpliva mora upoštevati, da posamezne organizacije, kot je npr. WikiLeaks, vsekakor pod pritisk spravijo vlade in politične voditelje. Toda, ali je politični spletni protest tudi reprezentativen, ko gre za posredovanje civilnodružbenih perspektiv in glasu ljudstva? Znanstvena raziskava kaže, da priklic političnih informacij in soudeležba internetnih uporabnikov nista samoumevna. Internet uporabnikom predstavlja bolj razvedrilo kot medij za politično informiranje. Pri oblikovanju političnega mnenja, kar razkriva anketa hamburškega Inštituta Hansa Bredowa (HBI) iz leta 2012, je internet celo med mlajšo populacijo drugoten vir. Iz natančnejšega spremljanja ponudb, ki se jih poslužujejo uporabniki, je razvidno, da poleg znanih iskalnikov, kot je Google, uporabljajo predvsem portale različnih ponudnikov elektronske pošte in spletne strani tradicionalnih medijev. Raziskava inšti-tuta HBI pa kaže tudi na večanje dinamike v polju informacijskih kanalov. Prav mladostniki in mlajši odrasli izvejo pomembne novice iz družbenih omrežij, kot sta facebook ali tviter, občutno pogosteje kot ostale starostne skupine. Reprezentativna anketa po naročilu strokovnega združenja BITKOM, izvedena aprila 2013, prav tako prikazuje, da so televizija, časopisi in radio še vedno bolj razširjeni viri informacij za politične teme kot internet. V tej anketi se tudi izkaže, da moški pogosteje uporabljajo internet kot ženske, kar v kontekstu politične informiranosti in komunikacije ni presenetljiva ugotovitev. Obstaja t. i. democratic divide, ki družbe ne deli le na »online« in »offline«, temveč tudi po spolu in stopnji izobrazbe. Kar se pri informacijski komunikaciji kaže le v omejenem

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le ena od epizod nemške strankarske zgodovine – jasno je že, da je z njimi nemška strankarska politika dokončno priplula v medijsko resničnost 21. stoletja.   Vedno več ljudi si svoj svet ustvari na internetu in ta nepovratni razvoj ne more zaobiti niti političnega sistema. A ne gre le za alternativne poti širjenja in izražanja političnih sporočil (glej facebook, tviter, YouTube idr.). Internet ni zgolj dodatni komunikacijski kanal poleg klasičnih tiskanih in avdiovizualnih medijev, t. i. »Bild, BamS, Glotze«. 3   Srednjeročno bo spremenil tudi tradicionalne vloge znotraj političnega polja. Predstavniška demokracija že vnaprej legitimno, a vendarle togo razlikuje med proizvajalci in porabniki političnih ponudb: na eni strani je politični razred, na drugi so volivci. Doslej se je politični sistem tako lahko naslanjal na klasične množične medije, ki sicer igrajo vlogo neodvisnih in kritičnih opazovalcev, katerih delovanje pa – analogno politiki – sloni na strogem ločevanju med pošiljatelji in prejemniki. Iz tega sledi, da se dva strukturno podobna sistema – politika in mediji – zbližata toliko, kolikor izgubljata stik z volivci oziroma publiko. Pod geslom medijske demokracije so o tem fenomenu v politologiji na široko razpravljali posebej v devetdesetih letih.   Internet pa kljub temu deluje drugače. Ves čas se zavzema za popolno odpravo ločnice med pošiljatelji in prejemniki. Splet 2.0 in družbena omrežja delujejo na podlagi soudeležbe in dejavnosti uporabnikov. Ravno za mlade je sodelovanje v družbenih omrežjih in oblikovanje vsebin postalo del vsakdanjika. In na dlani je, da se od politike zahteva enako. Vse več ljudi se zato pri zadevah okrog politične soudeležbe ravna po vzoru spletne komunikacije in s tem po možnostih sodelovanja, ki jih ponuja decentralizirano organiziran medij, kot je www.

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Vendar pa si čisto vsaka državljanka oziroma vsak državljan s tviterjem in spletom 2.0 ne zna kaj dosti pomagati. Kako torej spremeniti analognega rojaka v usposobljenega spletnega državljana? Ali potrebujemo neke vrste tehnološko opismenjevanje, da se publika izuri za e-demokracijo? Mar nam morda v nasprotnem primeru grozi nastanek delnih javnosti, ki jih določa tehnična elita z uvrščanjem zgolj lastnih tem in interesov na politični dnevni red?   Še vedno ne obstajajo splošno sprejete vrednote in pravila za demokratično igro na spletu – in razprava o tem, kolikšno regulacijo sploh potrebuje oziroma prenese spletna politika, je še v povojih. Toda ni nam treba biti posebej evforični niti preveč črnogledi, da zaslutimo, da bo internet politično komunikacijo revolucionarno spremenil. Posledice tega razvoja so doslej še nejasne, toda čas je za to, da razmišljamo o političnih možnostih in tveganju interneta kot medija.   Četudi bo internet najbrž korenito spremenil demokratične politične procese, tega ne bo storil povsod na enak način. Obeti prihodnje ali že aktualne spletne politike pa v mladi, postsocialistični demokraciji, kot je slovenska, naletijo na delno drugačne pogoje kot v Nemčiji. Prispevki v tej knjižnici naslovno temo prav zato osvetljujejo z dvojne perspektive – slovenske in nemške. Toda kljub nacionalnim razlikam članki kažejo predvsem naslednje: ne bomo se mogli izogniti razpravljanju o izzivu, imenovanem internet, če se hočemo na nivoju našega časa resno pogovarjati o politiki.

  Dolgoročno se bodo s tem spremenila politična pravila igre. Ne nazadnje gre za novo razumevanje politike, morda celo za novo politični etiko – gre za zahtevo po najvišji možni meri transparentnosti politične komunikacije, za karseda dosledno osvetlitev političnega zaodrja in kolikor le mogoče neoviran dostop do informacij. Za optimistične glasove internet tako predstavlja skorajda neke vrste postmoderno uresničitev antičnega ideala polisa, torej možnost enakopravne soudeležbe državljanov pri politični usodi skupnosti. Na tem ozadju pa delujejo klasični množični mediji s svojo funkcijo »gatekeepinga« kot anahronizem iz mračne analogne pradavnine, ki ga domnevno zlahka pogrešimo v časih, v katerih imajo nekateri blogi večji domet kot marsikateri tiskani medij.

3 Domnevno naj bi nekdanji nemški kancler Gerhard Schröder leta 1999 trdil, da naj bi za svoje vladanje potreboval zgolj znani bulvarski tisk, kot sta BILD (»Bild«) in Bild am Sonntag (»BamS«), in televizijo (»Glotze«). Odtod citirano..

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Kristian Donko

Politika 2.0 – prihodnost demokracije? V Evropi narašča jeza. »Dvignite se!«, se glasi naslov leta 2010 objavljene polemike Francoza Stéphana Hessela, ki je postala mednarodna uspešnica. Pred njo pa je anonimen letak z napovedjo »prihajajoče vstaje« že poskrbel za senzacijo. Zdi se, da so ljudstva slišala signal: v Atenah, Rimu, Madridu, Istanbulu ali celo v sicer tako miroljubnem Stuttgartu – je ulica kot politično prizorišče doživela renesanso. Ob tem pa naj samo pomislimo še na svetovno gibanje Occupy s potaknjenci v Sloveniji in Nemčiji.   Kljub heterogenosti motivov in namer tovrstnih protestov se izkaže vsaj to, da jeza državljanov na politični sistem združuje državljane najrazličnejših nacionalnosti in političnih barv – kar ni le posledica globalne gospodarske in finančne krize.   »Kam z našo jezo?« se je denimo spričo političnega položaja, ki so ga pretresle številne korupcijske afere, spomladi 2013 spraševala slovenska revija Mladina. Najprej so jo morali občutiti radarji. Ko so v Mariboru javno razkrinkali korupcijsko sumljiv posel med mestno občino in nekim zasebnim podjetjem (ki so mu v zameno za postavitev radarjev obljubili levji delež pobranih kazni), se je jeza občanov spontano sprostila v uničevanju naprav.1

S tem je tudi v Sloveniji na politični oder stopil nov akter, ki v Nemčiji že dlje časa razvnema javnost: t. i. »Wutbürger«, 2 tj. figura razjarjenega državljana. Svoje javno razkritje je doživela v Stuttgartu, kjer so se med drugim dobro situirani državljani z nepričakovano surovostjo uprli milijardnemu strošku izgradnje podzemne železniške postaje. Na omenjenem primeru se je izkazalo, da politični protest ni več zgolj stvar družbeno zapostavljenih slojev prebivalstva, tradicionalno protestno razpoložene politične levice ali mladih. Jeza vse bolj popada tudi konservativnejše meščanske sloje, ki izjemno ognjevito sproščajo svoje razočaranje in frustracijo nad političnimi odločitvami. Onstran družbeno-demografskih spremenljivk ali političnih usmeritev je očitno večjemu delu evropske populacije skupno načelno nezaupanje do aspiracij po vodenju držav in politike. Tako državljani zahtevajo pravico do soodločanja in soudeležbe ali vsaj večjo pravico veta, ki presega obkrožanje kandidatov in strank v volilni kabini. Toda ali je ulična javnost v 21. stoletju še primeren kraj za uresničevanje tovrstnih zahtev? Kam torej z jezo, če imajo skrbno poslikani transparenti in leteče granitne kocke morda le omejen učinek?   Vse pogosteje se o internetu govori kot o viru nove politične (protestne) kulture. Pri tem je moč slutiti morebitno globljo spremembo političnega sistema – od vzpostavitve javnosti, prek oblikovanja stališč, osvetlitve uveljavitvenih zmožnosti in priložnosti za oblast, vse do novih poti sprejemanja demokratičnih odločitev. Ali nova medijska tehnika torej častitljivi predstavniški demokraciji morda ponuja nujno prenovitveno celično terapijo? Ali je mogoče na spletu mobilizirati ljudi, ki so se intimno že poslovili od politike, in jih pripraviti do aktivne politične soudeležbe? Se lahko jeza, pa tudi strast in volja do sooblikovanja, usmerijo v kanale, ki omogočijo produktiven politični diskurz? Ali pa na koncu internet le še dodatno razvname emocionalizem in morda tudi trivializacijo politike? Na področju internetne demokracije še vedno ostaja več vprašanj kot odgovorov – da pa si moramo ta vprašanja zastavljati, o tem skorajda nihče več ne dvomi.

Pirati najprej na valovih, potem v vodi   Nemški politični fenomen 2012 je predstavljal bliskovit vzpon piratske stranke – tako rekoč politične veje internetne revolucije. Ne glede na to, ali bodo pirati po spodletelem vstopu v zvezni parlament ostali

1 Genealogijo dogajanja je mogoče prebrati tudi na angleški strani Wikipedije: vnos „2012–13 Maribor protests“ http:// en.wikipedia.org/wiki/2012%E2%80%9313_Maribor_protests (citirano 08. 11. 2013). 2 Prav tako zaznamek na nemški strani Wikipedije: vnos „Wutbürger“: http://de.wikipedia.org/wiki/ Wutb%C3%BCrger (citirano 08. 11. 2013)

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Pozdravni nagovor S spletom 2.0 do demokracije 2.0? Veliko raz-pravljamo o tem, kako internet s svojimi (zdaj že ne več tako) novimi možnostmi vpliva na politične procese, demokracijo, oblikovanje mnenja in participacijo.   Ponudba novih informacijskih možnosti je raznolika. Formati, kot sta pojavnost politikov in institucij na spletnih straneh in facebooku, oglaševalski videi, poddaje (podcasti), internetne pogovorne oddaje ali sporočila na tviterju, poskušajo na različne načine pritegniti uporabnike, ki si lahko sami izberejo zanje najustreznejši kanal informacij.   Internet je kot prvi medij zmožen informacije posredovati brez bistvene komunikacijske zakasnitve. Takojšnje poročanje drugih internetnih uporabnikov, prenosi v živo (streamingi) in sporočila po tviterju državljane primaknejo bliže k dogajanju, s tem pa postanejo drugi posredniki dogodkov odveč. Zmožnost, da lahko globalne smernice razvoja spremljamo v realnem času, vzbuja interes in nudi bolj transparenten vpogled v aktualno dogajanje.   Hkrati pa internet odpira enosmerno cesto posredovanja informacij in omogoča medsebojno izmenjavo mnenj med politiko in državljani. Povratne informacije, komentarji in »všečkanje« odgovornim za vsebine ponazarjajo, kako državljani sprejemajo njihova stališča in odločitve, in hkrati spodbujajo individualno komunikacijo. Po drugi strani pa lahko tudi posamezniki dosežejo večjo javnost.   Internet oblikuje novo demokratično platformo, na kateri je moč izraziti in zaznati vsako mnenje. Vsakdo je deležen svobode pri izmenjavi, povpraševanju in zagovoru, pri soodločanju in neomejenem dostopu do informacij. Učinek te enakopravnosti pa ni omejen na virtualni prostor. Obča pravica do sooblikovanja se prenaša tudi na demokratični sistem, če se predlogi ali glasovalne ankete o političnih procesih upoštevajo ob sprejemanju odločitev. Slednje ustvarja identifikacijo s politiko in kljubuje splošni politični nejevolji.   Za demokracijo pa internet ne pomeni zgolj katalizatorja. Naraščajoča samostojnost in samoodločanje na spletu državljanu pri njegovem ravnanju z internetom nalagata odgovornost. V to odgovornost je vključena tudi politika. Da se demokratični potencial interneta optimalno izkoristi, mora politika vsem ponuditi enake možnosti za dostop in soudeležbo. Pozabiti ne smemo posebne odgovornosti glede ravnanja s podatki in varstva podatkov kot tudi zavezanosti novi etiki pri ravnanju s podatki, ki so dostopni po vsem svetu.   Od spleta 2.0 do demokracije 2.0 je še velik korak. Le tam, kjer se ljudje zavzemajo in prevzamejo pobudo, novi kanali šele omogočijo nove možnosti. Demokracija se s pomočjo interneta ne oplaja sama. Ne nazadnje je pri vseh novih priložnostih, ki jih omogoča internet, vse odvisno od posameznikove zavzetosti in njegove volje, da se pridruži in sooblikuje vsebino. Možnosti za to so najbrž tako dobre kot še nikoli prej.

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a publikacija izhaja z okrogle mize, ki je potekala v Ljubljani maja 2013. V okviru znanstvenega knjižnega sejma Liber.ac 2013 so namreč nemški in slovenski udeleženci razpravljali o internetu in demokraciji. Zahvaljujem se vsem sodelujočim in vsem podpornikom tega dogodka, še posebej pa Goethe-Institutu v Ljubljani pod vodstvom Hendrika E. Kloningerja, ki je s posebno zavzetostjo omogočil oboje – tako okroglo mizo kot tudi objavo pričujočih prispevkov. Kristian Donko, Ljubljana v novembru 2013

VSEBINA 3 Pozdravni nagovor Veleposlanica dr. Anna Prinz 4 Kristian Donko: Politika 2.0 – prihodnost demokracije? 6 Christian Nuernbergk: Digitalni protest, digitalna participacija – demokratična spletna javnost? 10 Tanja Oblak Črnič: Izzivi e-demokracije: 2003-2013 15 Ksenija Vidmar Horvat: Digitalna javna kultura in vox populi 19 Jan-Hinrik Schmidt: Demokratična mreža? 23 Katja Koren Ošljak: Med narcisistično samoreprezentacijo in politično participacijo na spletu 26 Nika Mahnič in Jasmina Ploštajner: Kriza politike in novi pristopi aktivacije političnega telesa: Primer portala Danes je nov dan 29 Slavoj Žižek: Internet kot bojiščez

Odtis (prevod: Tanja Petrič; Tanja Oblak Črnič (prevod: Lars Felgner), Ksenija Vidmar Horvat, Nika Mahnič/Jasmina Ploštajner, Katja Koren Ošljak (prevod: Marco Wolf). Eva Vrbnjak (lektorat SLO)

© Goethe-Institut Ljubljana © Filozofska Fakulteta Ljubljana © Avtorji Prevajanje in lektoriranje: Anna Prinz, Kristian Donko, Christian Nuernbergk, Jan-Hinrik Schmidt, Slavoj Žižek

Fotografija Anna Prinz © Jörg Carstensen, dpa) Fotografija Slavoj Žižek © Andy Miah (creative commons, CC BY-SA 2.0) Grafik & Design Peter Swoboda ISBN: 978-3-9503072-4-5

Brezplačna brošura

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Sprache. Kultur. Deutschland.